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Tysoe Saul Hancock und seine Frau Philadelphia (geb. Austen) mit ihrer Tochter Elizabeth und der indischen Bediensteten Clarinda

Ident. Nr.: 78.1

ObjID: obj:869667

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Sir Joshua Reynolds (1723 - 1792),
Maler*in
Date(s)
1765–1767
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Tysoe Saul Hancock und seine Frau Philadelphia (geb. Austen) mit ihrer Tochter Elizabeth und der indischen Bediensteten Clarinda
Translation: Tysoe Saul Hancock and his Wife Philadelphia (née Austen) with their Daughter Elizabeth and the Indian Servant Clarinda
Geographical references
Herstellungsort: London,
Stadt
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 140,8 x 173,7 cm
Acquisition
1978 Ankauf von The Leger Galleries, London

Object Description

Im August 1752 legte das Schiff Bombay Castle der britischen East India Company im südindischen Madras (heute Chennai) an. An Bord war die junge, mittellose Philadelphia Austen (1730–1792), eine spätere Tante der britischen Schriftstellerin Jane Austen (1775–1817). Bereits im Januar des folgenden Jahres heiratete Philadelphia den in Fort St David nahe Madras für die East India Company tätigen Arzt Tysoe Saul Hancock (1723–1775). 1759/60 siedelten die Eheleute in das weiter nördlich gelegene Fort William in Kalkutta (heute Kolkata) um. Dort wurde am 22. Dezember 1761 das einzige Kind des Paares, Elizabeth, geboren. In zweiter Ehe mit ihrem Cousin Henry (1771–1850), dem älteren Bruder Jane Austens, verheiratet, starb sie 1813 im Beisein ihrer Cousine Jane als Elizabeth Austen in London.
Im Januar 1765 machten sich die Hancocks mit ihrer indischen Bediensteten Clarinda (gest. 1780) und Elizabeths Patenonkel Warren Hastings (1732–1818), einem späteren Generalgouverneur von Ostindien, an Bord der Medway auf den Rückweg nach England. Nur wenige Wochen nach ihrer Ankunft in London im Juni 1765 begannen die Porträtsitzungen der Familie bei Joshua Reynolds. Dieser verzeichnete zwischen August 1765 und Februar 1766 mehrere Treffen mit den Familienmitgliedern in seinem Rechnungsbuch, im Oktober 1765 auch eine Sitzung mit Clarinda. Die letzte Zahlung für das wohl fertiggestellte Gemälde erhielt Reynolds im August 1767.
Die Dargestellten stehen wie auf einer offenen Veranda im Vordergrund des Bildes. Tysoe Saul Hancock stützt sich in entspannter Haltung auf die Lehne eines mit rotem Brokat bespannten Stuhls. Hinter ihm öffnet sich eine weite, hügelige Landschaft. Rechts hinter den Frauen schließt dagegen ein purpurfarbener Vorhang die Außenwelt ab, ein Hinweis auf die häusliche Sphäre der Familie. Wie bei so vielen seiner großen Porträts griff Reynolds auch bei diesem Bild auf die klassische Bildtradition der italienischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts zurück, verband sie aber mit der neuen „indischen“ Mode. Der dominierende warme Farbklang von Braun (links), Rot und Weiß (Mitte) und zartem Grau (rechts) verrät seine Schulung an der flämischen Malerei.
Der Bildträger besteht aus zwei miteinander vernähten Leinwänden von unterschiedlicher Struktur. Die Naht verläuft auf Höhe von Hancocks Händen senkrecht durch die Stuhllehne. Möglicherweise umfasste der Auftrag für das Gemälde ursprünglich also nur drei Figuren, vermutlich die Kerngruppe von Vater, Mutter und Kind. Die Erweiterung der nahezu quadratischen Leinwand zum breiteren Querformat und damit auch der Figurengruppe dürfte jedoch schon zu einem frühen Zeitpunkt erfolgt sein. Die Röntgenaufnahmen des Gemäldes lassen keine größeren Änderungen der Komposition erkennen. Sie zeigen auch, dass Reynolds‘ Werkstatt, wie so häufig, einen nicht unerheblichen Anteil an der Ausführung gehabt haben dürfte. Von Philadelphia vollendete der Maler lediglich das Gesicht. Das nur in einigen grundlegenden Pinselstrichen angegebene Kleid dürfte sein für Gewänder zuständiger Werkstattleiter oder „drapery-man“ Peter Toms besorgt haben. Tysoe Saul Hancock, Elizabeth und Clarinda dagegen scheinen in einem Zug von Reynolds selbst gemalt zu sein.
Von besonderem Reiz sind die indischen Gewänder der beiden Letztgenannten. Sie sollen auffallen und auf die engen Beziehungen der Familie zu dem eben eroberten Indien hinweisen. Womöglich wurde auch Clarinda selbst aus ähnlichen Erwägungen letztlich in das Familienbildnis aufgenommen. Es spricht zugleich Vieles für eine enge Bindung der Familie zu Clarinda, die, wie ihr südindischer Schmuck vermuten lässt, möglicherweise bereits in den frühen 1750er Jahren in Madras in die Dienste der Eheleute Hancock getreten war. Nachdem Tysoe Saul Hancock 1768 aus beruflichen Gründen alleine nach Indien zurückgekehrt war, sprach er in den an die Familie in England gerichteten Briefen voll Zuneigung von Clarinda und schickte ihr Stoffe aus Indien. Vermutlich im zweiten Halbjahr 1780 verstarb sie, noch immer in den Diensten Philadelphias und Elizabeths stehend, nach schwerer Krankheit.
Das Gruppenbildnis blieb, zusammen mit einem zur selben Zeit von Reynolds geschaffenen Porträt des Familienfreundes und Patenonkels Warren Hastings (1766–1768; heute in der National Portrait Gallery, London), bis zur Zwangsversteigerung des Besitzes von Elizabeths Witwer Henry Austen im Jahr 1817 im Familienbesitz.

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

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Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. 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Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P