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Rekonstruktion des Tempels von Palestrina

Ident. Nr.: KdZ 26441

ObjID: obj:936812

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Pietro da Cortona (vor 27.11.1597–16.5.1669),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: um 1630/1635
Dimensions
Höhe x Breite: 34,5 x 80,5 cm

Object Description

Palestrina, das antike Praeneste in der Nähe Roms mit den heute noch gewaltig erscheinenden Resten des Fortuna-Primigenia-Tempels aus dem 2.-1. Jahrhundert v. Chr., wurde 1629 von Taddeo Barberini erworben, einem Mitglied der Familie des Papstes Urban VIII. Die Berliner Ansicht zeugt in ihrer monumentalen Auffassung von dem Versuch, eine antiquarisch fundierte Rekonstruktion der Anlage in die Vorstellungswelt des Barock einzubinden. So erscheint ein Teil des Tempels auf einem Fresko im Palazzo Barberini, das unter Leitung Cortonas von seinem Schüler Romanelli um 1630/1 ausgeführt wurde [...]. Die intensive Beschäftigung mit dem Thema, die auf vorhergehenden Rekonstruktionsversuchen anderer Künstler fußte, belegen ein weiterer Entwurf Cortonas im Talman-Album des Victoria & Albert-Museums, drei Zeichnungen seiner Schule auf Schloß Windsor und ein Stich, der 1655 nach einer Cortona-Zeichnung von Joseph Maria Suarez in seinem Buch »Prenestes antiquae, libri duo« bei A. Bernabo in Rom veröffentlicht wurde [...].
Auffallend ist der nur durch zeichnerische Mittel realisierte Kontrast zwischen dem amorphen, lawinenhaft übersteigerten Bergmassiv und dem fein gegliederten Monument, das sich - auf breiter Substruktion und über fünf Terrassen in stark vertikaler Ausrichtung an den Berg geschoben - vor der gewaltigen Naturkulisse behauptet. Die landschaftlichen Motive sind auf allen Entwürfen fast gleich. Doch die Fassadengliederung variiert in der Achsenzahl, der Art der Öffnungen, der Gestaltung von Geschossen und Treppenläufen sowie in der Ausdehnung der Terrassen erheblich. Einige Pentimenti, Asymmetrien und Details der Gliederung lassen vermuten, daß die Berliner Zeichnung am Anfang der überlieferten Blätter steht. Indiz dafür, daß sie schon im erwähnten Fresko des Palazzo Barberini Verwendung fand, sind die große Ähnlichkeit und der Umstand, daß Romanellis Entwurf der Szene genau diese Partie noch im unklaren hält ( [...]; Cortona wird sich hier die Regie vorbehalten haben. Es folgen Windsor 10384 und schließlich das Londoner Blatt, das dem Stich im 2. Band des Suarez-Buches als Vorlage diente. Den Aufschriften zufolge stammt die Berliner Fassung möglicherweise aus spanischer Provenienz (»Tasa 30 Res« = Taxe/Taxierung 30 Reales).

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 279-280, Kat. V.40 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 17.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72