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Missale Romanum, geschrieben für Giulio de'Medici (Papst Clemens VII.) von Ludovicus Vicentinus in Rom

Ident. Nr.: 78 D 17

ObjID: obj:958187

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Matteo da Milano (1502),
Maler*in
Ausführung: Ludovico Vicentino (1520),
Schreiber*in
Date(s)
Herstellung: 1520 - 1521
Material / Technique
Deckfarben auf Pergament
Dimensions
Höhe x Breite: 38,2 x 26,8 cm
Höhe x Breite x Stärke: 40,2 x 29 x 12,7 cm Buch geschlossen
Höhe x Breite x Stärke: 42,5 x 31,1 x 13,7 cm Schutzverpackung, Klappkassette

Object Description

Giulio de' Medici, seit 1513 Kardinal und als Clemens VII. Papst von 1523-1534, war ein herausragender Kunstmäzen seiner Zeit und großer Bücherliebhaber. Sein römisches Missale, 1520 von dem vielgerühmten Schreiber Ludovicus degli Arrighi aus Vicenza signiert, ist eine der reichsten und am besten erhaltenen Handschriften aus seinem Besitz.
Die luxuriöse Ausstattung ist von phantasievoller Vielfalt und leuchtender Farbigkeit. Vom Selbstbewußtsein des Auftraggebers zeugen die fast auf jeder Seite wiederkehrenden Familienwappen mit den Medici-Kugeln, oder das bereits vom Großvater Lorenzo il Magnifico verwendete Emblem der dreifarbigen Pfauenfedern und Diamantring mit dem Motto SEMPER, der Kardinalshut und Inschriften, die Kardinal Giulio als Besteller ausweisen. Diese Motive sind eingefügt in Initialen, Zierleisten und die ganzseitigen Rahmen, deren Dekoration auf farbigem, dunklem oder Goldgrund Juwelen, Perlen und geschnittene Steine, Streublumen und Blattranken zwischen Medaillons, Putti, Vögeln, phantastischen Wesen und Renaissancegrotesken zeigen. Auffallend häufig sind Dompfaff und Blaumeise zu erkennen, die als ein >Markenzeichen< des Illuminators gelten können. Dieser Hauptmeister wird mit Matteo da Milano identifiziert. Sein Name ist genannt in den Rechnungsbüchern des ferraresischen Hofes für Miniaturen im Breviarium der Herzöge Ercole l. und Alfonso l. d'Este (Modena, Bibl. Estense, lat. 424). Hier, wie auch in verschiedenen anderen Handschriften und Einzelblättern finden sich die charakteristischen Merkmale seines Stils, geprägt von ferraresisch/venezianischen und mailändischen Elementen. In den Landschaftshintergründen lassen sich Motive aus graphischen Blättern von Dürer nachweisen, die er vermutlich in Ferrara gesehen hatte, und auch die Kenntnis von niederländischen Miniaturen wirkt nach in den Streublumen auf farbigem Grund der Rahmendekorationen. Das Berliner Missale ist ein Meisterwerk Matteos aus der Zeit seiner Tätigkeit in Rom.

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 60, Kat. I.15 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72