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Vase im maurischen Stil

Ident. Nr.: K 5335

ObjID: obj:908648

Details (expert)

Creator/Entity
Carl Wagner (1799 - 1841),
Goldschmied*in
Date(s)
1839
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Paris
Dimensions
Höhe x Breite: 46 x 20 cm

Object Description

Die „gotisch-maurische“ Vase adaptiert in ihrer Form islamische Alhambravasen des 14. Jahrhunderts und im Figurenstil hochgotische Miniatur- und Glasmalereien. In den seitlichen Bildfeldern erscheinen der heiliggesprochene französische König Ludwig IX. (reg. 1226–1270) und sein Sohn Robert von Clermont (1256–1317) mit ihren Gemahlinnen. In den Vierpässen an Vorder- und Rückseite sind eine Kampf- und eine Stifterszene mit Prinz Robert, dem Stammvater der Bourbonen, dargestellt. Dieses Bildprogramm erschien nach dem Sturz des Bourbonen Karl X. (reg. 1824–1830) in der Julirevolution von 1830 in ultraroyalistischen Kreisen gewiss Identität stiftend. Auch daher ist es bemerkenswert, dass die auf der Pariser Industrieausstellung 1839 vorgestellte Vase bereits im Oktober desselben Jahres in die Königlich-Preußische Kunstkammer nach Berlin gelangte, deren Direktor Leopold von Ledebur der restaurativen Adelspartei in Preußen nahestand.
Der um 1829 nach Paris ausgewanderte Berliner Goldschmied Carl Wagner (1799–1841) gilt als wegweisender Vertreter des romantischen Historismus auf dem Gebiet des Kunsthandwerks. Die makellose Ausführung des Dekors der Berliner Vase zeugt von einer virtuosen Beherrschung verschiedenster Goldschmiedetechniken. Wagner hatte unter anderem die mittelalterlichen Techniken des Grubenschmelzes und der Emailmalerei wiederbelebt und weiterentwickelt. Vor allem der raffiniert eingesetzte Kontrast zwischen transluziden und opaken Emailflächen führte zu gänzlich neuartigen ästhetischen Wirkungen. Frédéric-Jules Rudolphi (1808–1872) fertigte nach dem Unfalltod Carl Wagners als dessen Werkstattnachfolger noch mindestens zwei weitere, leicht variierte Ausführungen der Prunkvase, von denen sich eine im Los Angeles County Museum of Art befindet. LL

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa