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Münzpokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,384

ObjID: obj:895772

Details (expert)

Creator/Entity
zugeschrieben: Jochim Worm (Meister 1536 - 1558),
Goldschmied*in
Date(s)
1536
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 47,5 x 23,5 cm (oben)
Gewicht: 2479 g

Object Description

Büste und Delphine am Schaft gegossen. Ränder und Zargen von Deckel und Fuß, Lippe und Astring der Kuppa gesondert gefertigt. Glatte Teile der Buckel, gepunzter Grund, Blattkränze des Schaftes und des Deckelgriffs, Innenseite des Deckels und Unterseite des Fußes sowie ein Teil der Münzen unvergoldet. Sehr feine Arbeit, besonders die Ziselierung der Büste. Marken auf der Unterseite des Fußes. – Wegen eines fehlenden, 1990 ergänzten Zwischenringes Deckelknauf auf früheren Aufnahmen in z. T. falscher Zusammensetzung.
Pokal von stark gedrückter, horizontal gestaffelter Form. Vergoldete Reliefierung lebhaft zum silbernen Grund kontrastierend. Fuß mit flach gewölbtem Rand und tremoliertem Wulstring, Blattfries, profilierter Stabmusterzarge und hoher, von zwölf reliefierten Längsbuckeln auf punziertem Grund besetzter Wölbung. Aufliegender Blattkranz. Schaft aus walzenartigem, oben und unten gebuckelten Sockel, dessen eingezogene Wandung kleine Delphine und Blüten zieren, sowie Balusterknauf mit Akanthusrelief zwischen Profilringen, auf dem ein doppelter silberner bzw. goldener Blattkelch sitzt. Kuppa im unteren Teil der Fußwölbung gleichend, oben breit ausladend und sechzehn Längsbuckel bildend, die wie unten von Blattranken eingefaßt sind, davon jeder zweite geteilt durch eine Längsnut. In der Einschnürung ein Astring, daran gerollte Blätter und Rosetten. Auf dem Mündungsrand gravierter Blattrankendekor mit fünf Medaillons, darin zwei Kriegerköpfe, ein Wappen und DIVA bzw. POLN. Deckel wie Fuß doppelt gewölbt, am Rand ein gedrehter Ring, als Zarge ein silbernes, nielliertes Schriftband zwischen Profilen. Eingelassen 16 silberne Münzen unten und neun goldene oben. Grund gepunzt, in den Zwickeln Blattrelief. Als Griff eine Jüngling und Greis in Patriziertracht darstellende Janusbüste auf gebuckeltem Diskusknauf und Blattkränzen. Büste besetzt mit neun Brakteaten , darunter auf nielliertem Band ein mahnender lateinischer Spruch: JANVS BIFRONS PRVDE(N)TIS SPECIMEN PRETERITV(M) P(RAE)SENS VE(N)TVRV(M) RESPICE PRVDENS (Als zweiköpfiger Janus, das Bild des Klugen, bedenke mit Umsicht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), dem sinngemäß ein niederdeutscher Spruch auf der Deckelzarge entspricht: DE WISE MAN SICHT HINDE(N) VN(D) VOR WES VORGA(N)GE(N) ITZICH VND NOCH VOR DER DORAFBROCK DER MU(N)TE DEIT VNS LERE(N) WO SICK DER WERLDE SCHEFTE VORKERE(N). Im Deckelinneren eine Rundplatte mit dem z. T. emaillierten Wappen (Eichbaum) des Stifters und gravierter Inschrift: JOHANNES KOLLER P(RI)MV(M) SEC(RE)TARI(V)S DE HINC
PROTHON(OTA)Rl(VS) DEMV( M) P(RAE)POSIT(VS) LV(N)EBERGE(N)S(IS) DONO DEDIT AN(N)O D(OMI)NI 1536 (Johannes Koller, zuerst Sekretär, dann erster Sekretär, zuletzt Propst in Lüneburg, hat es geschenkt 1536).

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Flache Schale aus Glas, das zwischen zwei farblosen Schichten eine Schicht opakblauer, opakroter und milchblauer Glaskrösel einschließt, der angeschmolzene Hohlfuß aus farblosem Glas, dessen Fußrand ist breit nach unten umgeschlagen, kräftiger Abriss, die Schalenfahne ist abgeflacht und der Mündungsrand verwärmt. Lediglich am Rand sind noch vereinzelt Reste einer ehemals vorhandenen Vergoldung erkennbar. Die Fußschale ist ein seltenes Beispiel der frühen Luxusglasproduktion in Brandenburg. Das Grüne Gewölbe in Dresden verwahrt einen Pokal aus der gleichen Glasmasse mit einer eingeschmolzenen Schicht aus farbigen Kröseln (Inv. Nr. IV 206; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 7, 8; Taf. 1.1+3). Er ist mit der Jahreszahl 1602 versehen und ermöglicht so eine präzise Datierung auch der Schale. Robert Schmidt erwähnt in seinem Standardwerk "Brandenburgische Gläser" von 1914: "Solche marmorierte Schalen haben sich nun in mehreren Exemplaren erhalten, und zwar ein unbemaltes im Berliner Kunstgewerbemuseum, und zwei bemalte, ebenda (Tafel 1 Mitte) und im Fürstlich Hohenzollernschen Museum zu Sigmaringen." Letztere gelangte später in die Sammlung des Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt a. M. (Ohm, Europäisches und außereuropäisches Glas, 1989, Kat. 342, S. 152). Ein weiteres Pendant soll sich – so Schmidt – in der Sammlung Minutoli befunden haben und aus der Berliner Schlosskellerei stammen (ebenda, S. 8). Tatsächlich ist diese identisch mit der hier beschriebenen Schale. Das Kunstgewerbemuseum bekam sie 1873 überwiesen, nachdem sie das Königliche Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten 1869 erworben hatte. Schmidt bildete die bemalte Berliner Schale ab (Inv.-Nr. 1893,65; Kriegsverlust; ebenda 1914, S. 7, 8; Taf. 1.2). Im Zentrum trug sie das brandenburgische Wappen mit preußischem Herzschild "in Gold und kalten Lackfarben", so der Begleittext. Gut erkennbar auf der Schwarz-Weiß-Abbildung ist der Randfries aus "Ovalfeldern mit goldenen Blüten auf abwechselnd rotem und grünem Grund". Da die hier beschriebene Schale eine abweichende Anordnung der Krösel aufweist, muss sie die von Schmidt als "unbemaltes" Exemplar bezeichnete sein. Da die zarten Spuren der Vergoldung am Schalenrand lediglich bei genauem Hinsehen erkennbar sind, hat er sie übersehen. Bereits der Inventareintrag der Minutoli-Schale erwähnt keine Veredelung – deren Verlust datiert demnach bereits vor 1869. Das Verfahren der eingeschmolzenen Krösel, das zu der attraktiven Marmorierung führt, wurde von Muraneser Glashütten entwickelt. Ebenfalls die Schalenform ist mit und ohne Kaltbemalung und Vergoldung seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für venezianische Gläser dokumentiert (Theuerkauff-Liederwald, Venezianisches Glas, 1994, Kat. 42–45, 52, 62). Verantwortlich für diese raffinierten Techniken in Grimnitz waren Glasmacher aus dem böhmischen Kreibitz unter der Leitung von Martin Friedrich (Mock, Glashütten Grimnitz, 2021; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 1–8). Ein Verzeichnis der Glashütte vom 5. Juni 1602 listet unter zahlreichen anderen exklusiven Waren "27 gemarmoliertte schalenn" (Schmidt, S. 5). [Manuela Krüger/Verena Wasmuth]MAKR