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Große Konfektschale mit Granatäpfeln aus dem Lünebuerger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,399

ObjID: obj:888613

Details (expert)

Date(s)
vor 1535
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 6,3 x 25,9 cm
Gewicht: 413 g

Object Description

Rand gesondert gefertigt und wie der Mittelbuckel vergoldet, Außenseite unvergoldet. Marken in der Mitte der Unterseite. – Emaillierung beschädigt.
Flache Schale auf drei naturgetreu gestalteten, als Füße dienenden Granatäpfeln mit spiralig gedrehtem Stiel. Wandung aus 24 zungenförmigen Buckeln, dazwischen von außen gepunzte Blütenmotive. Nach innen getriebenes, auf dem Grund punziertes Mittelteil: umlaufender, tremolierter Astring, aus dem sechs aufgesprungene Granatäpfel, alternierend mit Blattrankenwerk, wachsen. Im rot und transluzid grün emaillierten Mittelfeld zwei Wappenschilder und Pflanzendekor, umlaufend ein Flechtkranz mit dreilappigen Blättern. Im einen Schild Darstellung der Anna Selbdritt, im anderen Wappen der Familie Stolterbole.
Die Schale wird 1535 als Herwede (Nachlaßsteuer) erwähnt: "Jt. 30m bartold Stolterbole 1 schale noch 1 sulueren schale im testamente gegheuen", erscheint auch im Inventar von 1555/56 (B. 21) als "Ein nige suluere schale, so Bartelt Stolterbole gegeuen", und genauer im Inventar von 1598 (C. 162) als "Ein silbern Schale mit einem Fuss, mitten ausgetrieben, vnd etwas verguldet, vnd Stolterbolen wapen, Nemblich drey wolffsangel im blaën felde."

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa