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Bauernjunge

Ident. Nr.: A IV 37

ObjID: obj:958604

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Hans Jüchser (1894 - 1977),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: 1926
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Bauernjunge
Translation: Country Boy
Provenance
im Besitz des Künstlers,
1964
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Höhe x Breite: 63 x 50 cm
Acquisition
1964 Ankauf vom Künstler

Object Description

In dem signierten und datierten Bild ist ein Junge im Alter von circa zehn Jahren zu sehen. Seine Bekleidung besteht aus einer blauen Wollmütze mit zwei Streifen sowie einer grünlich-ockerfarbenen, zu klein gewordenen Jacke: Ihr Stoff spannt deutlich über der Brust, was der Maler insbesondere durch die Wellenlinien am Saum angedeutet hat. Auch das Hemd, das er darunter trägt, scheint ihm nicht zu passen. Der Junge schaut die Betrachter:innen nicht an, sein Blick geht zur Seite, die geschlossenen Lippen verleihen ihm einen verschmitzten Ausdruck. Die zu enge Bekleidung sowie die einfache Wollmütze lassen auf ärmliche Verhältnisse schließen. Stil und Motivik Ludwig von Hofmanns, dessen Schüler Jüchser im Jahr der Entstehung des Bildes an der Kunstakademie in Dresden wurde, schlagen sich hier nicht nieder. Vielmehr sind die Klarheit und Unmittelbarkeit, mit der die Lebenswelt des Jungen dem Betrachter vor Augen geführt wird, der Neuen Sachlichkeit zuzurechnen. Die malerischen Tätigkeiten des in Chemnitz geborenen Künstlers wurden immer wieder durch Kriege unterbrochen: Er war Soldat im Ersten und ab 1940 im Zweiten Weltkrieg, in dem er in Gefangenschaft geriet; erst 1949 konnte er in seine Heimatstadt Dresden zurückkehren. Die Diffamierung durch die Nationalsozialisten und Beschlagnahme seiner Arbeiten als „entartete Kunst“ setzten ihm ebenfalls zu. Ab den 1950er-Jahren konnte sich Jüchser im Kunstbetrieb der DDR erfolgreicher etablieren. | Anja Pawel

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

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Lößnitzlandschaft

Lößnitzlandschaft

Rosenhauer malte zahlreiche Darstellungen des bergigen Weinbaugebietes Lößnitz, das, zur Stadt Radebeul gehörend, zwischen Dresden und Meißen liegt. Das vorliegende Bild zeigt im Mittelgrund den Paulsberg, bildbestimmend ist die Weinbergmauer. In der Ferne sieht man rechts auf dem Berg den 1907 nach Entwurf von Wilhelm Kreis errichteten Bismarckturm und links das sogenannte Spitzhaus. Rosenhauer hat jedoch keine topografische Ansicht gemalt, sondern einen diesigen Wintertag, eine auf graues Blau, Weiß und Braun gestimmte Landschaft. An einen befreundeten Kunsthistoriker schrieb er auf eine Anfrage: „[…] Breughel hat schon braunen Schnee gemalt, […] und die Impressionisten haben ihn halt blau, wenigstens in den Schatten, gemalt. Was blieb da für mich übrig? Impressionist bin ich nie gewesen, und Schnee wollte ich malen, weil alle Töne durch ihn kräftiger wirken – und ‚Schnee ist nicht weiß wie Zuckerguß; daß man ihn farbig malen muß, das wußten schon die Alten‘ – so hab ich mal ‚geschüttelt‘ zu einer wiedergegebenen Schneelandschaft aus der Lößnitz.“ (Theodor Rosenhauer, in: Rainer Zimmermann, Die Kunst der verschollenen Generation, Düsseldorf/Wien 1980, S. 293) Auch Horst Drescher berichtet von einem Gespräch mit Rosenhauer über Schnee, in dem der Künstler feststellte, „Schnee hat die schönsten Grautöne, vor allem tauender Schnee, der sogenannte Pappschnee“, und das er mit dem oben wiedergegebenen Schüttelreim beschloss. (Horst Drescher, Die Erdfarben des Malers Theodor Rosenhauer, in: MalerBilder. Werkstattbesuche und Erinnerungen, Berlin [Ost]/Weimar 1989, S. 77) | Angelika Wesenberg

Unistische Komposition

Unistische Komposition

Der polnische Künstler Strzemiński und seine Frau, die Bildhauerin Katarzyna Kobro, hatten um 1928 die Theorie des Unismus entwickelt, die sich an mathematischen Kategorien wie Maß, Fläche und Proportion sowie deren Verhältnis zum Raum orientiert. Die danach entstandenen Kunstwerke folgten einer den Bildern innewohnenden organischen Einheit, die sich völlig autonom gegenüber außerkünstlerischen Begebenheiten verhalten sollte. Für Strzemiński war ein Kunstwerk kein Zeichen von etwas, sondern es existiert nur durch sich selbst, wie er schon 1924 erklärte (zit. in: Władysław Strzemiński. 1893–1952, Ausst.-Kat., Bonn, 1994, S. 24). Linien und Farben stehen dabei – ebenso wie zum Bildträger – in gegenseitiger Abhängigkeit voneinander. Auch die „Unistische Komposition“ von 1932 folgt diesen Prämissen. Sie ist in einem monochromen Grün gehalten, das ein pastos aufgetragenes, amorphes Liniengeflecht ausfüllt, welches den Bildraum wie einen in sich geschlossenen Organismus belebt. Trotz oder gerade wegen seiner Selbstreferenzialität hatte das unistische Bild für Strzemiński auch eine gesellschaftliche Bedeutung: In seiner Homogenität spiegelte sich darin für ihn die gesellschaftliche Utopie einer einheitlichen Organisation der Gesellschaft. Indem das unistische Bild nicht Abbild, sondern nur „es selbst“ war, konnte es dem aktuellen Zustand der Gesellschaft vorausgreifen und so Bauplan und Modell für eine bessere Welt sein. Die kleinformatige Komposition der Nationalgalerie stammt aus dem Familienbesitz des polnischen, seit 1976 in (West-)Berlin lebenden Bildhauers Karol Broniatowski. | Maike Steinkamp

Lustige Vorgänge

Lustige Vorgänge

Asger Oluf Jørgensen nannte sich ab 1945 Asger Jorn. Er betrachtete die vereinfachte Form als praktischer auf der internationalen Bühne. Meist betitelte er seine Werke in der Sprache des Landes, in dem sie entstanden waren, oder in erfundenen Sprachen, wie er sie etwa in James Joyces 1939 veröffentlichten Roman „Finnegans Wake“ vorfand. Diese Herangehensweise spiegelt sein Interesse am Internationalismus wider sowie seinen spielerischen und experimentellen Umgang mit Kunst und Sprache. Zu den häufig für Titel verwendeten Sprachen gehören neben seiner Muttersprache Dänisch auch Französisch, Englisch, Italienisch, Niederländisch und Deutsch. Die beiden expressiv-emotionalen Gemälde „Lustige Vorgänge“ und „Gitterleute“ entstanden in München, als Jorn sich über Weihnachten und Neujahr 1957/1958 im Haus des Galeristen und Sammlers Otto van de Loo aufhielt. Die herzliche, ausgelassene Stimmung und die bodenständige bayerische Volkskultur amüsierten ihn derart, dass die von ihm ersehnte „Orgie des Malens“ tatsächlich stattfand: Während dieser kurzen, äußerst produktiven Phase soll Jorn 24 Leinwände bemalt haben (Brief Jorn an Otto van de Loo, 12.12.1957, in: Guy Atkins, Asger Jorn. The Crucial Years: 1954–1964, London 1977, S. 40, Anm. 2). Das humorvolle, verspielte Gemälde „Lustige Vorgänge“ mit seinen leuchtenden Farben und dynamischen Formen stellt eine karikaturhafte Figur in den Mittelpunkt. Im Gegensatz dazu dominiert in dem engen, aus Grün, Blau, Rot und Weiß komponierten Farbraum von „Gitterleute“ eine mit harten schwarzen Linien gezeichnete, käfigartige Struktur. | Catherine Nichols

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Sowohl das Bild „Sitzender Akt am Fenster“ (A IV 313) als auch „Selbstbildnis mit roter Kappe“ (A IV 421) besitzen Studiencharakter, sind aber vollwertige, signierte Bilder, welche die Nationalgalerie (Ost) beim Künstler erwarb. Das Motiv des Aktes kommt erst seit den 1960er-Jahren bei Niemeyer vor. Das „läßt die Vermutung aufkommen, der Künstler hätte seine Versuche in der Technik der Lichtwiedergabe auch und gerade am nackten Körper und im geschlossenen Raum für sich unter Beweis stellen wollen“. (Annie Bardon, in: Otto Niemeyer-Holstein, Malerei und Aquarelle, Ausst.-Kat. Rostock, 1995, S. 19) Es geht Niemeyer in dieser Bildreihe um Volumen und Formen, das Spiel der Farbe und, wie an dieser Figur vor lichtblauer Landschaft besonders deutlich wird, um atmosphärische Werte. Auch das Selbstbildnis ist mehr Farbereignis als Selbsterkundung. Das Gesicht ist wenig ausgeführt, wie auch auf vielen der Aktdarstellungen. Vielleicht können wir Skepsis erkennen. Diese auf koloristische Wirkung hin entstandenen Bildnisse sind nicht gefällig, keine Oberflächenschönheit ist angestrebt. Die Figuren sind aus übereinander gesetzten Mischtönen aufgebaut. Dennoch gibt es Haltungen und einen Handlungsraum: Der Akt sitzt im Lehnstuhl vor einer Fensterfront, der Maler steht mit seinem Malstock in dickem Mantel und der prägnanten hohen, roten Kappe in winterlicher Landschaft. Für beide Figuren gibt es Vorbilder in der Kunstgeschichte. | Angelika Wesenberg

Gudari

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Die abstrakte Eisenplastik „Gudari“ ist das einzige Werk des spanisch-baskischen Bildhauers Chillida in der Sammlung der Nationalgalerie. Das 3,5 Tonnen schwere Werk besteht aus einer Stele, aus der etwa in Augenhöhe drei Vierkantstreben seitlich herauskragen, die wie Tentakel oder Zangenköpfe als Winkel und Kurven ausgebildet sind. Charakteristisch für Chillidas Plastiken ist die Patina aus Rost, entstanden durch Oxidation im baskischen Regen. Die Formation wirkt mit sich selbst beschäftigt, zugleich konflikthaltig, wie in Balance gehalten. Sie beruht auf den typischen Prinzipien in Chillidas Schaffen, das fünf Jahrzehnte umspannt. Statik und Dynamik, Material und Raum treffen zusammen. Chillida, der 1943–1946 in Madrid Architektur studiert hatte, bevor er sich ganz der Kunst zuwandte, nannte sich selbst einen „Architekten der Leere“. Seine Werke streben nach allgemeingültigen Aussagen und sind offen für unterschiedliche Interpretationen. Allenfalls der Titel gibt einen Anhaltspunkt. So reflektiert das baskische „Gudari“ (dt. Krieger) 1979, im Jahr der Erwerbung, möglicherweise die „alte Rolle Berlins als Frontstadt des Kalten Krieges“ (Peter-Klaus Schuster, Eduardo Chillida, „Berlin“, 2001, S. 31). Über drei Jahrzehnte lang stand die Plastik an der Südostecke der Terrasse der Neuen Nationalgalerie. Chillidas Arbeiten zeichnen sich durch eine enge, oft ortsspezifische Verbundenheit mit der Musik, vor allem zu Johann Sebastian Bach, und mit der Natur aus. Passend dazu wurde „Gudari“ nach der Grundinstandsetzung 2021 in den Skulpturengarten umgesetzt. | Uta Caspary

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

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Während seines Aufenthalts auf dem Baumwollkolchos „Lenin“, den Vogeler auf seiner Reise in den Südkaukasus im Sommer 1939 besuchte, fuhr er auch in das angrenzende Hochgebirge. Dort hielt er die baumlose grüne Berglandschaft und das Leben der kurdischen und armenischen Hirten in schriftlichen Aufzeichnungen und etlichen Bildern fest. Ein Ergebnis dieser Eindrücke ist das Gemälde „Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin“ (A III 288), das eine Gruppe von Hirtinnen und Hirten auf einem Bergplateau zeigt. Dem vorausgegangen waren die Studie „Versammlung kurdischer Hirten“ (A III 287) sowie eine Vielzahl an Zeichnungen und Aquarellen, die sich ebenso wie die Studien zu seinen anderen Reisen zum Teil im Kupferstichkabinett, Berlin, befinden. Auch das Gemälde „Armenische Hirten“ (A III 289) ist diesem Entstehungskontext zuzurechnen. Mit den genannten Werken gab Vogeler einen Einblick in das einfache, traditionsverbundene Leben der Hirten sowie der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in dieser politisch so umkämpften Region aufeinandertrafen. Sie zeigen auch die Veränderungen auf, die mit der „Eingliederung“ in die Sowjetunion verbunden waren, die Dichotomie zwischen Alt und Neu, Tradition und Fortschritt, wie sie in dem 1940 entstandenen Gemälde „Sowjetgut Lissogorsk, Armenien“ (A III 290) zu erkennen ist. Während sich im Hintergrund jenes Bildes vor den beeindruckenden grünen Bergrücken des Nordkaukasus die modernen weißen Stallgebäude des Sowjetgutes erstrecken, sieht man im Vordergrund die traditonellen braunen Jurten der einheimischen Bevölkerung. | Maike Steinkamp