Logo

Episode aus der Aeneis: Dido läßt einen Scheiterhaufen errichten und den Göttern opfern

Ident. Nr.: K 5098

ObjID: obj:892398

Details (expert)

Involved
Aeneas-Meister (1501-1533)
Dating
nach 1502
Material / Technique

Object Description

Episode aus der wohl populärsten Erzählung in Vergils Aeneis, , dem Liebesdrama zwischen der karthagischen Königin Dido und dem Trojaner Aeneas. Dessen göttliche Bestimmung ist die Gründung Roms, weshalb er Dido verlassen muß. Dido läßt daraufhin einen Scheiterhaufen errichten und den Göttern opfern (Buch IV, Vers 433 ff.): In Erfüllung seines Auftrages hat Aeneas von seiner Geliebten Abschied genommen. Im Hintergrund rechts sitzt er in einem Nachen, über ihm ein "Engel", der ihn an seine Aufgabe gemahnt. Im Mittelgrund Dido und ihre Schwester Anna vor einem Altar, an dem ein "Priester" das Weinopfer darbringt, das sich vor Didos Augen in Blut verwandelt. Rechts der mit einem Totenkranz geschmückte Scheiterhaufen, auf dem die Erinnerungsstücke an ihren Geliebten verbrannt werden sollen. Sie sind links im Hintergrund in einer Kammer zu sehen: Die gemeinsame Schlafstatt, seine Waffen und eine Decke mit seinem eingewebten Bild. Die Hauptfiguren - Dido, Anna, Aeneas - sind durch Schriftbänder mit ihren Namen gekennzeichnet. Die Komposition dieser wie der übrigen 81 heute bekannten Emails folgt Holzschnitten der ersten illustrierten Vergil-Ausgabe, erschienen 1502 bei Johann Grüninger in Straßburg.
Unter den Limousiner Maleremails nehmen die Tafeln des nach dieser Folge benannten Meisters in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein: In Stil wie Ikonographie sind sie Unikate, außerdem ist bislang kein weiteres Projekt dieses Umfangs, und basierend auf ein und derselben Vorlage, bekannt geworden. Auch technisch gesehen ist die Folge bemerkenswert. Sie kombiniert, fast zu gleichen Teilen, deckende und transparente Glasflüsse (ohne paillons), eine Vorgehensweise, die womöglich der Goldschmiedekunst entlehnt war. Auch fällt bei den Tafeln des Aeneas-Meisters der hochglänzende Bildträger unter den transparenten Glasflüssen auf, die Kupferplatte ist zweifellos einer besonderen Behandlung unterzogen worden.
Die ursprüngliche Funktion der Tafeln ist unbekannt. Aeneas mag vom Auftraggeber der Folge als Präfiguration angesehen worden sein. Auf eine trojanische Abstammung beriefen sich viele Familien und Gemeinschaften Europas im 16. Jahrhundert. Denkbar wäre, wie mehrfach vermutet wurde, daß die Tafeln zum Schmuck eines cabinet d´émaux gedient haben und dort in eine Holzvertäfelung eingelassen waren. Dies hätte den Miniaturen-Kabinetten anderer Fürsten und Gelehrten entsprochen, nur daß der Bildträger nicht Holz, Pergament oder Papier war sondern Kupfer.
Die beiden Berliner Tafeln sind die frühesten der Folge, die sich bislang dokumentieren lassen. Kugler beschrieb sie bereits 1838.
SN

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

Ausfall aus einer belagerten Stadt

Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776