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Kopfkonsole

Ident. Nr.: 3115

ObjID: obj:869731

Details (expert)

Dating
Datierung: Mitte 14. Jahrhundert
Material / Technique
Kalksandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 19,5 x 25 x 12 cm

Object Description

Bei der ausdrucksstarken Kopfmaske handelt es sich um eine ehemalige Gewölbekonsole, wie die schrägen Ansätze über Stirn und Haarlocken und die rückseitigen Befestigungsspuren zeigen. Das männliche Gesicht ist bartlos und hat ein kräftiges Kinn, einen breiten Mund mit stark geschwungenen, fast wulstigen Lippen und eine sehr breite Nase mit großen Löchern, ausgeprägten Nasolabialfalten und hohe, kantige Wangenknochen. Als Ausdruck der Anstrengung infolge der tragenden Funktion können die halb geschlossenen, weit außen liegenden Augen, die angespannten wulstigen Augenbraun und die kräftigen Horizontalfalten auf der hohen Stirn gedeutet werden.
Es kann sich um keine Eckkonsole gehandelt haben, sondern um die Gewölbestütze an der Wand eines mehrjochigen Raums. Geht man davon aus, dass das Stück tatsächlich aus der 1823 abgerissenen Sint-Janskerk in Sluis bei Brügge stammt, kämen sicherlich in erster Linie die Seitenschiffe, aber auch eine Vorhalle oder Sakristei in Frage. Die überlieferte Bauzeit der Johanneskirche in Sluis (Mitte 14. Jahrhundert) passt gut zum stilistischen Befund. Menschliche und vor allem Kopfkonsolen sind Allgemeingut der hochgotischen Architektur in Flandern und Brabant, besonders zahlreich sind solche Konsolen aus der Mitte und zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, zu den frühen Belegen gehören die Konsolen in der Sint-Martinusbasiliek in Halle, in der Pfarrkirche in Vilvoorde, am Portal der Martinskirche in Asse und im Archivzimmer von St. Sulpitius in Diest (alle Mitte 14. Jahrhundert).

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 06.02.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)