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Mikrokleid aus Perlmutterknöpfen und Stahlösen

Ident. Nr.: 2003,KR 594

ObjID: obj:887734

Details (expert)

Creator/Entity
Entwurf: Paco Rabanne (1934 - 2023),
Designer*in
Date(s)
Frühjahr/Sommer 1970
Geographical references
Herstellungsort: Paris
Dimensions
Länge: 78 cm

Object Description

„Untragbare Kleider“ präsentierte der 1934 in Spanien geborene Designer Paco Rabanne 1966 in seiner ersten Modenschau. Und in der Tat, seine kühnen Entwürfe aus Aluminium, Papier, Leuchtfasern, Plexiglas und Rhodoïd waren nicht zum Anziehen gedacht, sondern glichen Kunstobjekten, mit denen er die etablierten Vorstellungen von Kleidung hinterfragte. Seither wird sein Schaffen von diesen Überlegungen bestimmt, dienen seine Werke dazu, gängige Vorstellungen von Mode gegen den Strich zu bürsten. Immer wieder verstand es Rabanne, mit ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten. So wählte er für das rückenfreie, extrem schwere und sehr körpernahe Mikrokleid mit erhöhter Taille Perlmutterknöpfe, die mit je vier Stahlösen in aufwendiger Handarbeit zu einem Flächenverbund aneinandergefügt wurden – eine Technik, die auch bei Schutzschürzen für Fleischer eingesetzt wird.
Das Kleid ist im Rücken tief geschlitzt und wird am Taillenband mit Haken und Ösen geschlossen. Sein Bustier-Oberteil besteht aus zwei dreieckigen Büstenteilen mit schmalen Trägern. Die erhöhte Taille wird von einem breiten Band aus sechseckigen, miteinander verbundenen Stahlplättchen – „Squam“ – markiert. Ein schmaleres Band konturiert die Kanten und den Saum. Die 1970 noch als trivial angesehen und für Wäsche genutzten Perlmutterknöpfe verlieren im Verbund mit den glänzenden Stahlringen ihre simple Anmutung und verwandeln sich zu einer edlen Rüstung von geheimnisvollem Glanz – das passende Outfit für moderne Amazonen.
Paco Rabanne studierte in Paris Architektur und entwarf zunächst Accessoires für Balenciaga, Givenchy und Dior. 1967 gründete er sein eigenes Haute-Couture-Haus. Er gehörte neben Cardin, Courrèges und Ungaro zur Avantgarde der 1960er Jahre. CW

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa