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Capriccio mit der rituellen Weihe eines jungen Mannes

Ident. Nr.: KdZ 4582

ObjID: obj:934183

Details (expert)

Involved
Ausführung: Giovanni Battista Tiepolo (1696 - 1770),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Dating
Herstellung: um 1735/1740
Dimensions
Höhe x Breite: 31,7 x 25,5 cm

Object Description

Tiepolo war der bedeutendste Vertreter des venezianischen Settecento und darüber hinaus der letzte große Repräsentant der klassischen Kunsttradition, die mit der Renaissance begann und am Ende des 18. Jahrhunderts abbrach. Als Zeichner entwickelte er, nach ersten Anlehnungen an Piazzetta und Pellegrini, rasch eine typische Handschrift und eine Meisterschaft, die auch das vorgestellte Blatt auszeichnen. Es gehört zu einer Serie von formal sehr ähnlichen Zeichnungen der späteren 1730er Jahre, die wie der »Tod des Seneca« in Chicago vereinzelt klassische Themen aufgreifen [...], ansonsten aber die oft rätselhaften Szenen der Radierfolgen »Capricci« und »Scherzi di Fantasia« vorwegnehmen [...]. Trotz des scheinbar unvollendeten Zustands und der offenen Struktur liegt ein autonomes Werk vor.
Dargestellt ist in leichter Untersicht ein Inaugurationsritus, die Weihe oder Segnung eines Novizen durch eine Gruppe von Magiern. Zum Ambiente der Handlung zählen Töpfe, Schalen und ein Opferaltar, dann Zierschwert und Umhang, die ein assistierender Knabe bereithält. Rechts unten sind Kopf und Schulterpartie eines jungen Mannes anskizziert, etwa in der Haltung, wie sie die zentrale Gestalt auf der »Entdeckung des Grabes von Pulcinella« einnimmt [...]. Nach erster, sehr flüchtiger Anlage der Figuren mit Kreidestift und Feder richtete Tiepolo sein Augenmerk auf das Spiel von Licht und Schatten. Dieses entsteht weniger durch zeichnerische Modellierung als durch den bloßen Kontrast zwischen der flächig aufgetragenen hellbraunen Tusche und dem Weiß des Papiers, akzentuiert durch teils getupfte und gewellte, teils breit verlaufende dunkle Pinselstriche.
Eine leichte Hand bei jedem Zug, die lockere Komposition und das volle Licht halten den Sinn des obskuren Kults, der ferne Länder und Zeiten assoziiert, in paradoxer Schwebe: Diese modale Beziehung zwischen Zeichenstil und Sujet konstituiert den Typus des Capriccio.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 291-292, Kat. V.54 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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