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Organische Formen (Schreitender Mann)

Ident. Nr.: FNG 96/04

ObjID: obj:959202

n/a

Details (expert)

Involved
Rudolf Belling (1886 - 1972),
Künstler*in
Dating
1921
Additional titles
Collection title: Organische Formen (Schreitender Mann)
Translation: Organic Forms (Striding Man)
Geographical references
Provenance
Rudolf Belling Archiv, Krailling,
2004
Material / Technique
Bronze, versilbert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 54 x 21 x 18 cm

Object Description

„Organische Formen“ nannte Belling seine 1921 geschaffene Figur eines schreitenden Mannes, dessen Oberkörper in einer Drehung begriffen ist. Das Werk illustrierte im folgenden Jahr einen Beitrag über den Bildhauer in der Berliner Zeitschrift „Der Futurismus“ ([1922], H. 5/6 [Okt.], S. 5). Es liegt deshalb nahe, die Figur mit der bekanntesten futuristischen Plastik zu vergleichen: Umberto Boccionis „Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum“ von 1913. Während bei Boccioni die Dynamik ganz der Vorwärtsbewegung gilt und sich die Simultaneität verschiedener Bewegungsphasen in ausfransenden „Kraftlinien“ manifestiert, entwickelt Belling die aufsteigende Spiralbewegung weiter, welche schon seine „Gruppe Natur“ (B 72) charakterisiert hatte. Dass es keine Hauptansicht gibt, signalisiert die runde, halbkugelförmige Plinthe, die den Fuß des Standbeins umschließt. Scharfe Grate und Winkel sind kombiniert mit abgerundeten Partien. Die Hände wurden zu Greifwerkzeugen abstrahiert, der Phallus zur Röhre, der Kopf zur Kugel, auf der zwei Ovale als Zeichen für die Augen eingeritzt sind. Im aufgebrochenen Oberkörper stellen Metallstege die Rippen dar, Schultern und Brustkorb wirken wie ein Körperpanzer. Durch die Versilberung der Bronze erzeugte Belling Assoziationen an mittelalterliche Ritterrüstungen ebenso wie an moderne Roboter. Das damals präsente Thema der Mechanisierung des Menschen fand in dieser Rundplastik neuen Ausdruck. „Ob gegenständlich oder gegenstandslos“, schrieb Belling 1922, „ich erlaube mir alles, was mir nötig erscheint, um organisch gesetzmäßig zu bilden“ (zit. nach Kunstchronik und Kunstmarkt [1922], H. 6 [Nov.], S. 107). | Dieter Scholz

Last updated: 19.12.2025

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

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