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Kurfürstenpokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,379

ObjID: obj:887992

Details (expert)

Involved
zugeschrieben: Heinrich Folman (seit 1551 Lehrjunge bei Joachim Gripeswoldt, später dessen Schwiegersohn, 1568 Meister, gest. 1623),
Goldschmied*in
Dating
um 1570
Geographical references
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 60 x 21,7 cm (oben)
Gewicht: 3880 g

Object Description

Baluster, Trommeln, Ringe, Figuren, Köpfe, ovale Reliefs und Wappenschild gegossen und grob ziseliert. Bis auf Teile des Rollwerkornamentes, die kalt bemalt sind (nur in Resten erhalten), vollkommen vergoldet. Transluzider Grubenschmelz. Marken auf dem Fußrand. Linke Figur des Wappenschildes verloren.
Architektonisch aufgebauter Pokal mit figürlichen, von reichem Ornamentdekor gerahmten Darstellungen. Hoher, oben als Wulst über starker Einschnürung gebildeter Fuß, Rand getreppt. Auf der unteren, in eine Hohlkehle übergehenden Wölbung Roll- und Beschlagwerk mit drei vollplastischen Büsten – zwei Frauen, ein Krieger – und drei Ovalreliefs. Gegen diese versetzt entsprechende, ähnlich ornamentierte Reliefs in der oberen Wölbung, die von nackten, halb knienden Knaben gestützt werden, dazwischen je drei längliche, einen Eierstab bildende Buckel. In der Einschnürung profilierter Ring, darauf maureske Blattranken in Email. Ähnlicher Emaildekor, ergänzt durch drei springende Hirsche, auf der Schafttrommel. Vasenknauf reliefiert mit Rollwerk, Früchten, drei von kleinen Hirschen flankierten Kriegerköpfen und grotesken Masken; drei faunsgestaltige Spangen, als Zäsuren Zungenkränze. Unterer Teil der Kuppa entsprechend dem Fuß gestaltet, zylindrischer Teil zurückgesetzt. Unter Arkaden vor fein gepunztem Rankenmuster und alternierend mit reliefierten weiblichen Halbfiguren die sieben vollplastisch gegossenen Figuren der deutschen Kurfürsten, vier davon an ihren Attributen Pokal, Schüsseln, Schwert und Schlüssel als Böhmen, die Pfalz, Sachsen und Brandenburg erkennbar, während an Hand der beigegebenen Wappenscheiben in schlecht erhaltener Hinterglasmalerei nur Köln zu bestimmen ist. Breit ausladende Mündung mit graviertem Maureskendekor, abgesetzt durch Profilringe und Birnfries mit Löwenmasken. Auf dem Deckel, dessen Zungenrand weit überkragt, drei ovale Reliefs in Ornamentkartuschen, dazwischen vollplastische Kriegerbüsten. Der Deckelaufsatz variiert den Schaft, als Dekor Weinreben und Puttenköpfe. Als Bekrönung ein römischer Krieger mit Lanze.
Die figürlichen Reliefs stellen Ereignisse aus der alten Geschichte dar. Am Fuß unten die Wölfin mit Romulus und Remus, die Erbauung Roms und die Ermordung des Remus. Darüber drei römische Helden: Horatius Cocles verteidigt die Brücke, Mucius Scaevola verbrennt seine Hand und Marcus Curtius stürzt sich in den Abgrund. Am unteren Wulst der Kuppa die Flucht der Cloelia aus der Gefangenschaft bei Porsenna, ein Kampf mit einem Drachen und M. Valerius Corvus, der den Gallier ersticht. Auf dem oberen Kuppawulst Alexander, der Homers Werke in einen Schrein legen läßt, der Selbstmord des Cato (?) und ein Gastmahl. Die Reliefs des Deckels scheinen mit dem triumphalen Einzug eines Königs und dessen Gesetzgebung bzw. Rechtssprechung keine bestimmten Ereignisse zu schildern, sondern allgemein auf die Voraussetzungen eines guten Regiments hinweisen zu wollen. Im Inneren des Deckels und unter dem Fuß runde Reliefs mit Darstellungen Susannas und den Alten bzw. Rebekkas und Eliesers am Brunnen. Ihnen zugeordnet jeweils drei vollplastische Putten, wovon jene im Deckel mit Früchten in der Hand vor einem gravierten Parkhintergrund erscheinen.

Last updated: 22.06.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa