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Löwe als Säulenträger

Ident. Nr.: AE 266 a

ObjID: obj:872015

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 1. Hälfte 13. Jahrhundert
Systematics/Type
Material / Technique
Muschelkalkstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 32,5 x 34 x 21,5 cm
Acquisition
Erworben 1910 beim Hannoveraner Kunsthändler Louis Ring.

Object Description

Bei dem Löwen handelt es sich um einen Säulenträger, wie die leicht profilierte Auflage für die Basis hinter dem Löwenkopf zeigt. An der zweiseitigen glatten Bearbeitung des Steinblocks ist zudem ablesbar, dass dieser im Winkel zweier rechtwinklig aneinander stoßender Wände platziert worden ist, und zwar so, dass die Schmalseite mit dem Löwenkopf nach vorn zeigte und zusammen mit der Längsseite links daneben zu sehen war. Das könnte etwa im rechten Gewände eines Portals gewesen sein. Der kauernde Löwe hält vor sich zwischen den Krallen einen stark verwitterten Vogel, dessen Gefieder noch erkennbar ist, und hat seinen Kopf mit erhobenem Blick nach links gewendet. Die Physiognomie ist kräftig, im geöffneten Maul zeichnen sich die gefletschten Zähne deutlich ab. Der Haarkranz der Mähne und die Strähnen des Haupthaars sind sehr plastisch, Proportionen und Einzelmotive von durchaus guter Qualität. Portallöwen, die Lebewesen verschlingen oder in ihren Krallen halten, waren im 12. und 13. Jahrhundert weit verbreitet. Aufgrund ihrer Platzierung und der oft Furcht einflößenden Erscheinung wurden sie allgemein im Sinne apotropäischer Symbolik bzw. als Warnung an den Sünder gedeutet.
Der Löwe wird sich in der Ecke eines Portalgewändes befunden haben. Er war so angeordnet, dass sich der nach vorn gerichtete Kopf leicht nach links wendete, wie es etwa am Löwenportal von St. Andreas in Köln (um 1210) der Fall ist. Wie der gehobene Blick zeigt, wird er – anders als die herabschauenden Löwen an St. Andreas – unterhalb der Blickhöhe des Betrachters platziert gewesen sein, also vermutlich eine Dreiviertelsäule im Portalgewände getragen haben.
Die starke Plastizität und ausgeprägte Physiognomie des Löwen sowie sein relativ großer Kopf auf einem hohen Hals erinnern an die Löwendarstellungen im Paradies des Lübecker Doms, so an den Löwen mit Reiter und besonders den mit einem Vogel im Maul, der auch motivische Parallelen aufweist. Eine frühere Stufe stellen im Ostseeraum etwa die Löwen am Dom von Lund mit den längeren Hälsen und kleineren Köpfen dar, die vor 1200 entstanden.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 22.06.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kindertunika

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Die vollständig erhaltene Kindertunika besteht aus einem einzigen Gewebestück aus ungefärbtem Leinen. Sie wurde, wie die meisten Tuniken aus dem spätantiken bis früh-islamzeitlichen Ägypten, quer gewebt, das heißt, der Weber oder die Weberin begann und endete mit den Ärmeln. Vorder- und Rückenteil mit den typischen parallelen Zierstreifen (clavi) lagen folglich bei der Herstellung horizontal auf dem Webstuhl, der Halsschlitz dagegen senkrecht. Für die Herstellung dieser Kindertunika war eine Webstuhlbreite von mindestens 131 cm erforderlich, was der doppelten Länge der Tunika entspricht. Alle Dekorelemente, die Ärmelstreifen, die beiden clavi sowie die Hals- und Nackenborte, sind direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Die farbigen Wollfäden sind in den Ärmelstreifen völlig und in den übrigen Wirkereien zum Teil ausgefallen. Auch der Halsschlitz in der Mitte des Gewebes entstand bereits während des Webvorgangs. In diesem Bereich kehrten die Schussfäden beidseitig um, wodurch man einen geraden Spalt erhielt. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Nach der Abnahme vom Webstuhl musste sie um 90 Grad gedreht und in der Horizontalachse gefaltet werden. Die Seiten und Ärmel waren ursprünglich bis auf einen Bewegungsschlitz unter den Achseln geschlossen. Heute sind die Nähte gelöst, Spuren von Einstichlöchern und Nähgarnreste sind noch erkennbar. Die Ärmel wurden zum Handgelenk hin etwas schmaler. Dafür schlug man die Längsseiten schräg nach innen ein. Eine kleine Stopfstelle in der Mitte des Vorder- bzw. Rückenteils beweist, dass Kleidung mit großer Sorgfalt behandelt wurde, so dass sie lange getragen werden konnte.Die clavi und Ärmelstreifen sind mit jeweils einer Reihe herzförmiger roter Blätter in heller Umrandung auf grünem Grund verziert. Jede Reihe endet mit länglichen halben Ovalen. In den Zwickeln sind kleine rote Punkte zu erkennen. Die herzförmigen Blätter kehren im doppelten Zierstreifen an der Halsöffnung, diesmal jedoch liegend, wieder. Darunter setzt eine Bogenreihe an. Die Flächen zwischen den Säulen mit verdickten Enden als Basis sind mit roten, dunkelvioletten und gelben gestielten Blättern mit heller Binnenzeichnung gefüllt.Ein wellenförmiges Randmotiv, das gemeinhin als „laufender Hund“ bezeichnet wird, verläuft zu beiden Seiten der clavi und Ärmelstreifen sowie an der oberen Kante der Zierstreifen an der Halsöffnung. Diese Kante ist zusätzlich mit einer geflochtenen, rot-weißen Schnur eingefasst.Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 12-13, Nr. 1(Cäcilia Fluck 2017)

Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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