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Hieronymus Holzschuher (1469-1529) mit Deckel

Ident. Nr.: 557E

ObjID: obj:869623

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1526
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Hieronymus Holzschuher (1469-1529) mit Deckel
Translation: Portrait of Hieronymus Holzschuher (1469-1529) with cover
Geographical references
Herstellungsort: Nürnberg,
Stadt
Material / Technique
Lindenholz
Dimensions
Bildmaß: 51 x 37,1 cm
Acquisition
1884 Ankauf aus Sammlung Holzschuher, Nürnberg

Object Description

Das Bildnis des Hieronymus Holzschuher wurde bis ins späte 19. Jahrhundert in Nürnberg aufbewahrt. Zeitweise scheint es jedoch vergessen gewesen zu sein. Mit der Wiederentdeckung und Neubewertung der altdeutschen Kunst erlebte es gleichsam seine Wiedergeburt. Um 1812 war es unvermittelt in aller Munde. So neu und überraschend wirkte das Bildnis auf die Zeitgenossen, daß Sulpiz Boisserée, einer der bedeutendsten Sammler alter Kunst und ein Kenner, es für eine Fälschung hielt. »Ein Hauptspitzbube « sei da mit »im Spiel«, schrieb er seinem Bruder. Das Gemälde zeigt Dürers Eigenart in solcher Dichte, daß es der Kunstkenner für die Übertreibung eines Fälschers hielt. Er irrte, denn das Bildnis ist auch in früheren Zeiten bekannt gewesen und mehrfach bezeugt. Es ist ja unter Dürers späten Bildnissen eines der bedeutendsten. Die Inschrift links oben benennt den Dargestellten: »HIERONIM(VS) HOLTZSCHVER ANNO DO(MI)NI 1526. ETATIS SVE. 57«. Es wurde also von Dürer in dessen 57. Lebensjahr gemalt. Holzschuher gehörte einer der einflußreichen Nürnberger Familien an, die an der Regierung der Stadt teilhatten. So gelangte er 1499 in den »Innern Rat«, wurde 1500 Jüngerer, 1509 Älterer Bürgermeister und 1514 als »Septemvir« in den Hohen Rat gewählt, dem das Geschick der Stadt anvertraut war. Dürer war Holzschuher auch persönlich verbunden. Das Bildnis zeigt nur das mächtige Haupt und die Schultern. Der Dargestellte wendet sich, anders als bei vielen anderen Bildnissen von der Hand Dürers, unmittelbar dem Betrachter zu; er fixiert ihn mit den Augen, in deren Glanz sich in Lichtern und Reflexen die Umwelt spiegelt. Der gleichermaßen freundliche wie skeptisch kritische Blick läßt eine zupackende Direktheit und Offenheit des Charakters vermuten. Bei aller Weichheit der Modellierung, die den Flächen, Furchen und Wülsten der Physiognomie folgt, sind die Formen des Gesichtes streng und scharf umrissen. Genau beobachtet sind die kleinen Asymmetrien der Züge und das leichte Runzeln der Stirn über der Nasenwurzel. Die strengeren Züge werden gemildert durch die sanft geschwungenen Lippen des sensiblen Mundes und durch das Silberhaar, das das rosige Altmännergesicht wie ein Kranz umgibt. Vielfältig ist die Zeichnung des Haares. Der Pinsel folgt den langgekurvten Locken und Strähnen des Haupthaares, im Schnurrbart betonen ruhige Linien die Form des Mundes und der Kinnbart spinnt sich Schwung an Schwung zu einem silbrigen Geflecht von eigenem Reiz. Bei aller unbezweifelbaren Nähe des Porträts zur Wirklichkeit wird bei der Betrachtung des Bildnisses doch auch deutlich, daß Dürers Bemühen nicht nur auf eine äußerliche Wiedergabe eines Individuums gerichtet war. Das Bildnis bringt zugleich den Charakter der Person zur Anschauung, so daß wir glauben, mehr von ihr zu wissen als ein Gesicht gemeinhin verraten kann. Der Charakter wiederum wird zum Typus überhöht, der über das Individuelle hinausgreift. Dennoch war dieses Porträt nie ein offizielles. Der alte Rahmen, in den es immer noch gefaßt ist, ist mittels eines hölzernen Schiebedeckels verschließbar. Der Deckel zeigt ein Allianzwappen der Familien Holzschuher und Münzer, der Familie der Frau Holzschuhers. Der Deckel ist zwischen einem dunkel gebeizten inneren Rahmen um das Gemälde und einem äußeren Rahmen aus hellem Eschenholz einschiebbar, so daß das Bildnis dahinter geschützt war. In aller Regel war das Porträt also nicht zu sehen. Es hing nicht zur Betrachtung an der Wand. Es war verschlossen und unsichtbar. Vielleicht verdankt es diesem Umstand seine gute Erhaltung.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links oben: HIERONIMI. HOLTZSCHVER. ANNO. DO(mi)NI • 1526 •/ • ETATIS • SVE • 57 • rechts im Grund: AD
___________________________________________________________________________________________

The portrait of Hieronymus Holzschuher was preserved in Nuremberg until the late 19th century, but seems to have been forgotten for a time. However, with the rediscovery and re-evaluation of old German art, it experienced a kind of renaissance, and around 1812, everyone was talking about it. Contemporaries found the portrait so novel and so astonishing that Sulpiz Boisserée, a connoisseur and one of the most important collectors of old art, thought it was a forgery. “A scoundrel of the first order has been at work here”, he wrote to his brother. The painting is such a condensed example of Dürer’s hallmarks that Boisserée took it for the exaggeration of a forger. He was wrong, however, for the portrait was already well known earlier and its authorship attested to numerous times. It is one of Dürer’s most important late portraits.

The inscription at the top right names the sitter: “HIERONIM(VS) HOLTZSCHVER ANNO DO(MI)NI 1526. ETATIS SVE. 57”. In other words, Dürer painted it when Holzschuher was 57. Holzschuher belonged to one of Nuremberg’s influential ruling families. In 1499, he became a member of the city’s Inner Council, in 1500 a junior mayor, in 1509 an elder mayor and in 1514 he was elected as a septemvir to the Supreme Council, which was entrusted with the city’s fortunes. Dürer knew Holzschuher personally.

The portrait shows only the large head and shoulders. Unlike in many of Dürer’s other portraits, the sitter is looking directly at the viewer, fixing him with his glinting eyes which reflect the surroundings in lights and reflexes. His gaze is friendly but at the same time sceptically critical, suggesting a straightforward manner and a candid character. Although the modelling of the surfaces, furrows and ridges of the physiognomy is soft, the face is stringently and sharply delineated. A careful examination reveals that the features are slightly asymmetrical and the brow above the bridge of the nose is slightly furrowed. The more severe features are mitigated by the softly curving lips of the sensitive mouth and by the mane of silvery hair and beard framing the rosy, old-man’s face. Dürer uses many different techniques to draw the hair. Whereas for the hair on the head he follows the long curves and strands of the hair itself with the brush, for the moustache he uses smooth lines to accentuate the shape of the mouth. The beard, by contrast, is a silvery woven mesh with an appeal of its own.

While the portrait is certainly a true rendering of reality, Dürer was evidently at pains to portray more than just the exterior of an individual. The portrait also visualises Holzschuher’s character leading us to believe that we know more about him than a face would normally reveal. The character, in turn, is inflated into a type more than an individual. Yet this portrait was never an official one. The old frame
in which it is still fixed has a wooden sliding cover that enables the picture to be closed. On the cover is the joint coat of arms of the Holzschuher and Münzer families, the Münzers being Holzschuher’s in-laws. The cover can be inserted between the dark stained inner frame directly around the painting and an outer frame made of light ash wood, thus protecting the portrait behind it. Normally, the portrait was therefore not visible. It was shut away and did not hang on the wall. Perhaps this is why it has been so well preserved.| 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 28.09.2026

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Gemäldegalerie

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Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. 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Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. 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Ansicht von Nijmegen

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Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019