Logo

Erster Entwurf zum Buchenwald-Denkmal (Dreiergruppe)

Ident. Nr.: B III 279

ObjID: obj:962123

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Fritz Cremer (1906 - 1993),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: 1952
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Erster Entwurf zum Buchenwald-Denkmal (Dreiergruppe)
Translation: First Version of the Model for the Buchenwald Memorial (group of three)
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Berlin
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 70 x 30 x 40 cm
Acquisition
1988 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)

Object Description

Im Dezember 1951 wurde Cremer von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) eingeladen, am Wettbewerb zur Gestaltung eines Mahnmals für die Gedenkstätte am ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar teilzunehmen. Bis die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, wie sie offiziell hieß, im September 1958 eingeweiht wurde, hatte die DDR-Regierung die Leitung des Projekts übernommen und der Bildhauer mehrere Entwürfe vorgelegt. Zwei Güsse des ersten Entwurfs sind im Bestand der Neuen Nationalgalerie: eine Version mit acht stehenden Männern (B I 694) und eine mit einer Dreiergruppe (B III 279). Die Reaktionen auf die Entwürfe fielen nicht nur positiv aus. So wurde beispielsweise bemängelt, die Gesichter der Figuren ähnelten einander zu sehr und stellten keine Individuen dar. Der KZ-Überlebende Karl Röder, der mit Cremer und seiner damaligen Lebensgefährtin Hannah Berger bekannt war, war die Frage auf, inwieweit jemand das Thema bearbeiten könne, der diese Form der Haft nicht am eigenen Leib erlebt hatte (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 787). In der Tat entwarf Cremer keine Figuren, die die Erfahrung selbst, das Leid, zeigen und vermitteln. Selbst seine Bezeichnungen für die Figuren beziehen sich auf ihre Pose oder Kleidung, so zum Beispiel „Mann mit Gewehr“, „Mann mit Baskenmütze“, „Rufender“ und so weiter. Sie stehen fast alle in der gleichen Haltung, mit dem Gewicht auf beiden Füßen und den Körper leicht nach rechts gedreht, als wollten sie gemeinsam in eine Richtung gehen. Der „Schwörende“ in der Mitte hebt die Hand in Erinnerung an den sogenannten Schwur von Buchenwald, den Überlebende des KZs am 19. April 1945 auf dem Appellplatz leisteten. Hier werden weder die unterschiedlichen Gruppen von Inhaftierten thematisiert, wie etwa Kommunisten, Roma und Sinti, jüdische Menschen und politische Häftlinge, noch ihre Erfahrung mit Zwangsarbeit, Hunger, Gewalt und Krankheit. Stattdessen liegt der Fokus auf der Visualisierung des antifaschistischen Kampfes der kommunistischen Häftlinge und der Geschichte von der Selbstbefreiung der Inhaftierten wenige Stunden vor der Befreiung durch US-amerikanische Truppen. Das Denkmal verkörpert also weniger die historische Situation im KZ, der es eigentlich gewidmet ist, als vielmehr eine ideale, kämpferische Haltung gegenüber Deutschlands nationalsozialistischer Vergangenheit, wie sie die DDR propagierte und der Cremer als überzeugter Kommunist entsprach. Die ausgeführte Version mit acht Figuren (B I 694) befindet sich im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Leipzig. | Emily Joyce Evans

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

Additional items from the collections

Selbstporträt

Selbstporträt

Zeitlebens porträtierte sich Händler selbst, wobei er sich immer in seiner Profession darstellte – wenn nicht direkt in seinem Atelier, dann stets mit Attributen, die ihn als Maler ausweisen. In „Selbstporträt“ (1978) verortet sich der Künstler in seinem karg und eng wirkenden Arbeitsraum als Bruststück in Dreiviertelansicht im Mittelpunkt des Bildes – umgeben von Objekten, die auf seine Tätigkeit verweisen: Links im Vordergrund erblickt man die im Anschnitt dargestellte Rückseite einer auf den Keilrahmen gespannten Leinwand, aus der rechten unteren Bildecke hereinkommend zwei aufeinanderliegende Farbkästen mit Tuben auf einem Tisch. An der Wand im Hintergrund hängen drei Bilder, die auf Händlers bevorzugte Genres hindeuten: Links im Hochformat ein weiblicher Akt, rechts ein Stillleben im Querformat, darunter ein Kopfstück. Der Maler selbst scheint der Leinwand vor ihm zugewandt, doch sein Blick geht an ihr vorbei zu den Betrachtenden. Charakteristisch ist nicht nur die vorwiegend auf Grau-, Braun- und Ockertönen basierende Farbpalette, sondern auch der Blick aus dem Bild: Die fortwährende Selbstbefragung, die Händler in seinen Selbstbildnissen anstellt, findet stets im Angesicht seines Gegenübers – seiner Zeit und Zeitgenoss*innen – statt. Dabei ist ein unscheinbares Detail, das auch in Gruppenbildern wiederkehrt, die brennende Lampe, die in diesem Gemälde als Symbol für das Sehen im Sinne von (Selbst-)Erkenntnis steht. | Michaela Mai

Schreitende Frau mit Krug

Schreitende Frau mit Krug

Mit ihrer Hinwendung zu einem naturalistischeren Stil entwickelte Steger auch einen neuen Frauentyp. Dieser ist weniger bewegt und expressiv als ihre früheren Figuren und von einer herben, zeitlosen Schönheit. Ihre kleinformatige „Schreitende Frau mit Krug“ wird von einem durchsichtig wirkenden Tuch in ihrer Nacktheit eher umspielt als verdeckt. Den Kopf hält sie geneigt, im verklärt nach oben gewandten Antlitz sind die Augen geschlossen. Trotz der angedeuteten Schrittbewegung wirkt die Figur statuarisch. Der Blickpunkt liegt auf dem markant modellierten Gesicht und dem Krug, den die Frau auf der rechten Schulter trägt. Krugträgerinnen waren seit der Antike und später vor allem im Klassizismus ein gängiges Bildmotiv und Symbol der Reinheit. Als Bildhauerin hatte sich Steger schon früh und als eine der wenigen Frauen in der Kunstwelt der Weimarer Republik etabliert. An ihr prallte das Vorurteil ab, dass Frauen zu schwach seien, Materialien wie Holz und Stein zu bearbeiten. Sie wurde als Talent gefeiert, welches sich einer geschlechtsspezifischen Zuordnung entziehe und „nur noch der künstlerisch empfindende, erlebende und arbeitende Mensch“ sei (Zwei Bildnerinnen über ihr Schaffen, in: Koralle, 4. Jg. [1936], H. 5, S. 156). Mit burschikosem Kurzhaarschnitt und stets in Männerkleidung auftretend entzog sich Steger auch optisch den herrschenden Normen von Weiblichkeit. Sie trat für die Rechte von Frauen ein, kämpfte 1919 für deren Zulassung an den Kunstakademien und reaktivierte 1927 den Verein der Berliner Künstlerinnen, an dessen Unterrichtsanstalt sie von 1929 bis 1942 die Klasse für Bildhauerei leitete. | Maike Steinkamp

Kleine Liegende (Ruhende)

Kleine Liegende (Ruhende)

Nur knapp findet die junge Frau Platz auf dem Sockel, ein Ellenbogen, das rechte Knie sowie die Zehen des linken Fußes weisen sogar ein Stück darüber hinaus. Das bekannte Motiv der ruhenden Nymphe, die sich den Betrachter:innen in ihrer ungezwungenen Nacktheit verführerisch darbietet, diente dem Bildhauer Lammert hier sicher als Vorbild. Frauenakte stellten insbesondere um 1930 sein bevorzugtes Sujet in Zeichnung und Plastik dar. Mehrere Varianten existieren von diesem Figurentypus aus jenen Jahren, in denen er mit kräftigen, runden und stark vereinfachten Formen experimentierte, die er massiv und grob ausgeführt hat. Seine Lehre hatte der im westfälischen Hagen zur Welt gekommene Künstler als Stuck-, Holz- und Steinbildhauer begonnen. In seiner Geburtsstadt arbeitete er anschließend für kurze Zeit im Atelier des Bildhauers und Grafikers Moissey Kogan. Mithilfe seines Mäzens, des Industriellensohnes Karl Ernst Osthaus, der auch Kogan unterstützte, konnte der mittellose Lammert ab 1911 durch ein Stipendium an der Kunstgewerbeschule in Hamburg bei dem Jugendstilkünstler Richard Luksch studieren. Während jener Zeit verbrachte er ein Jahr bei Kogan in Paris, wo er auch die Künstler Otto Freundlich und Alexander Archipenko kennenlernte. Vor allem die abstrahierte Formensprache Archipenkos klingt gelegentlich in Lammerts Skulpturen an. 1933 musste der Künstler aus Deutschland fliehen. Viele seiner zurückgelassenen Werke wurden während der Aktion „Entartete Kunst“ zerstört, doch manche von ihnen sind heute durch Aufnahmen des Fotografen Albert Renger-Patzsch bekannt, mit dem Lammert befreundet war. | Anja Pawel

Dünen am Wattenmeer

Dünen am Wattenmeer

Während Kaus vor dem Krieg noch figürlich arbeitete (vgl. „Schleppdampferhafen“, 1931, A II 752; „Mecklenburgische Dorfstraße“, 1932, A II 1062), entwickelte der leidenschaftliche Kolorist nach 1945 eine neue Bildsprache zwischen Figuration und Abstraktion. Landschaften, Architekturen und Innenräume löste er in flächige Formen auf. Er selbst beschrieb seinen künstlerischen Ausdruck rückblickend so: „In meiner Weise besteht ja ein Kunstwerk im Wesentlichen darin, dass es nicht ein direktes Abbild gibt, sondern dass es vielmehr eine Versammlung der besonderen Empfindung ist, hineingebaut durch eine echte Gliederung von Formen und Farbe.“ (zit. nach Max Kaus – Erich Heckel. Eine Künstlerfreundschaft, Ausst.-Kat. Brücke Museum, Berlin, 2015, S. 23f.) Das vorliegende Werk gehört zu einer Reihe abstrahierender Landschaftsgemälde, die auf Reisen des Künstlers an die Nordsee entstanden. Jedoch lassen sie ihr Motiv – in diesem Fall eine Dünenlandschaft auf Amrum – weiterhin erkennen. Die Gemälde, die Kaus letztlich im Atelier ausführte, fußen auf zahlreichen Skizzen, die er während seiner Tage an der See angefertigt hatte. Verschiedene grüngelbe sowie dunkel- und hellviolette Farbflächen dominieren das Gemälde. Ornamental ineinandergreifend, verleihen sie ihm einen expressiven Charakter. Die sich auftürmenden Dünen im Bildvordergrund stehen im Kontrast zu der glatten, überwiegend in hellen Pastelltönen gehaltenen, ruhigen Wasserfläche und des Himmels im Bildhintergrund, wobei beide durch Spiegelungen und Lichtreflexe eng miteinander in Beziehung stehen. | Lisa Hackmann