Logo

Arm- und Gewandstudien

Ident. Nr.: KdZ 16419

ObjID: obj:941744

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Carlo Maratti (1625 - 1713),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Date(s)
Herstellung: um 1650/1655
Geographical references
Dimensions
Blattmaß: 27,5 x 41,2 cm
Acquisition
1843 von Michelangelo Pacetti, Rom, erworben

Object Description

Über das Blatt verteilt nimmt man Arm- und Gewandstudien wahr, die zu verschiedenen Figuren gehören: in Leserichtung zunächst eine Schulterpartie, mit Augenmerk auf die Armhaltung und die dadurch bedingte Fältelung des Stoffes; daneben einen ähnlichen, reduzierten Ausschnitt, nun mit ausgestrecktem Arm; darüber und auf der rechten unteren Blatthälfte mehrfache Wiederholungen des entsprechenden Details der Draperie an Schulter und Armbeuge. Rechts oben schließlich zeichnete Maratti Frauenarme in einem Tragegestus und repetierte Gewandstudien, die möglicherweise die Arm- oder Kniebeuge einer Gestalt wiedergeben. Die zarten, mit gleichmäßigem Druck aufgetragenen Rötelschraffen lassen auf eine Entstehung in der ersten Hälfte der 1650er Jahre schließen, als Maratti sich von dem stilistischen Einfluß seines Lehrers Andrea Sacchi befreite. Aufgrund der offensichtlich schon sehr weit fortgeschrittenen Suche nach Lösungen für bildnerische Detailprobleme ist zu vermuten, daß die Zeichnung zu den Vorarbeiten für einen konkreten Auftrag zählt. Zuordnungsversuche zu bekannten Kompositionen - so zur »Heimsuchung« von 1656 oder zum Wettbewerb um das große Fresko »Joseph und seine Brüder« für die Galerie des Quirinalspalastes 1657 - brachten bisher aber kein befriedigendes Ergebnis.
Die »Gewandstudie« ist ein besonderer Zeichnungstyp, dessen Ursprung auf die norditalienische und florentinische Renaissance zurückgeht. Mit steigender Wertschätzung der auf Wirkung bedachten, äußeren Effekte kam ihr im Seicento erneut eine wichtige Funktion, ja sogar eine Vorrangstellung zu, die auch kunsttheoretisch untermauert wurde. Maratti selbst soll nach Angaben seines Biographen Bellori auf die Frage, welche Aufgabe in der Malerei am schwierigsten sei: die nackte Gestalt oder die Bekleidung?, geantwortet haben: »Die Draperie [...]. Die nackte Gestalt als Aufgabe der Kunst kann ganz auf das Vorbild der Natur zurückgreifen; die Gewänder dagegen haben keine natürliche Form, sie sind ganz abhängig von der Kunst und von dem Vermögen der Zeichnung, sie auch als solche zu begreifen und zu erschaffen« (Bellori [Vite di Guido Reni, Andrea Sacchi e Carlo Maratti, Rom] 1942, S.119).

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 287-288, Kat. V.50 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Ansicht der Stadt Olevano (Provinz Rom, Italien) mit dem Regenbogen

Ansicht der Stadt Olevano (Provinz Rom, Italien) mit dem Regenbogen

Nahezu während der ganzen Dauer seines jahrzehntelangen Lebens in Rom beschäftigte sich Joseph Anton Koch mit dem Thema Olevano, nachdem er schon 1804 zum künstlerischen Entdecker dieser malerischen Bergstadt geworden war. [...] Fast am Ende einer langen Entwicklung stellt er mit dem vorliegenden Blatt das malerische Sujet in überhöhter, komponierter Übersichtlichkeit dar. Aus vorausgegangenen Naturstudien vom gleichen Standort, von der Casa Baldi aus aufgenommen, die den deutschen Künstlern häufig als Unterkunft diente, gelingt dem Künstler eine Summe seiner Eindrücke. Mit den Mitteln der Vordergrundgruppen, der seitlichen Bäume, des übergreifenden Regenbogens, schließlich der Wolkenbildungen wird Bildmäßigkeit und Wirkung erzielt. Ein kleinerer Entwurf (Kupferstichkabinett, ID-Nr. SZ Koch 19) wird mit unserem Blatt zu Klarheit und Räumlichkeit geführt, wozu die meisterhaft eingesetzten Wirkungen von Licht und Schatten viel beitragen, so daß eine vollendete Zeichnung klassischer Landschaftsauffassung entstand. Für Kochs, aus souveräner Kenntnis urteilenden Biographen, Otto v. Lutterotti, ist sie »...in Komposition und Auffassung, Format und Durchführung wohl der schönste Hymnus, den Koch auf sein geliebtes, hochgebautes Bergnest angestimmt hat. Das Städtchen mit der verfallenen Burg der Colonna ist organisch wie ein Kristall dem Felsen entwachsen, im Vordergrund die ländliche Szene am Brunnen, das Ganze zusammengefaßt vom Regenbogen.«Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 360., Nr. VII.5 (mit weiterer Literatur)