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Gelbes Lackkabinett mit chinoisen Szenen und Vögeln aus dem palazzo Graneri in turin

Ident. Nr.: W-1981,82

ObjID: obj:881717

Details (expert)

Involved
Herstellung: Pietro Massa (1721 - 1760),
Maler*in
Dating
um 1745/50
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: Raumgröße: 252 x 529 x 345 cm

Object Description

Turin, Hauptstadt des Königreiches Piemont und Residenz der vom spanischen Erbfolgekrieg begünstigten Savoyer, wurde im 18. Jahrhundert zum nach Venedig wichtigsten Zentrum der italienischen Lackmalerei.
Die lackierte Vertäfelung stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts in Turin erbauten Palazzo Graneri, der bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Umbauten erfuhr, als ihn der Erbe Carlo Gaspare Graneri bewohnte. Er ließ am Ende der Enfilade des herrschaftlichen Appartements hinter dem Schlafzimmer zwei kleine Kabinette mit chinoiser Lackkunst einrichten, die vermutlich dem Turiner Pietro Massa zuzuschreiben sind. Während das eine als Schreibkabinett diente (und noch heute an Ort und Stelle ist), wurde das heute in Berlin befindliche Kabinett als Ankleidezimmer genutzt. Betrat man es vom Schlafzimmer her, lag gleich rechts der verspiegelte Durchgang zum chinoisen Vorraum und zur Linken die Stirnwand mit dem Balkonaustritt zum Hof. Die zweite Tür auf der Zugangswand führte zum Diensttrakt des Palastes, während sich hinter den beiden großen Türen der gegenüberliegenden Wand wie auch hinter den schlanken Türen in den Ecken Kleiderschränke befanden.
Das gesamte Kabinett hat einheitlich zitronengelbe Wandflächen, die den Hintergrund geben für eine Malerei in kräftig bunten Farben. Die große zentrale Bildtafel reicht bis auf den Boden herab und scheint dem Besucher einen unmittelbaren Austritt in die von Vögeln und Insekten bevölkerte Landschaft zu bieten. Die vier großen Türtafeln erzählen Episoden einer kriegerischen Geschichte, die offenbar im fernen China spielt. In diesen komplexeren Bildkompositionen wird ein Grundproblem der europäischen Chinamode anschaulich: Der bemühte Verzicht auf typisch europäische Gestaltungselemente wie Zentralperspektive und Modellierung der Personen wird immer wieder durch erkennbar westliche Figurenkompositionen gebrochen. Das Turiner Kabinett ist so in seiner Mischung aus freier Nachahmung und versuchter Anverwandlung der fernen Welt ein schönes Beispiel für die dekorative Kraft, die in der Symbiose europäischer und fernöstlicher Dekorationskunst liegt.
ASt

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Ausfall aus einer belagerten Stadt

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Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776