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Pokal mit Phaeton als Lenker des Sonnenwagens

Ident. Nr.: W-1971,57

ObjID: obj:887146

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
frühere Zuschreibung: Elias Rosbach (1700–1765)
Date(s)
Ausführung: um 1730-1736
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Potsdam
Dimensions
Höhe: 24 cm
Durchmesser: 11,9 cm (Fuß)
Durchmesser: 10,6 cm (Mündung)
Wandungsstärke: 0,5 cm

Object Description

Pokal aus dickwandigem, farblosem Glas, verwärmter Abriss am Boden, glockenförmiger Fuß mit einem hochgeschnittenen Kranz aus Akanthusblättern, der mit Ringscheibe und Stufenbaluster plastisch gegliederte Schaft ist massiv, der Ansatz der sich konisch weitenden Kuppa wiederholt den Akanthusdekor vom Fuß, ihm wurden acht Luftblasen konzentrisch um eine zentrale Blase eingestochen. Die Wandung ist umlaufend mit einer Darstellung Phaetons als Lenker des von vier durchgehenden Pferden gezogenen Sonnenwagens in Tiefschnitt geschmückt, in den Wolken darüber greift Zeus mit seinem Blitzbündel ein, begleitet von seinem Attribut, dem Adler. Den plan- und schräg beschliffenen Mündungsrand ziert ein feiner Perlfries. Das Glas weist Symptome der Glaskrankheit auf, fortgeschritten am Fuß. Der stilistische Abgleich legt nahe, dass es sich hierbei um ein Erzeugnis der Potsdamer Glashütte aus der Zeit nach 1730 handelt (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 28.5). Der Akanthusfries ist zwar bereits von früheren Gläsern aus dieser Manufaktur bekannt, allerdings sprechen Glockenfuß, Schaftform und Kuppaansatz für diese Datierung. Der Phaethonmythos geht auf eine Erzählung aus den Metamorphosen des Ovid zurück, in der es um die Selbstüberschätzung des Menschen geht. Das Sujet war – wie andere mythologische Bildthemen – im Zeitalter des Barock aufgrund des narrativen und personellen Reichtums nicht nur für bildende Künstler, sondern auch für Glasschneider hochinteressant. [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa