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niedriger Becher mit Adler und Greif

Ident. Nr.: K 896

ObjID: obj:892188

Details (expert)

Creator/Entity
Zuschreibung unsicher: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Date(s)
Ausführung: 1674-1688
Geographical references
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 8,7 x 8,8 cm
Wandungsstärke: 0,8 cm

Object Description

Niedriger, leicht gebauchter Becher aus dickwandigem, graustichigem Glas, Boden hochgestochen, Mündungsrand verwärmt. Die Wandung ist umlaufend mit einem Landschaftssockel mit Blumen in feinem Tiefschnitt sowie Häusern und Bäumen in zartem Diamantriss dekoriert, darauf – gegenübergestellt – ein großformatiger Adler sowie Greif. Während der Adler ganz naturalistisch abgebildet ist, auf einem Ast sitzend und dabei den Kopf wendend, schreitet der Greif nach heraldischen Grundsätzen voran. Der Adler personifiziert als brandenburgisch-preußisches Wappentier, der Greif sehr wahrscheinlich Hinterpommern, das mit dem Westfälischen Frieden 1648 an Brandenburg-Preußen gefallen war. Die Form dieses schweren Glases spricht für eine Datierung noch ins 17. Jahrhundert. Sie lässt im Grunde keine regionale Einordnung zu, allerdings verweist das Sujet auf Brandenburg. Als Hersteller infrage kommen die Potsdamer Glashütten in Drewitz, die von 1674 bis 1688 aktiv war, und jene auf dem Hakendamm, ab 1679 unter der Leitung von Johann Kunckel (um 1635–1703). Beide Hütten lieferten Hohlgläser mit Schnittdekor. Mit dem Diamanten gerissene Dekore hingegen sind gänzlich untypisch für brandenburgische Gläser. Diese Veredelungsmethode war in den Niederlanden verbreitet und ist ebenfalls aus Nürnberg, in den Arbeiten Schwanhardt-Schwinger-Schule aus der Zeit um 1680 überliefert. Allerdings sind diese Beispiele ausnahmslos auf dünnwandigen Hohlgläsern zu finden und selten in Kombination mit Tiefschnitt, wie hier. Möglicherweise besteht hier ein Ansatz für die Zuschreibung an Dessauer Glasschneider, die in Drewitz arbeiteten. [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Zeremonialstab, sog. Zepter Karls des Großen aus der ehem. Reichsabtei Werden

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Der achtkantige Zeremonialstab besteht aus einer Handhabe, zwei Schaftstücken und einer Bekrönung in der gerippten Form eines Streitkolbens mit acht Schlagblättern. Zwischen diesen Teilen befinden sich vier facettierte Knäufe. Schmale Zierreifen aus vergoldetem Silber verdecken die Stöße der einzelnen Jaspisteile. Dem Schaft sind zwei silbervergoldete Manschetten angelegt, um Bruchstellen im Stein zu sichern. Während eine Eichel den oberen Abschluss des Stabes bildet, ist am unteren Ende der Handhabe das Monogramm Karls des Großen (* 748, Reg. 768–814) eingraviert, das dem Werk seinen ehrwürdigen Namen eingebracht hat. Ein Achatstab im Kunsthistorischen Museum Wien ist dem Berliner Exemplar sehr eng verwandt, er zeigt jedoch keine Montierungen. Zeichnungen aus der Zeit um 1573 und gegen 1753 sowie stilkritische und materialanalytische Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass die Silberfassungen am Berliner Stab das Resultat von drei verschiedenen Bearbeitungsphasen sind. Erst mit der zweiten – im Zeitraum zwischen den beiden Zeichnungen erfolgten – Veränderung der Montierung erhielt er durch das Karlsmonogramm auf der erneuerten Kalotte der Handhabe sein Signum als angebliches Zepter Karls des Großen.Die früheste Erwähnung als Zepter Karls findet sich in den um 1600 entstanden Werdener Klosterannalen: „Karls Zepter, aus Jaspis gefertigt dessen sich die Äbte bei den fürstlichen Amtshandlungen und bei den Belehnungen der Großen bedienen. Dabei wird es bei der Eidesleistung zur größeren Bekräftigung des Treueversprechens mit der Hand berührt.“ Eine Zeichnung im Lehensbuch des Abtes Heinrich Duden (Abbatiat 1573–1601) zeigt am unteren Abschluss der Handhabe abweichend vom heutigen Zustand eine segmentierte Kalotte ohne Karlsmonogramm, die man als Werk des 16. Jahrhunderts ansprechen möchte. Es ist zweifelhaft, ob diese älteste Silbermontierung des Werkes auch seine ursprüngliche war oder ob sie womöglich selbst schon das Resultat einer ersten Umarbeitung des zunächst ohne eine zierende Metallfassung geschaffenen – dem Wiener Stab dann einst tatsächlich zwillingshaft ähnlichen – Werkes darstellt.Heinrich Duden beschreibt in einer wohl im dritten Viertel des 15. Jahrhunderts entstandenen „Nota de usu sceptorum“ den Gebrauch des „sceptrum maius ex iaspide factum“, das dem Abt bei Prozessionen vom Marschall voran getragen und bei Belehnungen von Personen hohen Standes benutzt wurde. Vielleicht spiegelt sich in der sprachlichen Wandlung von dieser rein deskriptiven Bezeichnung des Werkes hin zur historisierenden Benennung als „Caroli sceptrum“ in den nur wenige Jahrzehnte jüngeren Klosterannalen eine Übertragung der auf dem angeblichen Gründungsprivileg beruhenden Werdener Karlstradition auf das Lehenszepter aus Jaspis, die schließlich zur Anbringung jener so nachdrücklich um Legitimationsstiftung bemühten Gravur des Karlsmonogramms geführt hat.In seiner Funktion als Lehenszepter, als Insignum weltlicher Macht, kann der Zeremonialstab den reichsunmittelbaren Werdener Fürstäbten nur vom Kaiser selbst verliehen worden sein. Die Hypothese in ihm ein Geschenk des kaiserlichen Lehensherren an die Abtei Werden anlässlich der Abtswahlen der Jahre 1520 oder 1540 zu sehen, erscheint nicht abwegig. Vielleicht war eine solche Insignienverleihung der Anlass für die Anbringung einer ersten Silbermontierung an dem älteren Jaspisstab. LL

Pokal mit Genien und Schraubfuß

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