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Amalie von Solms (1602-1675) in Witwentracht

Ident. Nr.: 1017

ObjID: obj:870039

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Gerrit van Honthorst (1592 - 1656),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1650
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Amalie von Solms (1602-1675) in Witwentracht
Translation: Amalie von Solms (1602-1675) in Widow's Dress
Geographical references
Herstellungsort: Holland,
Region
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Bildmaß: 85,8 x 83,2 cm achteckig
Acquisition
1829/30 Überweisung aus den Königlich Preußischen Schlössern

Object Description

Gerrit van Honthorst, der in seinen frühen Jahren als Maler vor allem biblische und mythologische Werke schuf, entwickelte sich zu einem der gefragtesten Porträtmaler seiner Zeit. Ab 1631 fertigte Honthorst diverse Bildnisse des oranischen Statthalters, Frederik Hendrik, dessen Gemahlin Amalia von Solms und ihren Kindern an. 1637 wurde er schließlich zum statthalterlichen Hofmaler ernannt. Neben den Porträts arbeitete er auch an der Gestaltung des sogenannten Oranjezaal im Palais Huis ten Bosch, Den Haag. Das Gebäude entstand auf Initiative von Amalia von Solms und entsprang ihrem Wunsch eine Sommerresidenz in der Nähe von Den Haag zu haben. Die Ausstattung des Oranjezaals wurde nach dem Tod von Frederik Hendrik 1647 von ihr fertiggestellt, wobei sie hier ein Bildprogramm initiierte, das allein dem Andenken des verstorbenen Statthalters gewidmet war.
Das Berliner Gemälde in dem ungewöhnlichen Format eines Oktogons zeigt das Porträt der Amalia von Solms in Witwentracht. Ihr Blick ist auf den Betrachter gerichtet. Mit der linken Hand weist sie demonstrativ auf ein Miniaturporträt ihres drei Jahre zuvor verstorbenen Gatten Frederik Hendrik. Das kleine, golden gerahmte Bild zeigt den Verstorbenen als nach rechts gewandetes Brustbild. Der Oranier trägt hier Rüstung, Spitzenkragen und ein blaues Seidenband mit Medaillon. Wie die Witwe blickt auch er den Betrachter direkt an. Frederik Hendriks Bildnis wurde als Teilkopie einem lebensgroßen Ganzfigurenporträt des Fürsten entnommen, das Gerard Honthorst 1647 von der oranischen Statthalterfamilie anfertigte. Auch das Gesicht der Amalia von Solms basiert auf diesem Familienbildnis, wurde jedoch der Zeit angepasst: ihre Züge wirken hier schmaler und gealtert. Ihr schlicht schwarzes Kleid, das hochgeschlossene Hemd und der schwarze Schleier verweisen auf ihren Status als Witwe. Auch die nur schlicht zurückgenommenen Haare, sowie der Perlenschmuck entsprechen dem Status der Trauernden, waren doch glänzende Stoffe und glitzernder Schmuck zu vermeiden. Allerdings fehlt ihr die für Witwen sonst so typische Kappe mit der meist V-förmigen Spitze oberhalb der Stirn.
Aufgrund der spezifischen Größe und der besonderen achteckigen Form ist anzunehmen, dass das Berliner Bild ursprünglich für die Ausstattung des Oranjezaals gedacht war. Hier befindet sich ein auf die Holzdecke gemaltes achteckiges Porträt der Amalia von Solms in exakt derselben Größe als Schlusspunkt unter der Kuppel. Parallel dazu existiert ein zweites Porträt von ihr in diesem Format, auf dem sie, ebenso wie auf dem Berliner Bild, in Trauerkleidung jedoch mit einem Totenschädel in der Hand dargestellt ist. Interessanterweise zeigt die Röntgenaufnahme des Berliner Bildes, dass Amalia von Solms auch hier zunächst einen Totenschädel in der Hand hielt. Damit stimmte das Berliner Werk sowohl in Größe, Format und Darstellung exakt mit dem zweiten, in Den Haag befindlichen Bild überein. Es ist davon auszugehen, dass das qualitativ hochwertigere, detailliert ausgearbeitete Berliner Bild als erstes entstand und vermutlich für das zweite Witwenbildnis in Den Haag als Vorlage diente.
Nachdem 1650 auch Wilhelm II., Amalias einziger Sohn, verstarb, übernahm sie als Witwe des Statthalters die Regierungsgeschäfte und kämpfte um die Herstellung verloren gegangener Rechte für ihren Enkel Wilhelm III, der erst acht Tage nach dem Tod seines Vaters geboren wurde. Möglicherweise darf das Berliner Bild mit dem expliziten, dynastischen Verweis auf Frederik Hendrik daher als machtpolitisches Instrument verstanden werden. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Links im Grund: GHonthorst 1650 (GH verbunden), rechts unten: 329 (Nummer des Schloss-Inventars)
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Gerrit van Honthorst, who mainly painted biblical and mythological works in his early years, became one of the most sought-after portraitists of his time. After 1631, Honthorst made various portraits of Stadtholder Prince Frederik Hendrik of Orange, his wife Amalie von Solms and their children. In 1637, he was appointed court painter to the stadtholder. In addition to the portraits, he also worked on decorating the socalled Oranjezaal, a hall in the Huis ten Bosch Palace in The Hague. The palace was
built at the wish of Amalie von Solms and resulted from her desire to have a summer residence near The Hague. She completed the fitting out of the Oranjezaal after the death of Frederik Hendrik in 1647, here initiating an iconographic programme dedicated entirely to the memory of the deceased stadtholder.

The Berlin painting in its unusual octagonal format portrays Amalie von Solms in widow’s garb. Her gaze is directed at the viewer. With her left hand, she demonstratively points to a miniature portrait of her husband Frederik Hendrik, who had died three years previously. The small, gold-framed picture shows the deceased in half-length turned to the right. Here he wears armour, a lace collar and a blue
silk ribbon with a medallion. Like the widow, he too looks directly at the beholder. Frederik Hendrik’s portrait was taken as a part-copy from a life-sized full-figure portrait of the Prince of Orange that Gerrit van Honthorst painted in 1647, showing the stadtholder’s family. The face of Amalie von Solms is also based on this family portrait, but was adapted to the passing of time: here her features seem thinner and to have aged. Her plain black dress, buttoned-up blouse and black veil point to her status as a widow. Her hair, drawn back simply, and pearl jewellery also match her position as a mourner, as shiny fabrics and sparkling jewellery had to be avoided. However, she lacks the cap, usually with a V-shaped point above the forehead that was otherwise typical of widows.

The particular size and the unusual octagonal shape suggest that the Berlin painting was originally intended to adorn the Oranjezaal, in which there is an octagonal portrait of Amalie von Solms, painted on the wooden ceiling in precisely the same size at the focal point beneath the dome. In addition to this, there exists a second portrait of her in this format, on which, as in the Berlin painting, she is depicted in mourning clothes but with a skull in her hand (fig. left). Interestingly, an X-ray of the Berlin picture shows that Amalie von Solms originally held a skull in her hand here too. Thus, the work in Berlin at first corresponds exactly to the second one in The Hague in size, format and presentation. It may be assumed that the Berlin painting, which is of higher quality and is worked in detail, was made first, and probably served as the original for producing the second picture of the widow in The Hague.

Following the death in 1650 of Willem II, Amalie’s only son, as the widow of the stadtholder she took the reins of government and fought to restore lost rights for her grandson Willem III, who was born only eight days after his father died. The portrait in Berlin with its explicit, dynastic reference to Frederik Hendrik may be interpreted as an instrument of political power. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 30.06.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit toten Vögeln

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Auf einer vom Bildrand angeschnittenen Tischplatte sind mehrere tote Vögel arrangiert: Ein Rebhuhn liegt kopfüber auf einem Holzeimer mit Bügel im Hintergrund, die Krallen nach links ausgestreckt. Bei dem auf einen Zweig gespießten Vogel in der Mitte handelt es sich vermutlich um eine Drosselart. Es war üblich, Drosseln mit leimbestrichenen Zweigen zu fangen. Links vorne liegt ein großer Buntspecht, rechts daneben ein Wiedehopf. Als Autor des kleinen ovalen Gemäldes vermutete man früher den Leidener Maler und Zeichner Philips Angel, den Verfasser des bedeutenden Traktats „Het Lof der Schilderkonst“ („Lob der Malerei“). Tatsächlich stammt das Berliner Bild jedoch von der Hand seines Großcousins, des gleichnamigen Middelburger Stilllebenspezialisten und Radierers.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten: P Angel 1650_______________________________________________________________________________________________________________________________________On a table, cut into by the edge of the painting, several dead birds are arranged in different poses. A partridge lies upside-down on a wooden basket with a hanger in the background, claws stretched out to the left. Corresponding with the capturing technique of the time, the thrush is skewered up with a glue covered twig. In the front, left, lies a woodpecker, right next to it a Eurasian hoopoe. This hand-palm sized oval has been formerly attributed as one of the lesser known works of Leidener painter and draughtsman Philips Angel. Angel was the author of the important treatise „Het Lof der Schilderkonst“ („Praise to art”). The Berlin painting, however, has been attributed to his great-cousin, a Middelburg still-life specialist and etcher by the same name.| Britta Bode

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An einem rasenbedeckten Hang ruht die Heilige Familie. Maria sitzt am Rain eines rechts vorbeiführenden Weges, das Kind in ihrem Schoß. Dahinter steht Joseph, den Hut in der Hand, und stützt sich auf seinen Stab. Drei prächtig gekleidete Engel in der Mitte singen und flöten. Einer der fünf nackten Engelputten hört ihnen zu, ein anderer schläft, den Kopf auf einem bemoosten Klotz hinten bei der Quelle. Dort schöpft ein anderer Wasser in eine seitlich geöffnete Pilgerflasche. Ein Engel bringt dem Christkind blühende und fruchttragende Erdbeerstauden, ein anderer einen flatternden Vogel, einen Papagei. Vielerlei Pflanzen, darunter Himmelsschlüssel, Distel, Akelei und Erdrauch, geben dem Ort den Anschein eines blühenden Gartens. Die Szene wird nach hinten abgeschlossen durch den aufsteigenden Hang links, auf dem um die frische Fichte herum grüne und dürre Bäume stehen, durch die altersgraue Tanne in der Mitte und durch die Birke rechts im Bild. Im Hintergrund erblickt man Berge und Gebirgszüge. Die Darstellung des Geschehens ist ungewöhnlich und mit zahlreichen legendären und symbolischen Anspielungen durchflochten. Der blühende Garten im Vordergrund, von der Bergwelt hinten abgeschlossen, ist als ein Platz der Freude und des Geborgenseins zu verstehen. Mehrere Pflanzen findet man da, die auf Maria und Christus oder auf mit ihnen verbundene Ereignisse anspielen. Die Erdbeere gilt als eine Frucht des Paradieses. Die Akelei wie auch der Himmelsschlüssel sind Pflanzen, die sinnbildhaft auf Maria und Christus und auf die Passion hindeuten. Auch die Distel, als eine dornentragende Pflanze, erinnert an die Dornenkrone und das Leiden Christi. So mischt sich in das Bild der Freude auch der Hinweis auf die kommende Leidenszeit. Die Quelle, die aus dem Hang sprudelt, entsprang nach der Legende auf ein Wort des Christuskindes, um die ermüdeten Reisenden zu erquicken. Sie verwandelte zugleich den wüsten Platz in einen Garten. Auch die musizierenden und spielenden Engel gehören in diesen Zusammenhang. Durch die symbolische Ausdeutung der Umgebung und die Erscheinung der Engel wächst dem Ort die Qualität eines Paradiesgartens zu. Der Ort der Ruhe auf der Flucht ist zugleich ein Ort himmlischer Freuden. Graphische Vorlagen Dürers wie die Heilige Familie mit den Hasen von 1496/97 haben anscheinend die Bildgestalt Cranachs mit bestimmt. Einige Motive der Darstellung sind dort vorgebildet. Cranach hat später, 1509, die Komposition in Holzschnitten noch einmal verarbeitet. Eine ziemlich getreue Kopie des Gemäldes wird in Wien verwahrt. Ihre Existenz deutet darauf hin, daß unser Gemälde von Cranach noch vor seiner Abreise aus Wien gemalt wurde. Das Gemälde ist das erste von Cranach signierte und datierte Werk. Die Rekonstruktion und Sicherung der Malerei Cranachs vor seiner Wittenberger Zeit wäre ohne die Kenntnis dieses Bildes kaum möglich gewesen. Lange Zeit war es nur durch Beschreibungen, aber kaum durch Anschauung bekannt. 1892 wurde es auf einer Ausstellung in München erstmals gezeigt. Dieses Ereignis bestimmte die Forschung über Cranachs Frühzeit wesentlich mit. Das Gemälde ist eines der frischesten und künstlerisch bedeutendsten Werke Cranachs überhaupt. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: am unteren Rand: Monogramm LC (auf einem Zettel) und Datum 1504___________________________________________________________________________________________The Holy Family is resting on a grassy slope. Mary sits on the edge of a path on the right, the child in her lap. Joseph stands behind her holding his hat in his hand and leaning on his staff. Three sumptuously dressed angels stand in the middle singing and playing flutes. One of the five naked angel cherubs is listening to them, another is asleep resting its head on the mossy hill behind, near the spring. There, a third cherub is drawing water into a pilgrim’s flask with an opening at the side. An angel brings the Christ child strawberry plants in flower and in fruit; another brings a bird flapping its wings, a parrot. The many varieties of plants, among them cowslips, thistles, columbine and fumitory, give the place the appearance of a flowering garden. The scene is enclosed from behind by the hillside rising on the left on which both green and dead trees stand around the young spruce, by the aging grey fir tree in the middle and by the birch on the right. Mountains can be seen in the background.The depiction of the scene is unusual because of the numerous legendary and symbolic allusions that are woven in. The flowering garden in the foreground, enclosed by the mountains in the background, can be interpreted as a place of joy and as a sanctuary. Several of the plants are allusions to Mary and Christ or to events connected with them. The strawberry is considered to be a fruit of paradise, while the columbine and the cowslip stand for Mary and Christ and refer to the Passion. The thistle, too, as a thorny plant recalls the crown of thorns and the suffering of Christ. Thus, the joyous scene is marred by allusions to the suffering to come. According to legend, the spring began bubbling out of the hillside at the Christ child’s bidding in order to quench the thirst of weary travellers. At the same time, it transformed the barren place into a garden to which the playing and music-making angels also belong. The symbolic interpretation of the surroundings and the appearance of the angels lends the place the quality of a garden of paradise. The resting place during the flight is simultaneously a scene of heavenly joy.Dürer’s graphic models for the painting, such as the Holy Family with the Rabbits from 1496/97, apparently also had an influence on Cranach’s composition. Some of the motifs are already present there. Later, in 1509, Cranach reworked the composition in woodcuts. A copy of the painting that is highly faithful to the original is preserved in Vienna. Its existence suggests that the Cranach in question here was painted before the artist left Vienna.This is the first work to be signed and dated by Cranach. Without knowledge of this painting, it would have been well-nigh impossible to reconstruct and reliably attribute Cranach’s pre-Wittenberg oeuvre. For a long time, it was known only through descriptions but without actually having been seen. It was shown for the first time at an exhibition in Munich in 1892. This event played a major role in subsequent research into Cranach’s early period. The painting is one of the freshest and artistically most significant works that Cranach ever produced. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

Im Jahre 1741 trat Rode in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Pesne ein. Hier konnte er seine künstlerischen Fähigkeiten optimal erschließen. Sicher auch auf dessen Anregung hin begab sich Rode um 1749 auf eine mehrjährige Studienreise nach Paris. Anfang der fünfziger Jahre weilte er gemeinsam mit dem Maler Adolf Friedrich Harper in Rom und Venedig. Hier hatten es ihm die glühenden Farben der Bilder von Tizian und Tintoretto angetan. Seit etwa 1753 lebte Rode wieder in Berlin. Die Erfahrungen der Studienreisen prägten sein künstlerisches Selbstverständnis. Mit nur unwesentlichen Modifikationen behielt er seinen Stil bis zum Lebensende bei. Seit 1770 wurde Rode in den Unterlagen der Berliner Kunstakademie als »Historien-Mahler« geführt. Mehrfach hatte er bereits erfolgreich für Friedrich den Großen gearbeitet. Dieser muss Rodes Stücke sehr geschätzt haben. So überrascht es nicht, dass er den Maler 1783 umgehend auf die vakante Akademiepräsidentenstelle berief. Mit der Reorganisation der Akademie unter ihrem Präsidenten Rode und dessen Stellvertreter Daniel Nikolaus Chodowiecki im Jahre 1786 ist auch dem neuen allgemeinen Interesse an vaterländischer Geschichte und ihrer Bewahrung in Artefakten entsprochen worden. Fortan unterstützte die Akademie zeitgemäße Kunst durch die Formulierung geeigneter Prämierungsgrundsätze. Sie sollte gewissermaßen »aus der uns allen sehr interessanten Brandenburgischen Geschichte« schöpfen, wie Chodowiecki im Mai 1786 in einem Vortrag äußerte. Einen Höhepunkt bedeuteten die von Christoph Friedrich Nicolai zwischen 1788 und 1792 veröffentlichten sechs Hefte: Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen und von einigen Personen, die um ihn waren. Es handelt sich hierbei um eine geprüfte frühe Quellenliteratur. Diese Veröffentlichungen haben auch Rodes Ereignisbilder zur vaterländischen Geschichte maßgeblich bestimmt. Er war der erste Maler in Brandenburg-Preußen, der sich bemühte, Historiographie frei von barockem Pathos in weltliche Ereignisbilder umzusetzen. Damit hatte der Künstler sich weitgehend vom klassischen Historienbild gelöst, wo die Taten exponierter Personen in mythologische oder religiöse Handlungen eingebettet wurden.Ein Zeugnis dieser neuen Reflexionsweise ist unser Gemälde, für dessen thematische Rahmenhandlung ein Hauptgefecht des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) gewählt wurde. Nachdenklich lehnt der König an einer Eiche, die als Kompositionsachse dient. Er behütet den Schlaf seines treuen Dieners, des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten. Eine Soldatenfrau, glücklich über das in der Nähe befindliche Feuer, stellt einen Topf mit Kartoffeln in den provisorischen Herd, ohne die Herrschaften zu bemerken. Eifrig facht sie die Glut an, so dass Asche in des Königs Gesicht geblasen wird. Dieser aber lässt sie gnädig gewähren, während er sich mit seinem Mantel schützt. Die Figuren sind in ein gedachtes ungleichschenkliges Dreieck gespannt, wodurch eine geradezu klassische Statuarik entsteht. Eine schöne Landschaft umschließt die Gruppe. Sie ist das Resultat von Rodes vielfältigen Naturstudien im Harz, im märkischen Oderland sowie in Schlesien. Das Licht des Lagerfeuers hebt die Akteure der Haupthandlung hervor. Damit hatte sich Rode die Möglichkeit eröffnet, die Glut eines gedämpften Kolorits zu verwenden, wie er es während seiner venezianischen Studienzeit kennen- und schätzengelernt haben dürfte. Eine flüchtige Zeichnung zur Vorbereitung der Komposition von Rodes Hand wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Das Gemälde wurde auf der Berliner Akademieausstellung des Jahres 1793 gezeigt. Es gehört zu einer locker gefügten Fridericiana, die zwischen 1786, respektive 1791, und 1795 entstand. Von den ursprünglich strenggenommen – acht Bildern sind nur vier erhalten. Erstaunlicherweise ist zu Lebzeiten des Malers keines von ihnen verkauft worden. Offenbar entsprachen die hier geschilderten Charaktereigenschaften des verblichenen Königs – Bescheidenheit, Furchtlosigkeit und Witz – sowie die Verwendung zeitgenössischer Kostüme nicht den Vorstellungen des Publikums, dem das zeitlos Erhabene vorzuschweben schien.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Stein: B. Rode / 1791._____________________________________________________________An anecdote relates that the king leant thoughtfully against an oak. He is watching over the sleep of his faithful servant, the Hussar General Zieten. A soldier’s wife is placing a pot of potatoes on the provisional hearth, without noticing the gentlemen. She is fanning the ashes so enthusiastically that ash is being blown in the king’s face. However, he graciously allows her to continue, while he protects himself with his cloak. The glow of the campfire highlights the protagonists. The painting was shown at the 1793 Berlin Academy exhibition (picture no. 2). It belongs to the so-called Fridericiana, a loose set of paintings by Rode created between 1786 and 1795, that were subsequently declared to be a series and depict important events of the biography of Frederick the Great (1712–1786). The Fridericiana ideologically follows the Brandenburgiana, a series of paintings by Rode created between 1757 and 1763 depicting events from Brandenburg-Prussian history.