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Studien zur Figur des Christus auf dem Gemälde »Noli me tangere«

Ident. Nr.: KdZ 20388

ObjID: obj:942582

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Federico Barocci (1528 - 30.9.1612),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: um 1590/1600
Dimensions
Höhe x Breite: 39,9 x 27 cm
Acquisition
1843 von Michelangelo Pacetti, Rom, erworben

Object Description

Das Gemälde, dessen Hauptfigur die Zeichnung vorbereitet, ist leider nur in ruinösem Zustand erhalten und befindet sich in der Sammlung des Viscount Allendale, Bywell Hall. Einen Eindruck von der Komposition verschafft der Stich von Luca Ciamberlano, der 1609 datiert ist (Bartsch, Nr. 3), nach Bellini 1992, S. 135, aber schon 1605 ausgeführt wurde. Zusammen mit den Studien für die bekanntere, 1590 gemalte Variante in München bewahrt das Kupferstichkabinett vierzehn Zeichnungen Baroccis zu diesem Thema auf [...].
Die zeitliche Reihenfolge der beiden Gemälde ist umstritten, doch scheint die hier sichtbare Anlage der Christusgestalt in ihrer formal sehr strengen, zeichnerisch straff und abbreviierend hingesetzten Art die Annahme von Emiliani zu stützen, daß das Bild der Allendale-Collection später als dasjenige der Alten Pinakothek anzusetzen ist. Trotz der angedeuteten Muskulatur und der Lichtakzente, die Barocci immer recht früh im Schaffensprozeß definierte, weist die kantige Haltung darauf hin, daß dem besessenen Zeichner wohl kein Mensch, sondern ein »manichino« Modell gestanden hat. In dieser mittleren Planungsphase einer Komposition, der nach klassischer Tradition eine Skizze vorausging, kam es Barocci denn auch wesentlich auf das innere Gerüst einer jeden Einzelfigur an, die im folgenden ausgearbeitet, drapiert und schließlich einem Gesamtentwurf einverleibt wurde. Im Vergleich mit einer anderen, quadrierten Berliner Studie (KdZ 20387 [...]), die das ausgestellte Blatt unmittelbar vorbereitet, sowie mit einer erst kürzlich publizierten Zeichnung in Nürnberg [...] wird der Schritt von der ersten Anlage des noch instabilen, tänzelnden Christus über die fest konstruierte und schließlich auch bekleidete Gestalt nachvollziehbar.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 272, Kat. V.34 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 17.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72