Logo

Kirchenväterschale aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,393

ObjID: obj:887154

Details (expert)

Creator/Entity
Cord Hagen (seit 1465 Meister, 1470/71 Ältermann, gest. 1522),
Goldschmied*in
Date(s)
1476
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 16,5 x 32 cm
Gewicht: 2035 g

Object Description

Technisch entsprechend Inv. Nr. 1874,394, Ausführung aber weniger sorgfältig. Zeichen auf der Mitra des Ambrosius. Große Eindellung in der Schale. Email des Medaillons teilweise verloren.
Außer den Figuren weitgehend mit der Evangelistenschale übereinstimmend. Mauerkranz nach demselben Modell gegossen, im Durchmesser aber größer, die Türme breiter, auch sind gegenüber der früheren Schale die Ecken des Fußringes abgerundet. Identisch ist der gravierte Fries des Schalenrandes. Die vier lateinischen Kirchenväter thronen in einer Baldachinarchitektur aus gotischem Strebewerk, Spitzbögen, Triforien, Fialen und Wasserspeiern. Gregorius ist durch die Tiara (Teil des Stabes abgebrochen), Hieronymus durch den Löwen mit Nagel gekennzeichnet, Augustinus und Ambrosius (beide mit aufgeschlagenem Buch) sind nur durch kleine auf ihren Mitren befindliche Sternchen bzw. Prankenkreuze unterschieden. Den Architekturen und Figuren liegt jeweils ein Modell zugrunde, die Figuren unterscheiden sich nur in ihren Attributen, Kopfbedeckungen, Handhaltungen, der Hieronymus auch durch einen anderen Gewandtypus. Im Schaleninneren ein emailliertes Wappen-Medaillon mit der Inschrift: HANC APOTECARIUS TRIBVIT DOMINIS MATHIAS MUST 1476. (Diese Schale schenkte der Apotheker Matthias Must den Ratsherren 1476). Farben: Schwarz, Blau, Honigfarbe und transluzides Grün. Zwischen dem Wappen und einem umgebenden Blattkranz graviert (und ehemals emailliert) Blätter, Blüten, ein Hund und ein geflügeltes Mischwesen.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

Rastender Herkules (Modellnummer 382)

Herkules ist an seinen Attributen, der lorbeerblattumrankten Keule und dem Löwenfell, zu identifizieren. Er wendet den Kopf nach links und nimmt so gewissermaßen Kontakt auf zu seiner weiblichen Pendantfigur, "Venus im Muschelwagen". Im Bestand des Kunstgewerbemuseums sind beide Figuren, in jeweils unterschiedlichen Größen, als weiß glasierte (Herkules, Inv. Nr. DM 8) bzw. staffierte Versionen (Venus, Inv. Nr. O-1990,94) vorhanden.Bei der hier besprochenen Herkulesfigur handelt es sich um ein nur schrühgebranntes Exemplar, das vermutlich wegen der Brandrisse, v.a. am Sockel unterhalb des rechten Fußes, nicht in den Glasurbrand gegeben wurde. Abgesehen vom Scherben ist auch der geringe Größenunterschied zur glasierten Version von nur einem Zentimeter ein Indiz dafür, dass es sich nicht um das Tonmodell handelt, das bei einer Schwindung des Porzellans von 16-22 % größer sein müsste. An der detaillierten, fast überzeichneten Oberflächenmodellierung ist zu erkennen, dass der Entwerfer, Wilhelm Christian Meyer (1726-1786), die Verschleifung der Details durch die Glasur einkalkulierte. Wilhelm Christian war ambitionierter Bildhauer und Schüler seines Bruders Friedrich Elias Meyer (1723/24 - 1785). Letzterer war Modellmeister bei der KPM und holte seinen jüngeren Bruder 1766 an die Berliner Porzellanmanufaktur.Weiterführende Informationen sind zu finden in: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 307-309, Kat.Nr. 41; Claudia Kanowski, in: C.Kanowski / L. Lambacher: Tönerne Welten. Figürliche Keramik aus sechs Jahrhunderten. Eine Bestandsaufnahme im Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, Sonderdruck aus: Keramos (2015/I), Heft 227, S. 24-27, Abb. S. 26.ClKa