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Volkreicher Kalvarienberg / Kaufmannsche Kreuzigung

Ident. Nr.: 1833

ObjID: obj:870133

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1340
Additional titles
Collection title: Volkreicher Kalvarienberg / Kaufmannsche Kreuzigung
Die Kreuzigung Christi
Kaufmannsche Kreuzigung
Translation: The Crucifixion of Christ (Kaufmann's Crucifixion)
Geographical references
Böhmen,
Region
Dimensions
Bildmaß: 68 x 30 cm
Acquisition
1918 Schenkung der Firmen Paul Cassirer, F.W. Lippmann, Berlin und Hugo Helbing, München

Object Description

Die schlanke Tafel, deren originaler Rahmen verloren ist, schildert das Geschehen von Golgatha. Die Komposition wird beherrscht von den die Bildfläche gliedernden Kreuzen und dem übergroßen Leib Christi. Die Kreuze, an welche die beiden Schächer in bizarren Haltungen gebunden sind, ordnen sich in ornamentaler Flächengeometrie dem Kruzifix unter. Engel mit Weihrauchfässern über den Querbalken, die die Sphäre des Himmels andeuten, beklagen den Gekreuzigten. Zu Füßen des Kreuzes herrscht dichtes Gedränge. Dem Betrachter erschließt sich das Geschehen, da er in einer Art Kavaliers perspektive von oben in die Szene hineinblickt. Vorn links stehen die Leidtragenden. Johannes stützt Maria, Magdalena umfaßt den Kreuzstamm, eine der Trauernden wendet sich schmerzerfüllt vom Geschehen ab. Dahinter ist der blinde Longinus zu sehen, der mit der Lanze die Seitenwunde Christi öffnet und durch Tropfen des heiligen Blutes von seinem Leiden geheilt wird. Rechts vom Kreuz streiten sich einige verwegen aussehende Gestalten, die Henkersknechte, um den Rock Christi, über den sie das Los geworfen hatten. Dahinter erblickt man die römischen Legionäre. Unter ihnen ragt die Gestalt des guten Hauptmanns heraus. Er hat die Gottheit Christi erkannt und weist auf ihn als den wahren Sohn Gottes hin. Longinus gegenüber reicht ein Henkersknecht den Schwamm mit Essig zu Christus hoch.
In der zusammengeballten Dichte des Geschehens, in erregten Gesichtern, eindringlichen Blicken und lebhafter Gestikulation, wird die Erschütterung, die das Ereignis bei den Beteiligten ausgelöst hat, anschaulich. Spannung erfüllt selbst noch die Kurvatur der Faltendraperien. Die Zeichnung und Modellierung der Formen ist präzis und klar, die Linienführung von kalligraphischer Eleganz. Die hellen, leuchtenden Farben, die dennoch eigentümlich gebunden erscheinen, unterstreichen in subtiler Weise die Bedeutung und Sinnhaftigkeit der einzelnen Gestalten. Die malerische Durchführung erinnert in ihrer Präzision und Detailfreude eher an Miniaturmalerei als an Tafelmalerei. Der Goldgrund ist bedauerlicherweise später erneuert worden.
Eine bolognesische Miniatur aus der Zeit um 1346/50, das Kanonblatt aus einem Missale in Rom (Archivio di S. Pietro), wurde als Vorbild benannt. Es könnte einigen Zügen der Komposition als Anregung gedient haben. Vielleicht war das Vorbild nicht zufällig eine Miniatur.
Über die regionale Herkunft der Tafel gibt es keine Gewißheit. Traditionell wird sie der Böhmischen Malerschule zugerechnet, die am Hof Karls IV. blühte. Dafür gibt es gute Gründe. Andere Wissenschaftler verweisen auf stilistische Vorbilder in Österreich. Insbesondere die gemalten Tafeln des Verduner Altars in Kloster Neuburg von etwa 1330/31 sind hier in Betracht zu ziehen. Aber auch Nachfolgewerke wie das Kanonbild aus einem Missale in St. Pölten sind in Zusammenhang mit unserer Tafel zu sehen. Die Verflechtungen zwischen den beiden Kunstlandschaften in dieser Zeit sind eng. Beide unterliegen den gleichen wechselseitigen Einflüssen. Grenzen sind schwer zu ziehen. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The slender panel, whose original frame has been lost, depicts the events at Golgotha. The composition is dominated by the three crosses dividing the pictorial space and by the over-dimensioned body of Christ. The crosses to which the two thieves are bound in contorted positions are subordinated to the crucifix by virtue of the ornamental geometric arrangement in the pictorial space. Above the crossbar, angels carrying vessels of incense, alluding to the heavenly sphere, are lamenting the crucified Christ. A throng of people has gathered at the foot of the cross. The scene is shown from a high viewpoint that allows the viewer to look down upon it as if from above. The mourners stand at the front on the left. John is supporting Mary while Mary Magdalene embraces the base of the cross. One of the mourners turns away from the scene overcome with grief. Behind them, the blind Longinus can be seen opening the wound in Christ’s side with his lance, the drops of holy blood healing
him of his affliction. To the right of the cross, a number of rakish-looking figures, the executioners’ assistants, are quarrelling over Christ’s robe, for which they have thrown dice. Behind them are the Roman legionaries, among them the figure of the Good Centurion. He has recognised Christ’s deity and proclaims that he is the true son of God. One of the executioner’s assistants standing opposite Longinus is passing a sponge soaked in vinegar to Christ.

The commotion among the crowd, the impassioned faces, their intense expressions and lively gesticulation convey the state of shock into which the crucifixion has thrown those involved. Even the curves of the drapery folds are full of tension. The drawing and modelling of the forms is clear and precise, the lines flowing with calligraphic elegance. The bright, radiant colours, which nevertheless match harmoniously, subtly underline the meaning and symbolism of each figure. In its precision and attention to detail, the painterly execution is more reminiscent of miniature painting than panel painting. Unfortunately, the gold ground was renewed at a later date.

The model for this panel painting is thought to have been a Bolognese miniature dating from the period around 1346/50, the canon page of a missal in Rome (Archivio di San Pietro). It is possible that certain features of this composition served as inspiration and indeed, it is perhaps no coincidence that the model was a miniature. The regional origin of the panel is uncertain. Traditionally, it has been attributed to the Bohemian school of painting, which flourished at the court of Charles IV, and
this supposition is certainly well grounded. Other scholars have pointed to Austrian models. The painted panels of the Verdun Altar piece in Klosterneuburg dating from around 1330/31 would be primary candidates here. But later works, such as the canon page of a missal in Saint Pölten, should also be considered in the context of the present panel, for the two artistic styles were closely connected during this period. Both were subject to the same influences, making it difficult to discover what influenced what. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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In ungewöhnlich großen goldenen Lettern fasst die Inschrift den Kopf des Dargestellten  (um 1504 - um 1564) ein. Dass der goldene Ring am linken Ringfinger das Wappen der holländischen Familie de Vos van Steenwijk zeigt, wurde schon im 19. Jahrhundert erkannt, allerdings herrschte lange keine Klarheit über die genaue Identität des Porträtierten. Die Identifizierung mit einem gewissen Roelof geht auf den Historiker und Genealogen Albrecht Nicolaas Baron de Vos van Steenwijk (1976) zurück. Diesem zufolge wurde Roelof 1505 als unehelicher Sohn von Reynalt de Vos van Steenwijk und Agnes van Ittersum geboren, im Februar 1537 wurde in Brüssel die Abstammung des damals etwa 31-Jährigen formal in einem Brief von Kaiser Karl V. anerkannt. Bald darauf heiratete er die Kölnerin Catharina Bellinckhausen, 1543 wird eine gemeinsame Tochter erwähnt. Vor 1548 ließ Roelof sich in Antwerpen nieder, wo er vor 1564 gestorben ist. Die aufrecht nach rechts gewandte Haltung des de Roelof Vos van Steenwijk, der aus dem Bild nach rechts und nicht auf den Betrachter blickt, spricht sehr dafür, dass dieses Porträt ursprünglich auf ein Gegenstück hin konzipiert war. Denkbar ist in Anbetracht der Tatsache, dass Roelof zwischen 1537 und 1543 geheiratet hat, dass es als Verlöbnisbild oder aber anlässlich der Eheschließung – mit einem möglichen Pendant der Gattin – in Auftrag gegeben wurde.| Christine SeidelSIGNATUR / INSCHRIFT: ANNO 1541 ETATIS SUAE 37

Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632) mit seiner Gemahlin und seinen Kindern (9 Teile)

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Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633