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Fragment eines Psalteriums

Ident. Nr.: 78 A 6

ObjID: obj:940981

Details (expert)

Creator/Entity
Date(s)
Herstellung: um 1150-60
Dimensions
Höhe x Breite: 24,9 x 15,6 cm

Object Description

Zehn auf beiden Seiten bemalte Blätter zeigen Szenen aus dem Alten Testament auf den ersten drei Doppelblättern und Darstellungen aus dem Neuen Testament auf dem anschließenden Binio (Doppellage). Alle Seiten, mit Ausnahme von fol.4v, sind durch Rahmenleisten in zwei übereinanderliegende rechteckige Bildfelder unterteilt, von denen mehrere leer geblieben sind. Ein- oder zweizeilige Beischriften erläutern in der Art von Tituli die ausgeführten Bildinhalte. Verschiedene Szenen sind lediglich in Federzeichnung angelegt, teilweise nur an Nimben oder Gewandborten vergoldet oder unvollständig koloriert, und geben damit Einblick in die Arbeitsweise der Illuminatoren. Auffallend ist die ungewöhnliche Auswahl der Bildthemen, die keine kontinuierliche Folge ergeben und den fragmentarischen Charakter des Manuskriptes erkennen lassen. Als ikonographische und auch stilistisch prägende Quelle konnten italienische (römische) spätantik-frühchristliche Vorlagen nachgewiesen werden. Das gilt besonders für den alttestamentlichen Zyklus, während sie in den christologischen Bildern über die Vermittlung karolingisch-ottonischer Traditionen weiterwirken. Der Einfluß spätantiker Gestaltung wird deutlich im Bemühen um plastische Verlebendigung der Form und organisch fließende Falten, die Korper und Gewand differenzieren. Die Nähe zu den Reliefs auf dem Lütticher Taufbecken des Reiner von Huy ist wiederholt hervorgehoben worden und betont die Schlüsselstellung des Berliner Codex in der Maaskunst, die auch ikonographisch und stilistisch verwandte, zeitgenössische Email-und Metallarbeiten widerspiegeln. In diesen Zusammenhang gehören zwei in derselben Werkstatt entstandene Einzelblätter im Victoria & Albert Museum (Ms. 413) und in der Universitätsbibliothek Lüttich (Wittert, Ms. 2613), die aus einer wohl ähnlich angelegten Bilderfolge stammen.
Nicht eindeutig zu klären ist die ursprüngliche Bestimmung des Berliner Fragments: Wurde es als einleitender Bilderzyklus für ein Psalterium geschaffen - ein Handschriftentyp, der sich besonders in England und Nordfrankreich entwickelte -, sollte es als Musterbuch die szenischen Vorlagen an Werkstätten vermitteln, oder diente es als breit angelegtes Kompendium von Bibelillustrationen? Die Auswahl seltener ikonographischer Themen läßt vermuten, daß eine umfangreiche Folge biblischer Szenen vorgelegen haben muß, die hier nur fragmentarisch überliefert, aber aus dem ikonographischen und typologischen Bildrepertoire der Maaskunst allgemein zu erschließen ist.

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 48f., Kat. I.2 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 19.02.2026

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Kupferstichkabinett

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Das Kolosseum in Rom, von der Seite des Palatin gesehen

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72