Logo

Becher aus Rubinglas

Ident. Nr.: O-1964,45

ObjID: obj:893962

Details (expert)

Involved
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Dating
Ausführung: 1680-1710
Geographical references
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 7,9 x 6 cm
Durchmesser: 4,3 cm (Fuß)
Wandungsstärke: 0,55 cm

Object Description

Kleiner, sich konisch weitender Becher aus dickwandigem Rubinglas von himbeerroter Farbe, Boden hohl geschliffen mit Standring, die Wandung ist zehnfach vertikal facettiert und am Ansatz mit vertieften und polierten Rundbögen in Schälschliff versehen, der Mündungsrand plangeschliffen. Das Glas ist krank. Die Becherform ist mehrfach für die Potsdamer Glashütte in der Zeit ab 1680 bis um 1700 belegt, überwiegend aus farblosem Glas (vgl. Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 140, 142, 143, 145, 149; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 12.1). Die Veste Coburg sowie die Schatzkammer der Münchner Residenz verwahren je ein sehr ähnliches Glas, mit knapp 11 cm Höhe lediglich ein wenig größer (Kerssenbrock-Krosigk, Rubinglas, 2001, Kat. 84, 85, S. 174, 175). Die Facetten lassen den Farbton des Rubinglases je nach Wandungsstärke mal Tiefrot, mal Rosa erscheinen. Diesen hellen Ton hat ebenfalls ein anderer sehr ähnlicher Becher im Naturalienkabinett Waldenburg mit einer Höhe von 11,7 cm, der sich direkt mit dem Glasmacher, Alchemisten und ersten Leiter der Potsdamer Hütte Johann Kunckel (um 1635–1703 in Verbindung bringen lässt (Theuerkauff-Liederwald, Becher-Gläser, 2007, Abb. 2, S. 182). [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 13.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal mit Genien und Schraubfuß

Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR