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Sturzbecher in Gestalt eines Mönches

Ident. Nr.: W-1971,71

ObjID: obj:889368

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Date(s)
Ausführung: 1720-1736
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Potsdam
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 15,5 x 9,3 cm
Wandungsstärke: 0,35 cm

Object Description

Becherförmige Kuppa mit einem mattiertem Band mit polierten Kugeln über einem geblänkten Kugelfries, der Mündungsrand verwärmt, angesetzt ein massiver Knauf in Gestalt einer plastisch geformten Mönchsbüste. Die Büste wurde in eine zweiteilige Form gegossen, Details des Gesichts überschliffen, geschnitten und poliert, die spitz zulaufende Kapuze seines Ordensgewandes mattiert. Das Glas ist krank. Schon seit dem 16. Jahrhundert erfreuten sich Scherzgläser, also Gefäße, die das Trinken erschweren, großer Beliebtheit. Dieser glockenförmige Becher ohne Fuß konnte nur gestürzt geleert werden und wurde dann auf dem Kupparand abgestellt. Die Mönchsbüste geriet dabei vom Kopf stehend wieder in die Senkrechte. Zu dem Becher gehört ein Pendant mit der Büste einer Nonne (Inv.-Nr. W-1971,72). Weitere erhaltene Exemplare, teils mit Büste auf einer aus farblosem sowie aus Rubinglas bezeugen das Interesse des preußischen Hofs an diesen wenig frommen Gläsern (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 95, 96, S. 159, 160; Franze, Mönch und Nonne, 2008; Rückert, Die Glassammlung, Bd. 2, 1982, Kat. 817, S. 278, Taf. 255; Mosel, Glas, 1979, Kat. 234, S. 149; Hörning, Gläser vom XVI. bis XIX. Jahrhundert, 1978, Kat. 102; Klesse, Glassammlung Krug, Bd. 1, 1965, Kat. 276, S. 252f.; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1956, Abb. 17, 18). Auch Königin Sophie Dorothea (1687–1757) hatte nachweislich ein Paar Sturzbecher mit Mönch und Nonne in ihrer Sammlung (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 65). [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa