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Kampfschnepfen

Ident. Nr.: B I 332

ObjID: obj:959259

Details (expert)

Creator/Entity
Max Esser (1885 - 1945),
Bildhauer*in
Date(s)
1914 (Guss undatiert)
Geographical references
Provenance
im Besitz des Künstlers,
1914
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 16 x 32 x 14 cm (mit Plinthe)
Acquisition
1914 Ankauf vom Künstler aus der Großen Berliner Kunstausstellung

Object Description

„Wenn man das Atelier Essers betritt, […] glaubt man eher in einer Schmiede als bei einem Bildhauer zu sein. Ein seltsamer Geruch von Metalldämpfen erfüllt den Raum. Und dann ist gewöhnlich ein großer Drahtkäfig da, in dem irgendein seltsames Paar mit großen Augen nach der Tür schaut. Perlhühner, Pfaufasanen, Stachelschweine und Füchse lösen sich hier ab, und an den Wänden hängen andere Käfige mit Staren, Kampfschnepfen, Tanzmäusen“ (H. v. Sp., Neue Tierplastiken von Max Esser – Berlin, in: Velhagen & Klasings Monatshefte, 28. Jg. [1913/1914], H. 3, S. 636 f.). Der Atelierbericht lässt die Grundlagen von Essers Schaffen anklingen: intensive Naturbeobachtung einerseits und vertiefte handwerkliche Materialkenntnisse andererseits. Um 1911 hatte der Künstler begonnen, mit dem Tauschieren von Bronzen zu experimentieren. Es entstanden zunächst kunsthandwerkliche Produkte wie seine Käferdose (Standort unbekannt), 1912 schuf er bereits das von der Nationalgalerie angekaufte Perlhuhn (B I 315), für seinen zwei Jahre später entstandenen Pfaufasan (B I 331) verlieh ihm der Kaiser die Goldene Medaille für Kunst. Mit seinen Kampfschnepfen widmete sich Esser erstmals der Herausforderung einer tauschierten Tiergruppe in Bronze. Die beiden in Imponiergebaren aufeinander bezogenen Schnepfenvögel kontrastieren nicht nur in ihrer Körperhaltung, der Künstler gestaltete auch die hellen Reflexpunkte des Gefieders und der auffälligen Kragen im kontrastiven Wechselspiel. | Yvette Deseyve

Last updated: 19.08.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Philipp II. auf seinem Felsensitz

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Luis Alvarez Catalás großformatiges Geschichtsbild »La silla de Felipe II en El Escorial« läßt den Betrachter zum Zeitzeugen eines bedeutenden historischen Ereignisses werden: dem Bau der Klosterresidenz in San Lorenzo de El Escorial (1563–1584). Diese beeindruckende Renaissanceanlage ist, wie der Schriftsteller Miguel de Unamuno y Jugo in »De mi país« 1903 treffend bemerkte, einer der zentralen Identifikationspunkte der spanischen Kultur und des spanischen Nationalbewußtseins.Alvarez Catalá zeigt allerdings nicht die Kloster- und Schloßanlage selbst, sondern König Philipp II. von Spanien, der auf einer Felsplattform bei San Lorenzo de El Escorial die Bauarbeiten überwacht und dabei Staatsgeschäfte erledigt, während am Fuß des Plateaus die Sänftenträger und eine große Dogge auf die Heimreise warten. Die karge Plattform, die noch heute ein beliebtes Reiseziel ist und im Volksmund ›La Silla de Felipe II‹ heißt, wurde mit ihren Stufen und vier Sitzen angeblich eigens für diesen Zweck aus dem Granitfelsen geschlagen. Neuere Forschungen halten dies allerdings für eine Legende und vermuten, daß es sich bei der Plattform entweder um eine rituelle Stätte aus vorrömischer Zeit handelt oder aber um eine vom Nationalbewußtsein getragene, romantische Inszenierung von 1867, an deren Fortschreibung Luis Alvarez Catalá wesentlichen Anteil hatte: Bereits kurz nach der Fertigstellung des Bildes und der Präsentation auf der Weltausstellung in Paris 1889 wurde es xylographisch in Zeitschriften und später fotografisch als Postkarte reproduziert. So war das Gemälde auch dann noch in Spanien präsent, als es 1891 aus der Internationalen Kunstausstellung in Berlin für die kaiserliche Sammlung angekauft und 1892 an die Nationalgalerie überwiesen wurde. 1925 bis 1939 war Alvarez Catalás Gemälde sogar auf der Rückseite der Einhundert-Peseten-Scheine zu sehen und prägte so nachhaltig die geschichtliche Wahrnehmung des Plateaus. | Regina Freyberger

Studie zum Fresko "Pergola" in der Zoologischen Station in Neapel

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»Diese fünf schweigenden Menschen an dem Tisch verblüffen, auch das Mädchen auf der Treppe […] Und auch die Mauer, das Haus mit den Bögen, durch die man in den Himmel schaut. […] Sie sind unter sich, und ohne dass sie es aussprechen, wünschen sie, unter sich zu bleiben. Es wäre auch schwierig, zu ihnen zu dringen. Der Winkel neben der Treppe schützt sie. Er ist eine Welt für sich. Die hohen Wände gebieten Schweigen« (J. Meier-Graefe, Hans von Marées, Bd. 1, München 1910, S. 269–271).Gleich zweimal, fast unverändert, hat Marées diesen Entwurf für die Fresken an der Ostwand der Bibliothek in der Zoologischen Station in Neapel ausgeführt (Variante im Von der Heydt-Museum, Wuppertal). Mit der Komposition »Pergola« brachte er die Freunde, die kleine Gruppe der am Aufbau der Station tätigen Wissenschaftler und Künstler, in diese ansonsten zeitlose, der Idee des Goldenen Zeitalters verbundene Bildwelt ein: links die beiden Zoologen Anton Dohrn (1840–1909) und Nikolaus Kleinenberg (1842–1897), in der Mitte der vielfältige Funktionen wahrnehmende schottische Dichter Charles Grant (1841–1889), auf der rechten Seite die beiden mit der Ausgestaltung des Festsaales betrauten Künstler Marées und Hildebrand (1847–1921). Ort der Zusammenkunft ist eine Taverne im unvollendet gebliebenen Palazzo Donn’Anna am Golf von Neapel, zu der die Freunde des Abends gern mit dem Boot hinüberfuhren. Diese ihm besonders wichtige Komposition hat Marées zudem mit großen Einzelstudien der Dargestellten vorbereitet (vgl. ebd., Bd. 2, 1909, S. 196–199). Das schöpferische und freundschaftliche Miteinander in diesen Monaten der gemeinsamen Arbeit für ein kühnes Projekt hat er sehr genossen. Gleiches sollte ihm in seinem Leben nicht wieder begegnen. Die Studie wie das ausgeführte Fresko aber zeigen kein lebhaftes Miteinander, bestenfalls abendliche Erschöpfung, wie von Meier-Graefe in seiner Marées-Publikation prägnant beschrieben (vgl. ebd., Bd. 1, 1910, S. 243–282). Das gegenüberliegende Fresko auf der westlichen Wand der Bibliothek stellt den Aufbruch der Fischer dar. Ragen dort hohe Felsen auf, so hinter dieser Gruppe von Intellektuellen die schützenden Mauern eines historischen Bauwerkes. Der selbstverständlichen, gemeinsamen Tätigkeit der Fischer dort entspricht hier ein handlungsloses Beieinander. Der Eindruck von Vereinzelung und Ernst könnte an der Erkenntnis liegen, nicht wirklich zu dieser idealisierten Welt voller Natürlichkeit, Heiterkeit und Selbstverständlichkeit zu gehören. | Angelika Wesenberg

Luther mit seinen gelehrten Freunden bei der Bibelübersetzung

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Das Bild wurde 1883 durch Verfügung des Kultusministers vom Künstler erworben und sogleich als Dauerleihgabe in die Lutherhalle nach Wittenberg gegeben, wo es sich heute noch befindet. Das entsprach durchaus der Rolle der Nationalgalerie, ab 1926 führte sie ein eigenes Inventar über Ankäufe für Behörden in anderen Städten. Leonhard Gey, der ab 1858 im Atelier von Julius Schnorr von Carolsfeld in Dresden als Mitarbeiter für die Arbeit an der Bilderbibel tätig war, blieb lebenslang der strengen, linearen Kunst Schnorrs verbunden. Diese Darstellung mit der übersichtlich angeordneten Gruppe um die Hauptfigur Luther herum stellte er 1881 auf den Akademieausstellungen in Dresden und Berlin aus, 1882 in Hannover. Die Komposition steht in engem Zusammenhang mit einem Auftrag zu vier Wandgemälden für die Aula des Gymnasiums zu Dresden-Neustadt, die Gey 1883 vollendete. Eines der Wandbilder zeigt dasselbe Motiv. In einer Radierung von Theodor Langer für den Sächsischen Kunstverein fand die Komposition 1885 Verbreitung. Dargestellt ist Luther, der mit ausgebreiteten Armen, eine Schreibfeder in der rechten Hand, mit sechs ihn umstehenden Gelehrten diskutiert: Zu sehen sind Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen, Justus Jonas der Ältere, Caspar Cruciger der Ältere, Nikolaus von Amsdorf, Johann Forster, jeder in unterschiedlicher Weise in das Geschehen involviert. Handlungsort ist die Lutherstube in Wittenberg. | Angelika Wesenberg

Schlesische Landwehr bei Waterloo

Schlesische Landwehr bei Waterloo

Noch während seines Studiums an der Düsseldorfer Akademie erhielt Hans Kohlschein den ersten Auftrag für die Ausmalung eines repräsentativen Sitzungssaals. Monumentale Figurenbilder, meist zu Szenen der deutschen Geschichte, stellten seitdem einen Schwerpunkt in seinem Schaffen dar. Der napoleonische Befreiungskrieg beschäftigte ihn mehrfach. Es war ein Thema, das im Zuge des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 an neuer Bedeutung gewonnen hatte. Der Düsseldorfer Maler Arthur Kampf, dem Kohlschein in seiner lockeren Malweise und den eher kantigen Gesichtern künstlerisch nahesteht, hatte in den 1880er Jahren bereits verschiedene Gemälde zu diesem Thema geliefert. Im Jahre 1900, etwa gleichzeitig zur Grundsteinlegung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals, schrieb die Verbindung für historische Kunst einen Wettbewerb zur Förderung des vaterländischen Geschichtsbildes aus. Kohlschein beteiligte sich mit einem Entwurf zur Schlacht bei Katzbach. Er gewann den ersten Preis. Das schließlich 1902 vollendete Bild wurde sodann unter dem Titel »Schlesische Landwehr bei Waterloo« auf der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung in Düsseldorf gezeigt und für die Nationalgalerie angekauft (Inv.-Nr. A III 572). Es sei, so Paul Clemen, »von grosser Kraft und einem hohen künstlerischem Ernst Zeugnis ablegend. Wie eine Sturmwelle flutet die Landwehr, unaufhaltsam vorwärts getrieben, über die niedere Bodenerhebung, aus dem Nebel löst sich die zweite Welle los« (Die Kunst für Alle, 17. Jg., 1902, H. 24, S. 561). In der Tat ist es gerade diese Vorwärtsbewegung der Soldaten, die den Gesamteindruck des Gemäldes nachhaltig bestimmt und hinter der jegliches erzählerische Moment zurücktritt. Selbst das dargestellte Schlachtfeld ist nur angedeutet, bleibt ein ödes, austauschbares Niemandsland, über das sich der mit breitem Pinsel getupfte, trist verhangene Himmel spannt. Kohlscheins Interesse galt denn auch nicht der heldenhaften Schlacht per se, sondern der Psychologie dahinter: In den Gesichtern der Soldaten spiegeln sich Verwegenheit, Entschlossenheit, Resignation, vor allem aber Terror und Entsetzen. Bildthema ist die Dynamik dieser panisch vorwärtsstürmenden Menschenmenge, die, einmal in Bewegung geraten, nicht mehr zu bändigen ist. Als Variation desselben Themas malte Kohlschein zwei Jahre später das Bild »Lützows Freischar vor dem Kampf« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 886), in dem die nun berittene Menschenmenge – auf den Befehl des Angriffs wartend – gerade noch unter Kontrolle ist. In den wilden Augen der tänzelnden Pferde zeigt sich die Anspannung der Infanteristen deutlicher als in den Gesichtern der Männer selbst. Noch ist der Angriffsbefehl nicht erteilt und die Männer verharren in größter Anspannung; in fiebriger, idealistischer Begeisterung blickt der Knabe auf dem Palomino in die Ferne. »Kohlschein verfällt mit seiner Lützowschen Freischar leise ins Uebertriebene«, bemängelte ein Kritiker. »Die vorspringenden Unterkiefer und eckigen Schädel geben den jugendlichen Streitern etwas Verwandtschaftliches, die Silhouette ist lebendig und die naßkalte Winterluft gut getroffen« (Die Kunst für Alle, 19. Jg., 1904, H. 23, S. 548). Kohlscheins Auseinandersetzung mit der Dynamik von Menschenmengen – in der Zeit um 1900 ein virulentes Thema nicht nur in der Sozialkunde und beginnenden Psychologie – verkannte der Kritiker. Eben hierin, in dem genauen Studium der menschlichen Psyche, der Schilderung der Schlacht als einer auch militärisch instrumentalisierten Massenpanik und der damit einhergehenden Entheroisierung der Soldaten, liegt Kohlscheins unerwartet moderner Ansatz. | Regina Freyberger

Albrecht Achill im Kampf um Nürnberg

Albrecht Achill im Kampf um Nürnberg

Das monumentale Historiengemälde »Albrecht Achill im Kampf um Nürnberg« schuf der 30jährige Steffeck im Auftrag des Königs von Preußen. Es zeigt ein pyramidal zugespitztes Gewirr aus Menschen- und Pferdeleibern, mittig den brandenburgischen Markgrafen Albrecht III. Achilles (1414–1486), der im ersten Markgrafenkrieg 1449/50 erfolglos die Reichsstadt Nürnberg zu unterwerfen suchte. Nichtsdestotrotz sieht man den Markgrafen bei Steffeck heldenhaft und glorreich auf stattlichem Schimmel inmitten des Getümmels, die gegnerische Standarte siegreich in der Hand und mit der Streitaxt die feindlichen Krieger abwehrend. Einen historisch belegten Vorgang zeigt das Gemälde nicht: »Es ist eben kein welthistorischer Moment, wohl aber ein solcher, der zu einer individuell dramatischen Durchbildung alle Gelegenheit gab.« Dennoch habe der Künstler, so der Kritiker des »Kunst-Blatts« anläßlich der Berliner Akademieausstellung 1848, dies »vortrefflich empfunden und wiederzugeben gewußt […]; besonders in den Pferden zeigt sich eine verwegene Meisterschaft« (Kunst-Blatt, Beilage zum Morgenblatt für gebildete Stände, 29. Jg., 1848, H. 45, S. 177). Das »kolossale Jugendwerk« Steffecks (Max Liebermann, in: Carl Steffeck, Ausst.-Kat., Berlin 1913, S. 6) begründete den Ruhm des Künstlers. Dennoch wurde es vom preußischen König, für den das Bild entstanden war, nicht angekauft. Steffeck war bei ihm durch seine demokratische Gesinnung während des Revolutionsjahrs 1848 in Ungnade gefallen. Erst 1864 wurde das Werk für die Nationalgalerie erworben. | Regina Freyberger

Die Anbetung der heiligen drei Könige

Die Anbetung der heiligen drei Könige

Geboren in Heide in Dithmarschen studierte Groß ab 1915 in Weimar. Durch den Zusammenschluss der dortigen Hochschule für Bildende Kunst und der Kunstgewerbeschule wurde er 1919 eher zufällig Schüler am Bauhaus, das er denn auch zum Ende des Jahres als federführender Protagonist im „Bauhausstreit“ verließ. Schon während der Studienzeit hatten sich neben Landschaften Kunstwerke mit religiöser Thematik als wesentlicher Schwerpunkt im Schaffen Groß’ ausgebildet. Waren seine grafischen Arbeiten in jenen Jahren expressionistisch geprägt, wich dieser Ausdruck in den Gemälden und auch dem vorliegenden Kirchenfenster einer eher tradierten Bildsprache. Bereits ab 1915 fühlte sich Groß völkischen Ideen verbunden und stand im Austausch mit den Literaten der „Heimatkunstbewegung“. 1930 trat er der NSDAP bei und suchte von da an, sich mit seiner Kunst aktiv in den Dienst der Partei zu stellen. Während einige seiner Werke 1937 als „entartet“ aus den Museen entfernt wurden, machte er auf Verwaltungsebene Karriere als Kreiskulturhauptstellenleiter von Bremen und leitender Angestellter an der dortigen Kunsthochschule. Trotz dieser Ämter und eines in Teilen propagandistischen Œuvre stuften die Alliierten Groß nach 1945 lediglich als „Mitläufer“ ein. Heute wird seine religiöse Kunst vor allem in den USA rezipiert, wohin seine Tochter 1951 ausgewandert war – sie hat sich sehr für die Anerkennung ihres Vaters als „entarteter Künstler“ eingesetzt. | Katharina Wippermann