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Porträt einer jungen Dame mit Fruchtkorb

Ident. Nr.: 259B

ObjID: obj:869634

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Sebastiano del Piombo (1485 - 1547),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1512/13
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Porträt einer jungen Dame mit Fruchtkorb
Translation: Portrait of a Young Lady with a Basket of Fruit
Bildnis einer jungen Römerin
Translation: Portrait of a Young Roman Woman
Geographical references
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Bildmaß: 77,7 x 61,3 cm
Acquisition
1885 Ankauf aus der Sammlung Duke of Marlborough of Blenheim Castle

Object Description

Sebastiano del Piombo war in seiner Heimatstadt Venedig zunächst Schüler Giovanni Bellinis und wandte sich dann, nach Vasaris Zeugnis, Giorgione zu, dessen prägenden Einfluß seine Frühwerke deutlich verraten. 1511, kurz nach dem Tode Giorgiones, folgte Sebastiano der Einladung des gerade in Venedig weilenden römischen Bankiers Agostino Chigi, ihn nach Rom zu begleiten und an der Dekoration seiner Villa am Tiberufer mitzuwirken (1511/12). Durch Agostino Chigi lernte Sebastiano Raffael kennen, doch wurde diese Beziehung bald überschattet durch die Freundschaft mit Michelangelo, dessen Kunst seit der Mitte des zweiten Jahrzehnts von entscheidendem Einfluß auf seine künftige Entwicklung war. Zu den bedeutendsten Werken der ersten römischen Jahre gehört das Berliner Halbfigurenbildnis einer jungen Frau, das 1513 entstanden sein dürfte – entwickelter, anspruchsvoller, formaler in der Komposition als das 1512 datierte, informellere Frauenporträt in Florenz. Die junge Frau, nach links gewandt, ist in Dreiviertelansicht dargestellt, vor einer dunklen Mauer, die links eine Fensteröffnung hat, aus der man auf eine Landschaft mit Gehöften, Gebirgszügen und einem Himmel im Abendrot blickt. Sie trägt einen kostbaren pelzgefütterten Mantel aus rubinrotem Samt, dessen Kragen von der Schulter herabgeglitten ist und ihr Kleid sichtbar werden läßt, dessen Hellviolett in eine eigenartige farbige Spannung zum Rot tritt. Der Kopf ist leicht zurückgeneigt. Aus den Augenwinkeln trifft der Blick den Betrachter. Mit der rechten Hand hält sie den Pelzsaum des Mantels vor die Brust, die linke ruht auf dem Henkel eines Korbes mit Früchten und Blumen. Da dieser ein Attribut der heiligen Dorothea ist, wurde das Porträt als Bild der Heiligen bezeichnet, aber wohl zu Unrecht, da Heiligenschein und Palme fehlen. Eine alte Replik des Bildes (Verona, Museo di Castelvecchio) wurde aber schon 1657 als heilige Dorothea bezeichnet. Allerdings könnte der Korb auf den Vornamen der Frau anspielen. Wahrscheinlich handelt es sich um das Bild, das Vasari (1568) im Hause des Luca Torregiani in Rom sah. Später, als es sich in der Sammlung der Herzöge von Marl borough in Blenheim Castle, England befand (1765-1885), galt es als Werk Raffaels, als Bild seiner Freundin, der »Fornarina«. Das Bild ist eines der letzten in Rom gemalten Werke Sebastianos mit venezianischen Elementen. An Venedig erinnern noch die Bildidee der Halbfigur vor architektonischem Hintergrund mit seitlichem Fenster, die Farbigkeit und auch die kühle Stimmung der abendlichen Landschaft kurz nach Sonnenuntergang. Doch das Versonnen- Träumerische der Porträts des Giorgione-Kreises ist hier einer ruhigen Würde und Monumentalität gewichen, Charakteristika des sich unter Raffaels Einfluß entwickelnden römischen Stils Sebastianos. Man hat das Bild oft mit Raffaels Donna Velata verglichen, dem es als Vorbild gedient haben könnte. Der architektonische Hintergrund ist zwar authentisch, gehört aber nicht der ursprünglichen Bildkonzeption an. Zunächst war die junge Frau vor einer Lorbeerhecke dargestellt, wie Giorgiones Laura (Wien, Kunsthistorisches Museum), was vermuten läßt, dass das Werk als Brautbild gedacht war. Darauf deutet auch der zum Herzen weisende Gestus der rechten Hand, der andererseits auf antike Vorbilder zurückgeht. Reflexe von Sebastianos Bild finden sich in Halbfigurenbildern von Garofalo (ehemals Sammlung Herzog von Northumberland) und aus der Leonardo-Schule (Privatbesitz). Letztgenanntes Bild könnte seinem Porträt auch vorausgegangen sein. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Sebastiano del Piombo began his studies in his hometown of Venice with Giovanni Bellini before transferring – according to Vasari’s testimony – to Giorgione, whose formative influence is clearly betrayed by Piombo’s early works. In 1511, shortly after Giorgione’s death, Sebastiano accepted an invitation from the Roman banker Agostino Chigi, then living in Venice, to accompany him to Rome in order to work on decorations for his villa on the banks of the Tiber River (1511/12). Through Agostino Chigi, Sebastiano became acquainted with Raphael, but this relationship was soon overshadowed by his friendship with Michelangelo, whose art would represent a decisive influence on his subsequent development beginning in the mid-1520s.

Among the most important works of the early Roman years is the Berlin half-figure portrait of a young woman, which may date from 1513 – it is more developed, more ambitious and compositionally more formal than the rather informal female portrait in Florence, which is dated 1512–13.

The young woman, who turns toward the left, is depicted in a three-quarters view in front of a dark wall that is pierced by a window on the left, and through which a landscape displays farmsteads, mountains, and a sky that glows red with the setting sun. She wears a precious fur-lined cloak in red velvet whose collar has slipped downward from her shoulder to reveal her dress, whose pale violet creates an idiosyncratic chromatic tension with the red. Her head leans back slightly, her gaze confronting the beholder from the corners of her eyes. With her right hand, she holds the fur lining of her cloak in front of her breast; the left hand rests on the handle of a basket that contains fruits and flowers. Because this object is an attribute of Saint Dorothy, the portrait has been identified as depicting her, probably erroneously, since both the halo and the palm frond are missing. As early as
1657, however, an old replica of this picture (Verona, Museo di Castelvecchio) was identified as a Saint Dorothy. The basket may be an allusion to the woman’s given name. It is possible that this picture is the one Vasari (1568) mentions having seen in the home of Luca Torregiani in Rome. Later, when it was found in the collection of the Dukes of Marlborough in Blenheim Castle, England (1765–1885), it was regarded as a work by Raphael, namely as a portrait of his girlfriend “La Fornarina”.

This is one of the last Roman works by Sebastiano to contain Venetian elements. Recalling Venetian art is the pictorial idea of the half-figure in front of an architectural background with a window displaced to one side, the colour palette, and cool atmosphere of an evening landscape just before sundown. But the wistful, dreamy mood of the portraits from the circle of Giorgione yields here to a quiet dignity and monumentality, both characteristics of the Roman style which Sebastiano developed
under the influence of Raphael. This picture has often been compared to Raphael’s Donna Velata, for which it may have served as a model. The architectural background is certainly authentic, but does not however belong to the original pictorial conception. Originally, the young woman was shown in front of a laurel hedge, as in Giorgione’s Laura (Vienna, Kunsthistorisches Museum), suggesting that the work was intended as a betrothal portrait. Also pointing in this direction is the gesture of the right hand toward the heart, which is on the other hand traceable to antique prototypes. Reflections of Sebastiano’s portrait are detectable in a half-figure portrait by Garofalo (formerly Collection of the Duke of Northumberland) and the School of Leonardo (private collection). The last-named picture may however have preceded the present portrait. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 15.09.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

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Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645