Logo

Deckelpokal mit Bildnis Friedrich Wilhelm I.

Ident. Nr.: O-1982,78 a,b

ObjID: obj:907019

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Potsdamer Glashütte (1674–1736),
Glashütte
Friedrich Wilhelm I. (Preußen, König) (1688 - 1740),
Dargestellt
Date(s)
Ausführung: 1730-1736
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Potsdam
Dimensions
Höhe: 32 cm
Höhe: 20,7 cm (Pokal)
Durchmesser: 11,7 cm (fuß)
Durchmesser: 11 cm (Mündung)
Höhe x Durchmesser: 12,7 x 11,8 cm (Deckel)

Object Description

Spitzkelch mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas, der Fuß mit Facettenkranz mit Oliven sowie Ovalaugen und die bündig aus dem massiven Schaft aufsteigende Kuppa mit gestuften, im mittleren Schaftteil in hochgeschliffene Zungen übergehende Rundbogenfacetten miteinander verbunden. Auf der Kuppawandung in Tiefschnitt unter Königskrone das von einem Adler gehaltene Rundmedaillon mit dem Profilbildnis König Friedrich Wilhelms I. von Preußen (1688–1740). Darunter ein weiterer Adler, beidseitig eine reiche Staffage von Kriegstrophäen. Die Gegenseite ist mit einem goldgemalten Landschaftsdekor verziert, mit einer Windmühle auf einem Berg, einer darunterliegenden Siedlung an einem See, rechts im Vordergrund ein Baum. Mündungs- und Deckelrand beidseitig reich vergoldet. Auf der Schulter sind Kriegsarmaturen in Goldmalerei dargestellt, die Gegenseite schmücken drei ebenfalls vergoldete Kugelungen, die Kanonenkugeln darstellen sollen. Der Ansatz des hohen Knaufs ist eingezogen, darüber ein Massivbaluster mit fünf polierten Längsfacetten und Oliven. Der gesamte geschnittene Dekor des Deckelpokals ist akzentuiert mit Gold staffiert. Mehrere andere repräsentative Deckelpokale ähnlicher Machart mit nahezu identischem Dekor sind überliefert. Der formale Vergleich spricht für eine Verortung nach Potsdam um 1735 (vgl. Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 35.5; Bernt, Altes Glas, 1950, Kat. 74 mit identischem Knauf; Baumgärtner, Gläser, 1977, Kat. 229, S. 111 und Kat. 230 für einen Pokal mit dem Wappen von Hessen-Kassel und identischer Knaufgestaltung; Baumgärtner, Porträtgläser, 1981, Abb. 9, S. 16; Klesse/Mayr, Veredelte Gläser, 1987, Nr. 134; Strasser/Spiegl, Dekoriertes Glas, 1989, Kat. 146, S. 280; Sotheby`s, London, 23.11.1999, The Dettmers Collection, Los 77. S. 49; Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Sechs Sammler stellen aus, 1961, Kat. 127, S. 144; Kunsthistorisches Museum Wien, Inv. Nr. Kunstkammer, 10383). Die besonders reiche und gute Vergoldung ist charakteristisches Merkmal dieser Gruppe. [Verena Wasmuth]
MAKR

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa