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Rundscheibe mit Reichsadler mit Herzschild Österreich-Burgund sowie vier Szenen der Verherrlichung Kaiser Maximilians I.

Ident. Nr.: F 434

ObjID: obj:886937

Details (expert)

Dating
1510
Geographical references

Object Description

Die Rundscheibe besteht aus einem zentral gesetzten Wappenschild, der tailliert ist und oben und unten ausgezogene Spitzen besitzt, sowie vier Passfeldern, Zwickeln dazwischen und einem umlaufenden Streifen mit Blattornamenten (Lorbeerkranz?) und der Jahreszahl 1510. Das Schild zeigt den doppelköpfigen, nimbierten und gezüngten Reichsadler in Schwarz vor Gelb mit dem Herzschild Österreich-Burgund. Die vier Passfelder (oben beginnend und im Uhrzeigersinn nummeriert) zeigen vier Szenen mit Rittern und Landsknechten, deren Thema als „Verherrlichung Maximilians als Kaiser des Hl. Römischen Reiches, als Erzherzog von Österreich und als Chef und Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies“ beschrieben wurde.
Auf Feld 1 stehen in einer Landschaft zwei Landsknechte mit Lanzen, ein weiterer Mann und ein Fähnrich mit einer großen Fahne, auf der sich Feuerstein und Feuereisen finden, die Embleme des Ordens vom Goldenen Vlies. Auf Feld 2 reitet auf dem mit einem Gelieger geschützten Pferd ein Ritter im Vollharnisch, der eine große Fahne mit drei erkennbaren Adlern trägt; vermutlich sind die fünf goldenen Adler auf blauem Grund, damit die Fahne Altösterreichs gemeint. Auf Feld 3 schauen zwei Kanoniere mit Zündstab und Pulverhorn zum Ritter in Feld 2; die nahe Landschaft ist durch Büsche, Bodenwellen und Bäume gekennzeichnet. Auf Feld 4 reitet auf einem mit einem Gelieger geschützten Pferd ein Ritter im Vollharnisch dem Ritter auf Feld 2 entgegen, wobei er eine große Fahne mit sich führt, in der vermutlich Rot mit weißer Binde, die Fahne Neuösterreichs, zu sehen ist.
Die Scheibe fußt in ihrer Komposition und in den Darstellungen der Passfelder weitgehend auf einem wenig kleineren Scheibenriss, der allerdings ein anderes Wappen zeigt. Im unmittelbaren Vergleich von Riss und Scheibe fällt auf, dass die zunächst an den äußeren Rändern größeren Passfelder bereits auf dem Riss durch einen gegenüber dem Außenrand etwas engeren Kreis beschnitten sind. Dies findet sich in der Scheibe wieder, besonders deutlich in Feld 3 an den beschnittenen Füßen des linken Kanoniers. Andere durch den kleineren Kreis auf dem Riss beschnittene Details wie das Ordensemblem und der rechte Landsknecht in Feld 1 sowie der rechte Adler auf Feld 2 finden sich auch auf der Scheibe wieder. Da sonst, von dem linken, in der Scheibe hinter einer Bodenwelle stehenden Landsknecht in Feld 3 abgesehen, keine einschneidenden Veränderungen vom Riss zur Scheibe zu beobachten sind, und die Zeichenweise des Risses in dünneren und stärkeren Linien sich bei der Scheibe nicht findet, ist, wenn der Riss Schäufelein zuzuschreiben ist, die Zeichnung auf Glas einem anderen, wohl in der Hirsvogel-Werkstatt tätigen Maler zuzuweisen. Auf den Entwerfer sind damit die Auswahl der Dargestellten und die Abfolge der Szenen zurückzuführen; diese folgt nicht dem Uhrzeigersinn, vielmehr
sind die Felder 1 und 3 sowie 2 und 4 als Paare mit Konzentration auf das Wappen in der Mitte angeordnet. Erkennt man im Ritter in Feld 2 anhand der Vorzeichnung Maximilian I., zeigt die Scheibe den Kaiser im Kreise der drei wichtigsten Waffengattungen seines Heeres: Fußvolk (Feld 1), Reiterei (Feld 4) und Artillerie (Feld 3). Zudem besaß die Scheibe im Jahr 1510 eine bisher nicht gesehene Aktualität. Maximilian I. bat in diesem Jahr auf dem Augsburg Reichstag um sofortige militärische Unterstützung für seine Unternehmungen gegen Venedig und legte außerdem einen Plan für eine Heeresreform vor.
CVMA 98713

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

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Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.