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Sturzbecher in Gestalt einer Nonne

Ident. Nr.: W-1971,72

ObjID: obj:903335

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Date(s)
Aufführung: 1720-1736
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Potsdam
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 15,7 x 9,1 cm
Wandungsstärke: 0,35 cm

Object Description

Becherförmige Kuppa mit einem mattiertem Band mit polierten Kugeln über einem geblänkten Kugelfries, der Mündungsrand verwärmt, angesetzt ein massiver Knauf in Gestalt einer plastisch geformten Nonnenbüste. Die Büste wurde in eine zweiteilige Form gegossen, Details des Gesichts überschliffen, geschnitten und poliert, Schleier ihres Ordensgewandes mattiert. Das Glas ist krank. Solche Scherzgläser, die nur auf dem Kopf stehend geleert und nicht abgesetzt werden konnten, mokierten ganz unzweideutig den Klerus. Sie waren bei der höfischen Tischgesellschaft wegen ihrer kunstvollen Verarbeitung beliebt und insbesondere, weil sie das Ritual des gemeinsamen Mahls amüsant auflockerten. Aus der Potsdamer Glashütte sind mehrere Exemplare überliefert. Ein Sturzbecherpaar mit nahezu identischem Schaft ist im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG, Inv. Nr. XIII 1482). Vergleichsstücke aus farblosem Glas, mit variiertem Sockelschaft, verwahren das Germanische Nationalmuseum München (Inv. Nr. 63/19), die Stiftung Stadtmuseum Berlin (Inv. Nr. II 62/542 A) und das Mainfränkische Museum Würzburg (Inv. Nr. S. 62596). Beispiele mit Mönch und Nonne aus Rubinglas, ebenfalls mit Schaftaufbau als Sockel, befanden sich laut Inventarbuch 1738 in Schloss Monbijou (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 65). Weitere Beispiele dieses Typs sind ebenfalls im Bestand der SPSG (Inv.-Nr. XIII 729, XIII 730, publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas") sowie in der Literatur dokumentiert (Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 2017, Kat. 95, 96, S. 159, 160; Franze, Mönch und Nonne, 2008; Rückert, Die Glassammlung, Bd. 2, 1982, Kat. 817, S. 278, Taf. 255; Mosel, Glas, 1979, Kat. 234, S. 149; Hörning, Gläser vom XVI. bis XIX. Jahrhundert, 1978, Kat. 102; Klesse, Glassammlung Krug, Bd. 1, 1965, Kat. 276, S. 252f.; Berckenhagen, Berliner und märkische Gläser, 1956, Abb. 17, 18; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 29.1). Walter Stengel (1882–1960) hat sich mit Vorbildern dieser Potsdamer Erzeugnisse in der Gold- und Silberschmiedekunst beschäftigt (Stengel, Brandenburgische Gläser, 1949, S. 13f.). [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa