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Dangolsheimer Muttergottes

Ident. Nr.: 7055

ObjID: obj:871267

Details (expert)

Involved
Nikolaus Gerhaert von Leyden (1473),
Bildhauer*in
Dating
Datierung: um 1460/65
Abweichende Datierung: um 1460/65
Datierung engl.: ca.1460/65
Additional titles
Collection title: Dangolsheimer Muttergottes
Muttergottes mit Kind (Dangolsheimer Madonna)
Translation: Virgin and Child Known as the Dangolsheim Madonna
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 102 x 37 x 33 cm
Gewicht: 30 kg
Durchmesser x Tiefe: 2,0 x 3,6 cm (Dübelloch 1)
Durchmesser x Tiefe: 2,0 x 4,0 cm (Dübelloch 2)

Object Description

Die weltberühmte Figur wurde von einem der innovativsten Künstler des späten Mittelalters gefertigt. Der aus den Niederlanden stammende Niclaus Gerhaert arbeitete vor allem in Straßburg, dem großen Kunst- und Handelszentrum am Oberrhein, erhielt aber auch Aufträge etwa von Kaiser Friedrich III. aus Wien. Diese Madonna stammt sehr wahrscheinlich aus dem Straßburger Münster und gelangte im 19. Jahrhundert in einen Bauernhof im 10 km westlich gelegene Winzerdorf Dangolsheim. 1910 von der Forschung entdeckt und mit einem Schlag bekannt, wurde sie 1913 von den Königlichen Museen in Berlin erworben und ist bis heute eines der Hauptwerke im Bode-Museum. In Dangolsheim selbst ist die Madonna eine wahre Ikone, in der mittelalterlichen Pfarrkirche steht seit 2022 eine nach einem 3D-Scan angefertigte Kopie.

Die faszinierenden Motive der Figur hängen eng mit ihrem ursprünglichen Aufstellungsort und ihrer Funktion zusammen. Im Rücken sind noch heute Reliquien deponiert, bei denen es sich  um Teile des Schleiers der Muttergottes handeln dürfte, der im Straßburger Münster bis zur Einführung der Reformation 1523/24 hochverehrt wurde. Zu einer der wichtigsten Reliquien der Christenheit konnte der Marienschleier werden, weil er nach mittelalterlicher Vorstellung als Lendentuch Christi bei dessen Kreuzigung Wiederverwendung fand.

Die für den Gläubigen unsichtbare Reliquie sollte in der Figur wiedererkannt werden. Daher ist der kunstvoll arrangierte, lange Schleier ungewöhnlich stark betont. Durch das Zusammenspiel mit den voluminösen Locken Marias und ehemals der verlorenen Krone war er geradezu sinnlich erlebbar. Die Bewegung des Kindes ist uneindeutig. Es scheint zugleich unter dem Schleier hervorzuschauen, sich aber auch ängstlich zu verbergen. Diese kindliche Regung ist eine Anspielung auf die spätere Passion, die Jesus von Beginn an bewusst gewesen ist. Die Trauer darüber spiegelt sich im Gesicht der Muttergottes, in dem bei aller Eleganz ein feiner Hauch von Melancholie aufscheint.

Neben den spektakulären Haaren Marias, ihrem Schleier und dem stark bewegten Kind ist oder war die Wiedergabe der wertvollen Stoffe ein weiteres vielgelobtes Kennzeichen. Der schwere Mantel war ehemals vergoldet, sichtbar ist heute nur die weiße Grundierung. Er bildet eine bewegte Schale oder ein Schutzschild um den schlanken, jungfräulichen Körper, der von rechts vorne wie durch eine Schlucht sichtbar wird. Niclaus Gerhaert hat hier die Möglichkeiten der Gewandgestaltung zur Unterstützung der theologischen Aussage so weit getrieben wie keiner seiner Zeitgenossen.


Last updated: 19.06.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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