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Studien zu einer Heiligen Familie mit dem Johannesknaben

Ident. Nr.: KdZ 1363

ObjID: obj:941004

Details (expert)

Creator/Entity
zugeschrieben: Michelangelo Buonarroti (06.03.1475–18.2.1564),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: um 1505 (?)
Systematics/Type
Material / Technique
Feder in Braun
Dimensions
Höhe x Breite: 28,7 x 20,9 cm

Object Description

Das Studienblatt wurde 1880 zusammen mit sechs weiteren Zeichnungen aus der Sammlung Chennevieres von dem Londoner Kunsthändler Thibaudeau erworben. Es stellt Einzelmotive dar, die durch einige Schraffenverbände locker verbunden sind. Der Zeichner begann mit dem vorn liegenden Kind, das auf einem Kissen lagert und sich mit erhobenen Armen nach rechts reckt. Es folgten das scharf und plastisch modellierte Profil eines Madonnenkopfes, ergänzt um die Andeutung eines Gewandoberteils mit Bordüre und Brosche, und die Detailpartie der Augen und Nase eines anderen Gesichts im Profil. Zum Schluß kamen der Kopf Josephs, der gleichzeitig frontal und im Linienprofil über dem rechten Arm des Knaben seinen Platz finden mußte, und die drei Figurenskizzen auf der verbliebenen Restfläche oben links hinzu.
Alle Motive kreisen um Arbeiten Michelangelos, die zwischen der »Hl. Familie« von 1503 (»Tondo Doni«; Florenz) und den Marmorreliefs in London und Florenz entstanden sind (sog. »Tondo Taddei« und »Tondo Pitti«, wahrscheinlich um 1504/6). Auch die stilistischen Eigenheiten sind mit denen anderer früher Zeichnungen Michelangelos vergleichbar. So erkannte das Gros der Kenner die alte Zuschreibung an, nur Dussler [Die Zeichnungen des Michelangelo, Berlin 1959] ordnete das Blatt aufgrund der ungewöhnlichen Verteilung der Figuren unter die Werkstattprodukte. Vielleicht kann ein Argument die Annahme entkräften, der Zeichner sei mit der Fläche und den Bezügen unklar umgegangen. So wurde die Aufschrift am oberen Rand bisher falsch als »giou« gelesen und nicht weiter beachtet; »giov[annij« aber bezieht sich auf den nebenstehenden Knaben. Seine Hinwendung zu dem Kind links, das sich ihm entgegenstreckt und den Gestus des Christusknaben von unten wieder aufnimmt, verdeutlicht, daß letzterer garnicht mit der räumlich und proportional abgesetzten Madonna verbunden werden sollte, sondern als Teil einer oben neu angesetzten und geklärten Christus-Johannes-Gruppe geplant war. Die Kombination verschiedener Elemente, die durch eine variable Strichbildung ihren jeweiligen Zweck und den Stand der Bearbeitung im Hinblick auf ein gedachtes Werk zum Ausdruck bringen, gehört zum Wesen eines Studienblattes. Eine solche Zeichnung ist umso höher zu bewerten, wenn sie alle Stufen zu vereinigen weiß, wie hier die zum Vexierspiei verdichteten Studien des Christus und Josephs mit den schon vollkommen klaren, frei im Raum stehenden Entwürfen und der flüchtig skizzierten Lösung eines Kompositionsproblems.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 255-256, Kat. V.13 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 19.10.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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