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Sargtafel aus der Grablege des Kardinals Albrecht von Brandenburg

Ident. Nr.: K 4277

ObjID: obj:906902

Details (expert)

Involved
Ausführung: Conrad Gobel,
Glockengießer
Dating
1540 - 1545
Material / Technique
Bronze, gegossen, ziseliert und graviert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 23 x 36,5 x 2 cm

Object Description

In seinem Testament vom 27. Januar 1540 hat Kardinal Albrecht von Brandenburg ausführliche Anweisungen zur Gestaltung seiner Grablege im Mainzer Dom hinterlassen. Neben der Errichtung einer Grabplatte und eines Epitaphs aus Stein sollte in seinen Sarg „ein bleyen Tafeln“ mit einem Memorialtext eingelegt werden, die dann aber in Folge einer Planänderung in Bronze ausgeführt wurde. Während der französischen Besetzung von Mainz 1792/93 wurde die zweiseitig reliefierte Bronzetafel aus dem Grab des Kardinals, wo sie sich angeblich direkt unter dem Haupt des Toten befunden hat, entwendet. 1815 gelangte sie in die Kunstkammer der Hohenzollern im Berliner Schloss.
Die im Giebelfeld der Tafel verwendete Porträtmedaille eines Nürnberger Meisters zeigt Albrecht im Lebensalter von 37 Jahren mit seiner Devise DOMINVS◦MIHI◦ADIVTOR◦ QVEM◦TIMEBO („Der Herr ist mit mir; wen sollte ich fürchten?“; nach Ps 26,1 und 117,6). In dem von Albrecht testamentarisch verfügten lateinischen Memorialtext des Hauptfeldes erscheinen die Lebens- und Amtsdaten nicht gegossen, sondern nachträglich in extra dafür ausgesparte Felder eingraviert, wohl ein sicheres Indiz dafür, dass der Bronzeguss bereits zu Lebzeiten Albrechts durch den Frankfurter Gießer Conrad Göbel, der das Werk an der Unterseite mit seinem Monogramm bezeichnet hat, ausgeführt worden ist.
Die beiden seitlichen Medaillons mit Medusenhäuptern dienten – ganz im antiken Sinne – als Apotropaion zur Abschreckung von Grabschändern. Sie sind nach dem Vorbild einer Rundplakette des italienischen Medailleurs Galeazzo Mondella (Moderno, 1467–1528) gegossen. Auf der anderen Seite der Platte befinden sich inmitten vorzüglicher Renaissance-Arabesken im Giebelfeld das Wappen Albrechts mit dem Kardinalshut und im Zentrum ein etwas unorganisch eingefügtes Relief mit der Darstellung der Grablegung Christi, das ebenfalls unter Verwendung einer Plakette Mondellas entstand. Memorialtext, Bildprogramm und Entstehungsgeschichte machen die Grabtafel Kardinal Albrechts zu einem einzigartigen Zeugnis seines Selbstverständnisses als bedeutender weltlicher und geistlicher Würdenträger, gottesfürchtiger Gläubiger und gelehrter Kunstkenner. Lothar Lambacher

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Die Bildnisbüste der preußischen Kronprinzessin Luise (1776-1810) geht auf einen Entwurf von Johann Gottfried Schadow aus dem Jahr 1795 zurück. Vermutlich im Zuge der Vorbereitung für seine „Prinzessinnengruppe“ (Doppelstandbild der Schwestern Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz, vgl. KGM Inv. Nr. 1909,113 und 1998,13) entstanden zwei Bildnisbüsten in Terrakotta, jeweils von Luise und von Friederike, die mit dem Doppelstandbild übereinstimmen. Vorausgegangen war im Herbst 1794 eine von Staatsminister Friedrich Anton von Heinitz (1725–1802) vermittelte Porträtsitzung, bei der Schadow Bildnisstudien von den beiden Prinzessinnen angefertigt hatte. Die Terrakottabüste von Friederike ist noch in der Alten Nationalgalerie SMB erhalten, diejenige von Luise gehört zu den Kriegsverlusten. D.Heim vermutet, dass Schadow von vornherein, vor der Porträtsitzung im Herbst 1794, ein Doppelstandbild der Prinzessinnen geplant hatte und die beiden Bildnisbüsten nur Mittel zum Zweck gewesen sind. Dafür spricht die zur Seite geneigte Kopfhaltung von Prinzessin Friederike, die sich in der Tat nur im Zusammenhang mit der Gesamtkomposition des schwesterlichen Doppelstandbildes vollständig erschließt. Es gibt Gipsabgüsse der Büste von 1795 (Akademie der Künste), von denen Schadow selbst bis 1798 50 Stück verkaufte, und aus terrakottafarben gefasstem Papiermaché (SPSG). 1798 entwarf Schadow noch eine weitere Variante der Luisenbüste, diesmal, statt in antikisierender Kleidung im zeitgenössischen Kostüm (Gipsbüste in der Alten Nationalgalerie).Die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) reproduzierte Schadows Luisenbüste von 1795 in Biskuitporzellan, 1798 in verkleinerter Version und 1802/03 in Originalgröße. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die Luise-Büsten aus Porzellan großer Beliebtheit. Im Modellbuch der KPM findet sich unter Nr. 2291 „Büste der Königin Luise von Preußen / Friederike von Hannover“. Diese Modellnummer ist eingeritzt auf einer der beiden Ausformungen im KGM (O-1971,267). Solche Ritznummern finden sich bei der KPM erst ab den 1840er Jahren. Die Art der Zeptermarke auf der Büste O-1971,267 verweist auf eine Entstehung nach 1870; das zusätzliche Zeichen („IH“ und Punktzeichen) könnte ein Jahres- und Monatszeichen, aber auch ein Bossiererzeichen sein. Diese Uneindeutigkeit spricht für eine Ausformung vor 1901, denn ab diesem Jahr sind die Jahres- und Monatszeichen eindeutiger (frdl. Auskünfte KPM-Manufaktur, C.Tetzlaff, Februar 2022). Den gleichen Entstehungszeitraum für die Ausformung, zwischen 1870 und 1901, darf man auch bei der Büste Hz 646 vermuten. // Lit.: Georg Lenz: Johann Gottfried Schadow und die Berliner Porzellanmanufaktur, in: Kunst und Kunsthandwerk XXII (1919), S. 65ff.; Katalog „Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786-1914“, Skulpturengalerie SMPK 1990, S. 254, Kat. Nr. 211; Bernhard Maaz: Bestandskat. Skulpturen XIX. Jh., Alte Nationalgalerie, 2006, Bd. 2, Kat. Nr. 1005, 1020; Katalog „Luise. Die Kleider der Königin“, SPSG 2010, S. 202, Kat. Nr. 41; Dorothee Heim: Die Berliner Porzellanplastik und ihre skulpturale Dimension 1751-1825. Der Sammlungsbestand des Kunstgewerbemuseums Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2016, S. 529; Yvette Deseyve (Hg.), Sintje Guericke: J.G.Schadow, Ausst.-Kat. Berlin (Alte Nationalgalerie) 2022, Abb. S. 51, Kat. Nr. 30 // Claudia Kanowski

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