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Brustbild einer Frau mit geschlossenen Augen (Die hl. Apollonia)

Ident. Nr.: KdZ 1527

ObjID: obj:936626

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Date(s)
Herstellung: 1521
Additional titles
Collection title: Brustbild einer Frau mit geschlossenen Augen (Die hl. Apollonia)
Heilige Apollonia
Provenance
John Charles Robinson (1824-1913),
160001
Dimensions
Blattmaß: 41,4 x 28,8 cm
Acquisition
1880 Ankauf aus der Sammlung John Charles Robinson, London

Object Description

Diese Modellstudie einer als Brustbild gegebenen weiblichen Heiligen entstand im Zusammenhang mit der systematisch angelegten Planung einer gemalten ›Sacra Conversazione‹, eines Marienbildes mit zahlreichen assistierenden Heiligenfiguren. Das wohl erst nach der Reise in die Niederlande von Dürer geplante Gemälde blieb entweder unausgeführt oder ist nicht überliefert. Trotzdem sind wir über seine Gesamtkomposition durch zwei Skizzen aus unterschiedlichen Entwurfsstadien gut unterrichtet (W. 838, 839). So kann die Berliner Studie mit einer stehenden hl. Apollonia in Beziehung gesetzt werden, die in diesen Kompositionsstudien erscheint. Auf einer der beiden Studien (W. 839) wurde sogar der Gesichtskontur der Heiligen, der als Attribut eine Zange mit ausgebrochenem Zahn beigegeben ist, der Berliner Figurenstudie gemäß korrigiert. Zudem wurde die ungewöhnlich offenherzig-schulterfreie Tracht in der Studie adaptiert, die gerundeten Schultergelenke markiert und durch nachgezogene Brust- und Busenkonturen betont abgesetzt. Die großformatige Halbfigurenstudie muss zu diesem Zeitpunkt also bereits vorhanden gewesen sein und wird Dürer bei seiner Überarbeitung des übergreifenden Kompositionsentwurfs zur Tafel die Hand gewiesen haben.
Es ist schwer vorstellbar, dass Dürer die prägnante Physiognomie und Körperlichkeit der hl. Apollonia ohne konkrete Personalstudien angefertigt haben soll. Dennoch fehlen der majestätischen Halbfigur mit ihrem anmutig leicht geneigten, ebenmäßigen Antlitz mit geschlossenen Augen und lockenumspieltem kleinem Ohr betont individuelle Züge. Auch die nachdrücklich präsentierten Oberkörperrundungen von Brustbein, aus dem Gewand gepresstem Busen und entblößten Schultergelenken lassen an eine auf das Überindividuelle und Idealschöne zielende Weiblichkeit denken. Bereits einige Jahre zuvor hatte Dürer in einem Entwurf zur Einleitung in das Lehrbuch der Malerei hierfür die Erklärung formuliert: »Ein schön bild zw machen kanstw van einem menschen nit abnemen. Dan es lebt kein mensch awff ertrich, der alle schön an jn hab, er möchte albeg noch vill schöner sein« (zit. nach Rupprich 1956–69, II, S. 120, Z. 20–24). Deshalb riet er: »… van vill schöner ding fersamelt man etwas gutz, zw gleicher weis wy daz hönig aws vill plumen zw samengetragen würt« (zit. nach Rupprich 1956–69, II, S. 121, Z. 46–49). M.R.

Text: Michael Roth in: Dürers Mutter. Schönheit, Alter und Tod im Bild der Renaissance. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin 5.5.-16.7.2006, Berlin 2006, S. 156, Kat. 100 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 06.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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