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Maria mit dem Kinde

Ident. Nr.: 8032

ObjID: obj:870947

Details (expert)

Creator/Entity
Date(s)
Datierung: 1420/30
Systematics/Type
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 171 x 68 x 43 cm
Acquisition
Erworben 1919 als Schenkung aus der Berliner Sammlung James Simon (1851–1932), wohin die Madonna angeblich aus dem süddeutschen Kunsthandel gelangt war; frühere Provenienz unbekannt. 1945–90 Ost-Berlin

Object Description

Die schlanke Figur der Muttergottes steht auf einer Erdscholle mit sekundär verstärkter Bodenplatte, mit vorgestelltem rechten Bein, dessen Knie sich unter dem Kleidstoff abzeichnet. Über der ausgestellten linken Hüfte sitzt ihr Kind, das eigentlich unzureichend von ihrer linken Hand an seiner Hüfte gehalten wird. Seine aufrechte Haltung mit leicht nach vorn gebeugtem Haupt wird auch durch keine stabile Auflage gestützt. Die Beine des einst unbekleideten Knaben – die aufgemalte Windel entstammt einer späteren Fassung – sind überkreuzt, sodass die Sohle des rechten Fußes sichtbar wird. Der linke Fuß ist wie die rechte Hand Marias, die ihn hält, erneuert worden. Ursprünglich könnte Maria mit der Rechten einen Apfel gehalten haben, wie häufig um 1400. Aber auch das Halten eines Fußes des Kindes ist in dieser Zeit nicht ungewöhnlich und hier aufgrund des auffallend lockeren Griffs der Linken um die Hüften durchaus logisch. Ansonsten fehlen Interaktionen zwischen Mutter und Kind. Dieses wird von Maria fast frontal präsentiert und dabei relativ weit in die Mitte gerückt, sodass ihr Haupt – gerade im Vergleich zu dem viel zu großen Kopf Jesu – deutlich in den Hintergrund tritt und sie somit auch nicht den direkten Blickkontakt zu ihm suchen kann, wie häufiger bei Madonnen mit weit zur Seite gehaltenen Kindern. Allenfalls ihre Kopfneigung und der ernste Blick können als intime Gesten verstanden werden, während sich die Wahrnehmung des Knaben eindeutig nach vorn, zu einem dort stehenden Betrachter orientiert. Auch seine Hände, die einen (vielleicht nicht originalen) Apfel halten, zeigen keinerlei Bezug zur Mutter. Das beherrschende Motiv bei diesem leicht auf Untersicht gearbeiteten Bildwerk ist somit die Darbietung des Kindes an einen vor ihm knienden Gläubigen durch Maria. Diesen Charakter betonte auch die vielfach übermalte Gewandung der Muttergottes, die als Hintergrund des nackten Kindes fungiert. Die Figur hat zweifellos künstlerische Schwächen. Besonders in der Gestaltung der Gesichter offenbaren sich die Grenzen des Bildschnitzers, dem weder filigrane Durchbildungen der Details noch anatomisch korrekte Wiedergaben einzelner Partien recht gelangen.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

Über einem knappen Schulterausschnitt erhebt sich der leicht nacht rechts gewendete Kopf des ca. 55-jährigen Barons Otto Hermann von Vietinghoff-Scheel. Er trägt unter dem Rock eine Weste mit einem darüber diagonal verlaufenden Ordensband, weiter ein über die Brust reichendes Halstuch, das so genannte Jabot, mit dem der vordere Ausschnitt der Weste verdeckt wird. Sein Haar ist nach der im 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Zopftracht mit Seitenlocken frisiert, die dem wohlgenährten Gesicht eine natürliche Würde verleiht.Der 1722 in Riga geborene Baron von Vietinghoff gehörte dem deutschbaltischen Uradel an und zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Livlands. Neben seinen Aufgaben als livländischer Gouvernementsregierungsrat in Riga, später Geheimrat und Senator, sowie am Hof von St. Petersburg, wo er im Dienste Katharina der Großen stand, machte er sich vor allem durch sein kulturelles, der Aufklärung verpflichtetes Engagement einen Namen. Sein immenser Reichtum erlaubte es ihm, die Kirche in Marienburg errichten zu lassen und ein großes Haus zu führen, im dem er die "Gesellschaft der Muße" gründete und ein Liebhaber-Theater einrichtete, deren Direktor er lange Zeit war. Darüber hinaus unterhielt er ein Orchester mit hervorragenden Musikern. Seine breitgefächerte Bildung und Kunstkenntnisse wie auch seinen ausgeprägten, in verschiedenen zeitgenössischen Quellen gerühmten Geschmack erwarb er durch zahlreiche ausgedehnte Reisen durch Frankreich und Italien. Unter seinem Einfluß erlebte seine Heimatstadt Riga einen kulturellen Aufschwung.Auf einer seiner zahlreichen Reisen in die französische Hauptstadt suchte der Baron - vermutlich 1777 - auch die Werkstatt von Jean-Antoine Houdon auf, um sich von dem erst 36-Jährigen, aber schon im Zenit seines Ruhmes stehenden Billdhauer porträtieren zu lassen. Houdon, der sculpteur der französischen Aufklärung, hatte sich vor allem durch seine Büsten der philosophes, der Pariser Intellektuellen wie u. A. Denis Diderot (1771) hervorgetan.Die zunächst in Gips ausgeführte Büste des Baron von Vietinghoff wurde im Pariser Salon von 1777 - wohl nur kurze Zeit nach ihrer Entstehung - mit 25 weiteren Werken Houdons ausgestellt, wie das livret unter der Nr. 238 vermerkt: "Portrait de M. le Baron de Vietinghoff (buste platre)". Diese frühe Fassung, von der noch weitere, nicht datierte Gipsrepliken existieren, dürfte als Modell für das hier gezeigte Marmorporträt von 1791 gedient haben, den es zeigt zweifellos den Mittfünfziger und nicht den 69-Jährigen, am Ende seines Lebens stehenden Baron. Houdon erfaßte in diesem Porträt nicht nur den selbstbewußten Staatsmann, dessen energisches Durchsetzungsvermögen uns in der Profilansicht besonders hervortritt, sondern auch den aufmerksamen lebensbejahenden Menschen, charkterisiert durch die leicht geöffneten Lippen und vor allem seinen offenen Blick, der einen Eindruck von jener Aktivität vermitttelt, mit der er durch sein wohltätiges Handeln einen kulturellen Wandel in seiner Heimatstadt herbeiführte. Houdon hat mit dieser Büste den Ruhm und die Verdienste des Barons auf eindrucksvolle Weise der Nachwelt überliefert.Hans-Ulrich Kessler