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Die Verkündigung an Maria und groteske Köpfe

Ident. Nr.: KdZ 26130

ObjID: obj:940759

Details (expert)

Involved
Ausführung: Agostino Carracci (15.8.1557 - 22.3.1602),
Zeichner*in
Dating
Herstellung: um 1580
Dimensions
Blattmaß: 22,2 x 38,7 cm

Object Description

Im linken Bildfeld, durch Einfassungslinien begrenzt, ist eine Verkündigungsszene dargestellt. Zuerst zeichnete der Künstler die neben ihrem Stuhl kniende Maria, dann wird er einige knappe Konstruktionslinien im Hintergrund und den Erzengel skizziert haben, schließlich die Balustrade, die Säulen und den Hl. Geist in Gestalt der Taube. Position und Gestik der Hauptfiguren sind leicht korrigiert. So "ging der Engel ursprünglich mit ausgebreiteten Armen auf Maria zu, die am linken Kontur einige Abstriche erfuhr. Auch die örtliche Situation ist in der Schwebe gehalten, wir finden sowohl Angaben zu einem offenem Balkon oder einer vorgelagerten Loggia als auch zu einem geschlossenem Innenraum. In einem zweiten Schritt begann Carracci, auf der verbliebenen Restfläche - wohl in Leserichtung -mit einzelnen Studien und Varianten zu experimentieren: zu dem Madonnenkopf (vergrößert in der Mitte, kongruent am oberen Rand), dann zum Engel; es folgte die Füllung der Zwischenräume mit grotesken Profilköpfen und schließlich wurde die Haltung des Gottesboten an Hand und Knien noch einmal überarbeitet.
Zeichnungen zu einer anders komponierten »Verkündigung« befinden sich auf Schloß Windsor (Wittkower 1952, Nr. 1341, Fig. 18). Die Berliner Version zeigt die überaus feine, frühe Strichtechnik Agostinos. In das zeitliche Umfeld gehören ein Kupferstich eigener Hand nach einer »Verkündigung« Sammacchinis (um 1580; De Grazia Bohlin 1979, Nr. 34, Abb.), ein Gemälde Ludovico Carraccis vom Anfang der 1580er Jahre (Bologna, Pinacoteca Nazionale) und die ebenda aufbewahrte »Verkündigung« von Pietro Faccini. Abgesehen von diesem allgemeinen Kontext sind derartige Skizzenblätter Agostinos als autonome Erzeugnisse zu verstehen. Auf ihnen probte und demonstrierte der Künstler spielerisch und mit Witz das Spektrum seiner zeichnerischen Ausdrucksfähigkeit: im vorliegenden Fall vom häßlichen Profil im Modus eines einfachen Graffitos bis hin zum plastischen Relief des edlen Madonnenkopfes. Per Schraffur verbunden, unterstreichen solche Opponenten in Form und Gehalt, daß der Grad der ›bellezza‹ und der schönen Linie nur durch das Gegenbild zu bewerten ist, die karikatureske Verzerrung.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 275, Kat. V.36 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 07.05.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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