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Jagdpokal aus dem Lüneburger Ratssilber

Ident. Nr.: 1874,382

ObjID: obj:907745

Details (expert)

Involved
Tönnies Dierssen (Lehrling bei Hans Meyer in Lüneburg 1545, Meister 1557, gest. 1590),
Goldschmied*in
Dating
um 1580-90
Dimensions
Höhe x Durchmesser: 64 x 21 cm (oben)
Gewicht: 2110 g

Object Description

Schaft, Deckelbekrönung und Kupparing mit Zungenmuster gegossen. Grund vollständig, Dekor sparsam punziert. Marken am Fuß. Hervorragende Arbeit. – Lanze des Kriegers verloren.
Schlanker, horizontal gegliederter Pokal mit flach reliefiertem Schweifwerkdekor. Auf der Fußwölbung Phantasievögel, Vasen und Früchte, auf dem Wulst Puttenköpfe und Masken. Schafttrommel mit umlaufender Hirschjagd, am Vasenknauf vollplastisch herauswachsende Harpyen und drachenköpfige Groteskspangen. Auf dem Kuppawulst drei Jagddarstellungen, auf der Wandung geflügelte Putten und Fruchtbuketts und auf der Mündung Stifterwappen, zwei geflügelte Puttenköpfe unter Baldachinen und drei Landschaften mit lagernden weiblichen Figuren. Sie sind durch Blütenzweig, Korngarbe und Feuerbecken als Frühling, Sommer und Winter gekennzeichnet. Auf der Deckelwölbung Puttenköpfe, auf der Trommel umlaufende Darstellung von Venus und Adonis in Landschaft. Als Bekrönung ein antikisch gerüstetes Kriegerfigürchen, das die Wappen der Borcholt und Stöterogge hält.
Keineswegs eine Versammlung beliebiger Motive, stellt der Dekor vielmehr einen komplexen Bedeutungszusammenhang dar. Die Jagddarstellungen wie die verstreuten Früchtebuketts sind danach als Zeichen des "Herbstes" zu sehen, auf den offenbar auch die anderen Jahreszeitenszenen auf der Kuppa hindeuten, d. h. es handelt sich letztlich um ein Sinnbild der Fruchtbarkeit, unter deren Motto der ganze Pokal steht und dem sich ebenso die Liebesmotivik und die versteckten Symbole der vier Elemente (so die Vögel als "Luft") zuordnen lassen. Entsprechende Dekore sind bei repräsentativen Goldschmiedearbeiten der Renaissance- und Barockzeit häufig – zu verstehen als Hinweise auf Glück und Reichtum wie auf eine erfolgreiche Staatsführung und ein prosperierendes Gemeinwesen.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal mit Genien und Schraubfuß

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR

Ausfall aus einer belagerten Stadt

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Das kleine, von einem schmalen silbergelben Rahmen eingefasste Kabinettstück ist auf Nahsicht angelegt. Rechts im Bild erblickt man eine Stadt, die durch eine hohe Mauer und dicke wehrhafte Türme, einen Festungsgraben und einen niedrigen Wall geschützt ist. Von den Hausdächern wehen breite, gelbweiß gestreifte Fahnen, und links auf einer halbrunden Bastion zeigen dicke Rauchwolken, dass dort soeben zwei Feldschlangenabgeschossen wurden. Aus dem Stadttor rechts quillt ein breiter Strom von Fußsoldaten, bewaffnet mit Lanzen und Musketen, und strebt, angeführt von einem berittenen Offizier, den feindlichen Truppen am linken Bildrand entgegen, die sie freilich schon mit angelegten Gewehren erwarten. Während die ersten Söldner das Gefecht bereits eröffnet haben, sieht man im Hintergrund eine Kompanie Reiter mit erhobenem gelb-weiß gestreiftenBanner, die sich in gestrecktem Galopp der feindlichen Kavallerie entgegenwirft.Die Darstellung ist mit Sorgfalt gezeichnet, Stadtmauer, Dächer, Pferde und einzelne Kleidungsstücke sind in hellem Eisenrot, Rahmen und Fahnen in orangegelbem Ton, Bäume und Rasen in sehr lichtem Silbergelb koloriert. Ob die Scheibe als Einzelstück Verwendung fand, ist nicht gewiss, ihres schmalen Formats wegen mag sie auch als Oberbild etwa eines Wappens gedient haben.Anhaltspunkte für die Datierung bietet die Tracht der Soldaten, deren knielange Pluderhosen wie die von hohen Stoffhüten verdeckten Helme ab 1540/50 in Mode waren. Die Stadt weist eine vage Ähnlichkeit zu Nürnberg auf, doch lässt sich die Glasmalerei wegen ihres schmalen Formats mit keinem der dort erhaltenen Stücke vergleichen. Vielmehr erinnert die Schlachtenszene an typische Sujets in den Oberbildern der SchweizerScheiben, weshalb man annehmen möchte, dass sie von dorther stammt.CVMA 98776