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Sogenannte Taufschale Widukinds aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger/Herford

Ident. Nr.: K 3672 a

ObjID: obj:902421

Details (expert)

Date(s)
12. Jahrhundert
Steinschliff wohl spätantik
Dimensions
Objektmaß: 3,5 x 17,5 x 13,5 cm

Object Description

Bei der flachen Schale aus Serpentin handelt es sich wahrscheinlich um ein Werk spätantiker Steinschneidekunst. Die Montierung aus vergoldeter Bronze, die den Rand der Steinschale elegant umfasst und zugleich durch eine Fingeröse mit Daumenplatte eine Handhabe bildet, stammt dagegen erst aus dem hohen Mittelalter. Das vegetabile Ornament auf dem stark abgenutzten Deckblech der Daumenplatte sowie der epigrafische Befund und die Reimart der außen umlaufenden Inschrift + MUNERE TAM CLARO DITAT NOS AFFRICA RARO („Mit einer so prächtigen und seltenen Gabe beschenkt uns Afrika“), ein zweisilbig reiner leoninischer Hexameter, sprechen für eine Datierung in das 12. Jahrhundert.
Das schlichte Gerät unbestimmter liturgischer Funktion stammt aus dem Schatz des Stiftes St. Dionysius zu Enger, das 1414 an die Johanniskirche in der Herforder Neustadt übergesiedelt war. Durch die 1810 erfolgte Säkularisation gelangte der Kirchenschatz in den Besitz des Königreichs Westfalen und nach dessen Untergang 1813 in das Eigentum des preußischen Staates. Aufbewahrt wurde er zunächst weiterhin in der Herforder Johanniskirche. Während die meisten Teile des Dionysius-Schatzes 1885 in das Berliner Kunstgewerbemuseum überführt wurden, hatte die Stadt Herford in eigentümlicher Auslegung der Besitzverhältnisse die Serpentinschale bereits im Oktober 1840 dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (* 1795, reg. 1840–1861) als Huldigungsgeschenk überreicht. Über die Königliche Kunstkammer gelangte sie schließlich 1876 gleichfalls in das Berliner Kunstgewerbemuseum.
Eine erstmals 1743 in Carl Ludwig Storchs Verzeichnis der in Herford befindlichen Reliquiæ Widekindi Magni fassbare, vermutlich aber bereits deutlich früher entstandene legendenhafte Lokaltradition deutete die Serpentinschale im Sinne einer Berührungsreliquie als „Das Geschirr, woraus Widekindus soll getruncken haben“. Erst im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Annahme, es handele sich um die Taufschale des Widukind. Diese Interpretation nahm indirekt Bezug auf die Mitteilung in den Annales Mosellani, wonach Karl der Große nach der 785 in Attigny erfolgten Taufe des Sachsenführers seinen früheren Gegner „mit großartigen Geschenken ehrte“ („et domus rex suscepit eum a fonte ac donis magnificis honoravit“, MGH SS XVI, p. 497). Die ‚historische‘ Deutung der Steinschale als eine jener Gaben Karls des Großen und damit als materielles Zeugnis der Christianisierung der Sachsen wurde auch auf das karolingische Reliquiar in Bursenform aus dem Schatz des Dionysius-Stiftes übertragen, das sich ebenfalls im Berliner Kunstgewerbemuseum befindet (Inv. Nr. 1888,632). LL

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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