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Männlicher Kopf

Ident. Nr.: F 2773 b

ObjID: obj:905773

Details (expert)

Date(s)
1540 - 1550
Material / Technique
Glas, farblos; Silbergelb, Eisenrot, Schwarzlot

Object Description

Vergleichbare Beispiele für die beiden sehr kleinen Medaillons Inv. Nr. F 2773 b und F 2773 c sind nicht bekannt, ungewiss ist auch ihre Funktion. Doch wäre durchaus vorstellbar, dass sie als dekorative Elemente in Friesen, Säulensockeln oder Bogenzwickeln Bestandteile einer Renaissancearchitektur waren. Die Büsten sind nach dem Muster der „imago clipeata“ von einem Rahmen umschlossen, dessen gelbe Fassung einmal mit roten Kreisen, einmal mit T-förmigen Ornamenten verziert ist.
Das Bildnis Inv.Nr. F 2773 b zeigt in Dreiviertelansicht nach links das Antlitz eines Mannes, auf dessen Haupt keck ein flaches kleines Barett mit einer nach rechts hin wippenden Straußenfeder sitzt. Feder, Bart und Kragen sind vage mit Silbergelb koloriert.
Trotz ihres kleinen Formats sind die beiden Medaillons sorgfältig und in klassischer Maltechnik ausgeführt. Die in raschen Pinselstrichen angelegte Zeichnung ist in differenzierten Halbtönen modelliert, mit gewischten und radierten Glanzlichtern akzentuiert und endlich mit Silbergelb und Eisenrot
koloriert. Die Köpfe spiegeln keine Portraits wider, sondern Charaktertypen, deren Zusammengehörigkeit auch durch die im Wechsel korrespondierenden Farben demonstriert wird. Nach den modischen Details zu schließen – der Schlappe, dem eckig geschnittenen Bart mit der geraden Kante und den Stehkragen mit dem bereits etwas breiteren gerüschten Rändern – dürften die kleinen Bildnisse um 1540/50 entstanden sein.
CVMA 98751

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Walzenkrug mit silbervergoldeter Montierung

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Humpen aus dickwandigem, farblosem, etwas graustichigem Glas, die Bodenkugel ist von einer tiefgeschnittenen Blütenrosette gerahmt, auf eine runde Platte mit Standring gesetzt, nicht gestaucht, der Standring mit feiner Montierung aus vergoldetem Silber, die Kantenverzierung aus erhabenen Jakobsmuscheln, angesetzter Ohrenhenkel, der an einer Manschette die Deckelmontierung hält, die aus Spangen und einem naturalistisch geformten Adler als Bekrönung gebildet wird. Der Ansatz des walzenförmigen Humpens ist mit einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Die Wandung zeigt umlaufend große Blüten- und Früchtefestons mit vereinzelten fliegenden Vögeln und Insekten, den verwärmten Mündungsrand schmückt ein Bogenfries in Schälfschliff. Der Deckel ist ebenfalls aus Glas geformt, gerahmt von einer getreppten Montierung in Anlehnung an den Fuß. Auf dem Deckel findet sich das bekrönte, großformatige Monogramm FR für Fridericus Rex zwischen gekreuzten Palmzweigen. Die Wandung hat einen durchgehenden Sprung gegenüber des Henkels. Da außer einem Tremolierstrich keine Punzen vorhanden sind, lässt sich kein Goldschmied zuordnen. Sehr wahrscheinlich datiert dieser repräsentative Walzenkrug in die Regierungszeit König Friedrichs I., in die Jahre 1701 bis 1713. Die hängenden Frucht- und Blumenbündel waren ein wiederkehrendes Motiv der Werkstatt von Martin Winter (um 1640–1702), die nach seinem Tod von seinem Neffen Gottfried Spiller (um 1663–1728) weitergeführt wurde. Dieses Glas glorifiziert mit seinem Bildprogramm die neugewonnene Königswürde des Hauses Hohenzollern: das bekrönte Monogramm dominiert das Gefäß, wird flankiert von Palmzweigen, Symbol für Sieg, Triumph, Frieden und ewiges Leben; Früchte und Blumen stehen für Wohlstand und Fruchtbarkeit, der imposante Adler des königlichen Hausordens wirkt, als ob er jeden Moment in die Lüfte steigt. [Verena Wasmuth]MAKR

Der Sündenfall

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Die wie lavierend nur flüchtig angedeutete Flusslandschaft bildet die Folie für die scharf konturierte Figurengruppe mit dem Früchte beladenen Baum im Zentrum. An seinem Stamm windet sich die Schlange empor. Sie fixiert lauernd-verschlagen Eva, die Adam den Apfel reicht und ihn zum Übertreten des Verbots auffordert.Die Darstellung folgt einem Holzschnitt Hans Sebald Behams aus den „Biblischen Historien“, die 1533, ein Jahr nach seiner Übersiedelung nach Frankfurt, von dem dort ansässigen Verleger Christian Egenolf gedruckt wurde. Die Zeichnung ist in flüssigen Linien, die Modellierung weich und malerisch in zarten, gelegentlich durch Schraffuren akzentuierten Halbtönen angelegt, die, gestupft oder breit mit dem Pinsel aufgetragen, die Oberflächenbeschaffenheit der Materialien nachahmen. Die Souveränität des Glasmalers zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er anders als der Holzschnitt mit dem beredten Austausch der Blicke und Gesten auch die Dramatik des Handlungsmoments zum Ausdruck bringt. Adams Scham verbirgt er zudem unter einem Feigenblatt.Die kongeniale Umsetzung der Vorlage ist am ehesten Augustin Hirsvogel (1503–1553) zuzutrauen, dem jüngsten Sohn des 1525 verstorbenen Nürnberger Stadtglasers Veit Hirsvogel d. Ä. Für diese Annahme sprechen beispielsweise die spezifische Gestaltung etwa der Laubkronen mit einzeln abstehenden trockenen Ästen oder des knorrigen Baumstamms mit Astlöchern und rissiger Rinde, die genauso auf den Zeichnungen und Stichen Augustins begegnen. Die kleine Rundscheibe müsste er noch in seiner Nürnberger Zeit kurz nach Erscheinen der Holzschnitte ausgeführt haben. CVMA 98781

Versöhnungsszene aus einer Folge mit dem Exempel vom undankbaren Sohn

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Die Szene atmet Behaglichkeit, sie spielt in einem gemütlich eingerichteten Wohnzimmer, dessen Mitte ein freundlich gedeckter Tisch einnimmt. Links davor steht die junge Hausfrau und heißt mit einladender Geste einen alten Mann willkommen, der soeben die Stube betreten hat. Herzlich empfängt ihn auch ihr Gatte, legt ihm den Arm um die Schultern und bittet ihn, auf dem mit Kissen gepolsterten Lehnstuhl am Kamin Platz zu nehmen. Sogar der kleine Sohn ist involviert und schiebt den Alten mit beiden Händchen zum Stuhl mit seiner mächtigen Rückenlehne. Die realistisch wiedergegebenen Details, das sorgfältig gebügelte Tischtuch, die fegende Magd links im Hintergrund, die über und neben dem Kamin verwahrten Gerätschaften zum Feuermachen am Kamin unterstreichen den Eindruck eines sauber und ordentlich geführten Haushalts.Eine Parallele für das Motiv ist nicht bekannt. Vergleichbar ist allerdings eine Scheibe aus dem Museum Heylshof in Worms, die, obzwar von anderer Hand ausgeführt, eine ähnliche Darstellung zeigt. Sie spielt in demselben Raum, und die Figuren sind, bis auf das Kind, die gleichen. Doch brennt nun im Kamin ein Feuer, und auf dem Tisch steht eine größere Mahlzeit. Dort hat das junge Paar einander gegenüber Platz genommen,während der alte Mann mit einem Teller in der Hand hinter der Frau steht. Eine mit dem Glasgemälde übereinstimmende Zeichnung befindetsich in der Sammlung Frits Lugt, Paris. Es wird angenommen, dass hier eine Geschichte zur Anschauung gebracht wurde, die als Exempel zur Illustration des vierten Gebots in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland in der volkstümlichen Literatur wie in Predigtsammlungen vor allem im späten Mittelalter verbreitet war und wohl auf gemeinsame mittellateinische Quellen zurückgeht. Sie schildert, wie der Vater dem Sohn sein ganzes Vermögen aushändigt, doch dann von ihm schlecht gehalten wird und nicht genug zu essen bekommt. Dessen eigener Sohn bittet nun eines Tages seinen Vater um ein Stück Holz; er folgt neugierig dem Kleinen und sieht, dass er einen Trog schnitzt. Auf seine Frage, für wen der Trog sei, antwortet er, der sei für ihn, wenn er alt sei, damit er dann wie der Großvater daraus essen könne. Schlagartig wird dem Sohn sein Unrecht bewusst, er bereut sein Verhalten, versöhnt sich mit dem Vater, behandelt ihn fortan gut und versorgt ihn reichlich. Um 1370/80 entstandene Wandmalereien aus dem Hause Glesch in Köln belegen, dass die Erzählung auch Gegenstand bildlicher Überlieferung war. Sie ist in fünf Abschnitte gegliedert, der erste zeigt eine Magd beim Kochen, der zweite ist zerstört, im dritten sieht man den kleinen Enkel vor dem Trog im Gespräch mit seinem Vater, im vierten bittet der Sohn den Großvater um Vergebung und im fünften ist die ganze Familie zum Versöhnungsmahl um einen reich gedeckten Tisch versammelt. Der Bildinhalt der letzten Szene ähnelt dem der Berliner Scheibe und macht es wahrscheinlich, dass auch hier die Versöhnung geschildert ist. Das Kabinettstück – zweifellos eines der schönsten der Sammlung – besticht durch seine hohe künstlerische Qualität. Figuren und Formen sind auf subtile Weise mit hauchfein abgestuften Lasuren aus Licht und Schatten modelliert, Konturen nicht einfach als dunkle Linien durchgezogen, sondern sensibel bis hin zu hellsten Tönen variiert, um so weitere Lichtreflexe zu setzen. Dank der minutiösen malerischen Technik wird die atmosphärische Qualität der Szene eingefangen und die Gestalten gelangen zu einer fast vollplastischen Wirkung. Motivische Analogien verbinden die Darstellung mit Werken des nach einer Folge von sechs großformatigen Rundbildern mit Szenen der alttestamentlichen Josephsgeschichte benannten Meisters der Josephsfolge, der von Rogier van der Weyden und Dirk Bouts beeinflusst, zwischen 1490 und 1505/10 in Brüssel und in den südlichen Niederlanden tätig war.CVMA 98768