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Aeneas und Anchises

Ident. Nr.: M 1438

ObjID: obj:901815

Details (expert)

Creator/Entity
Entwurf: Wilhelm Christian Meyer (1726 - 1786),
Bildhauer*in
Ausführung: Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) (gegründet 1763)
Date(s)
Ausführung: um 1766
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Berlin
Material / Technique
Porzellan, weiß, glasiert
Dimensions
Höhe: 46,3 cm
Durchmesser: Sockel 16 cm
Gewicht: 4761 g

Object Description

Figurengruppe auf rundem Sockel. Dargestellt sind der bärtige, muskulöse Aeneas, der seinen alten Vater Anchises auf dem Rücken trägt, sowie rechts von Aeneas dessen kleiner Sohn Ascanius. Der Modelleintrag (637) lautet: "Eine Gruppe der größten Art stellt den Aeneas vor, wie er, bei der Eroberung von Troja durch den Achilles, einen großen griechischen Heerführer, seinen alten Vater Anchises auf den Rücken nahm und ihn mit seinem Sohn Ascanius in völlige Sicherheit brachte." Aeneas trägt ein Löwenfell um die Hüfte und ist ansonsten unbekleidet. Anchises ist, der antiken Sage folgend, als schwacher und blinker Greis dargestellt. Er gleitet seinem Sohn fast vom Rücken. In seiner Linken hält er eine Figur, das Palladion – die Schutzgottheit der Familie. Sein Kopf ist mit einem zu einem Beutel gebundenen Tuch bedeckt, das bis nach unten reicht und auch seinen Unterkörper verhüllt. Ascanius blickt zurück (imaginär in das brennende Troja und Ausschau haltend nach seiner Mutter), er hält in der Rechten ein Räuchergefäß.
Die monumentale Porzellangruppe datiert von 1766 und bildet, den Forschungen von Dorothee Heim zufolge, den Auftakt der Mitarbeit des Bildhauers Wilhelm Christian Meyer bei der KPM Berlin. Der pyramidale Aufbau unterstreicht den bildhauerischen Anspruch der Gruppe, deren Gestaltung die Herkunft Meyers als Großbildhauer zu erkennen gibt. Hierfür spricht auch das für eine Porzellanarbeit ungewöhnlich große Format von 46,3 cm Höhe. Brandrisse zeugen davon, dass die Manufaktur bei der Ausführung an die Grenzen ihrer technischen Möglichkeiten ging. Zwei weitere weiß glasierte Ausformungen befinden sich im Museum Schloss Fasanerie (Eichenzell bei Fulda) und im Nationalmuseum Stockholm.

Lit.: Dorothee Heim, Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin (=Bestandskatalog XXVI. des Kunstgewerbemuseums SMB), Berlin, Regensburg 2016, S. 238-243, Kat. Nr. 20.
ClKa

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa