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Brettspielkassette mit Darstellung der Schlacht bei Zama in Reliefintarsien

Ident. Nr.: K 2866

ObjID: obj:902902

Details (expert)

Date(s)
1661
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 11 x 53 x 53 cm

Object Description

Das Motiv der berühmten Schlacht von Zama zwischen dem Karthagerfürsten Hannibal und dem letztlich siegreichen römischen Feldherrn Scipio africanus thematisiert das Duell zweier ebenbürtiger Kämpfer und diente in den vom Dreißigjährigen Krieg noch schwer gezeichneten Zeiten als Motto der Brettspielkassette.
Die Darstellung auf ihrer Schauseite folgt einem Kupferstich von Antonio Tempesta (1555–1630), der seit 1616 in einem Nachstich von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) zusätzliche Verbreitung fand. Die virtuose Übersetzung der Bilderfindung in das Format der Reliefintarsie stützt sich auf die konsequente Tiefenentwicklung mit Vorder-, Mittel- und Hintergrund. Dabei überträgt sie das Vor- und Hintereinander des Kampfgetümmels in die Schichtung der Reliefebenen: In ihren perspektivischen Verkürzungen der Anatomie übertragen die Leiber von Soldaten, Pferden und Kriegselefanten – die in der Inschrift genannten turmtragenden Ungeheuer – das Geschehen mit bestechender Dynamik in die unmittelbare Nähe des Betrachters.
Die Ausführung in feinster Reliefintarsie – die von Goldschmiedewerkzeugen begleitete Verschmelzung von Intarsienarbeit und Reliefschnitzerei – bezeugt ein tiefes Verständnis der haptischen und optischen Materialeigenschaften der verwendeten Hölzer, das etwa zur Modellierung der Pferdemähne ein gelockt maseriges Holz sucht. Die ungezügelte Gravier- und Punzierlust ist bei dem Tric-Trac-Spielfeld im Inneren der Kassette bis zur Mikrointarsie verfeinert – erst unter dem Vergrößerungsglas in der gelehrten Betrachtung der Kunstkammersammlung ist die minutiöse Feinheit vollends zu würdigen.
Johann Georg Fischer (1587–1669?), der das Werk signiert und datiert hat, war der bedeutendste Meister der Egerer Reliefschnitzerei. Bereits sechs Jahre zuvor hatte er eine nahezu identische Spielkassette ausgeführt, die sich im Grünen Gewölbe in Dresden erhalten hat. ASt

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa