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Reichsadlerhumpen mit Deckel

Ident. Nr.: K 932 a,b

ObjID: obj:883693

Details (expert)

Date(s)
1684
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 35 x 14 cm

Object Description

Das in Venedig bereits im 15. Jahrhundert übliche Bemalen der Gläser mit Emailfarben verbreitete sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts auch in den Ländern nördlich der Alpen. Den neuen Lebensgewohnheiten angepaßt, enstanden Gläser, die ein Fassungsvermögen bis zu zwei Litern besaßen. Diese hohen zylindrischen Gefäße, Humpen oder Luntz genannt, wurden meist als "Willkomm" genutzt, den der Gast beim Betreten eines Hauses zur Begrüßung leeren musste. Zu den beliebtesten, auf diesen Gläsern oft dargestellten Themen zählten seit den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts die Reichsadler und seit den 90er Jahren die Abbildung des Kaisers mit den drei geistlichen und vier weltlichen Kurfürsten. Beide Darstellungen versinnbildlichen den bürgerlichen Traum der deutschen Reichseinheit, die es zu dieser Zeirt dem Namen nach noch gab. Die Reichsadlerhumpen zeigen symbolisch anhand von 56, auf den ausgebreiteten Schwingen des Adlers in Vierergruppen (Quarternionen) abgebildeten Wappen der Stände des Reiches, die Einheit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. (W. Hennig, Führer durch die Sammlungen KGM Schloß Köpenick 1988)
Der Deckel dieses Stückes ist seit dem II. Weltkrieg verschollen.
MAKR

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa