Logo

Drei Elemente

Ident. Nr.: FNG 12/81

ObjID: obj:962369

Credit: Schenkung Günter Schlien an die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (expert)

Creator/Entity
István Nádler (1938 -),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: 1979-1981
Systematics/Type
Additional titles
Drei Elemente
Original title: Három forma
Translation: Three Forms
Material / Technique
Eisen
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 285 x 320 x 420 cm
Acquisition
1981 Schenkung Günter Schlien an die Freunde der Nationalgalerie

Object Description

Zwischen 1976 und 1977 begann der von der Malerei kommende Nádler, auch im Medium der Skulptur zu arbeiten. Die von 1979 bis 1981 geschaffene, dreiteilige Eisenskulptur „Drei Elemente“, die noch im Jahr ihrer Fertigstellung durch die Freunde der Nationalgalerie erworben wurde, gilt als eines von Nádlers skulpturalen Hauptwerken und war einige Jahre im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie aufgestellt. Das zuvor in der Malerei ausgearbeitete Prinzip der räumlichen Faltung übertrug Nádler hier in die reale Dreidimensionalität. Drei leicht versetzt ineinandergeschobene Elemente mit Zuspitzungen oben und unten fächern sich rhythmisch gestaffelt in größer werdender Öffnung von vorn nach hinten auf. Trotz des massiven Materials vermittelt die Arbeit den Anschein von Leichtigkeit, indem sich die nur zur Hälfte schwer am Boden liegenden Platten in dreifacher Stufung Richtung Himmel strecken, wodurch sie an Flügel erinnern. Gleichzeitig schneidet sich die schwarz lackierte Skulptur mit ihrer scharfen, dreieckigen Umrissform klar in die Umgebung ein. Dem westdeutschen Publikum war Nádler bereits seit Ende der 1960er-Jahre bekannt. 1968 hatte er, zusammen mit seinem ungarischen Künstlerkollegen Imre Bak, seine erste Einzelausstellung in der Galerie Müller in Stuttgart. Weitere Ausstellungen in Deutschland folgten, darunter eine 1974 von dem Kurator und späteren Nationalgalerie-Direktor Dieter Honisch ausgerichtete Werkschau im Museum Folkwang in Essen. | Irina Hiebert Grun

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

Additional items from the collections

Roter Turm

Roter Turm

Lattner, der 1896 in Anklam geboren worden war, beendete, nach traumatisierenden Kriegserlebnissen, seine Ausbildung als Meisterschüler des Bildhauers Richard Luksch an der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Um 1920 kehrte er nach Anklam zurück und betätigte sich fortan vorwiegend als Maler. 1926 wurde er trotz seiner modernen Kunstauffassung in den Vorstand des eher konservativen Pommerschen Künstlerbundes gewählt. Vielfach dienten Lattner die Kirchen und das Panorama der Stadt Anklam sowie das Ufer der Peene mit den Schiffen und Segelbooten als Anregung zu seinen Bildern. In den oft geometrisch-überscharfen Formen der wiedergegebenen Motive scheint der Einfluss seines Lehrers fortzuwirken. Im Mittelpunkt dieses Gemäldes steht der mächtige, hier betont backsteinrote Westturm der Anklamer Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert. Das mächtige Bauwerk, vom Stolz und Reichtum der Hansestadt zeugend, wurde seit dem 18. Jahrhundert von einem hohen Spitzhelm bekrönt. Nach der Zerstörung 1943 ist er heute durch ein schlichtes Satteldach ersetzt. Zum unteren Teil des gemalten Turms leiten die spitzwinkligen Giebel zweier Bürgerhäuser hin. Doch der Blick wird nicht in die Raumtiefe, sondern steil in die Höhe gelenkt. Der unten die gesamte Breite des Bildes einnehmende Turm verjüngt sich perspektivisch stark, dennoch findet die Turmspitze auf dem Bilde nicht mehr Platz, Formen und Farben sind stark vereinfacht. Lattner zeigt das schwindelerregend hohe Denkmal menschlichen Könnens in klaren Formen, gleich einer riesigen Skulptur. | Angelika Wesenberg

Gliederpuppe

Gliederpuppe

Die dargestellte Gliederpuppe gehörte zur Ausstattung von Lachnits Atelier in der Dresdner Akademie, wie ein Foto von 1948 belegt. Hier zeigt er die Puppe in Angriffshaltung, mit lauerndem Blick und gestikulierenden Händen in weißen Handschuhen, an einem auffällig kahl wirkenden Tischende. Das angesprochene Gegenüber sieht man nicht, doch ist es über das aufgeschlagene Buch, durch Apfel, Flasche und Tasse, das drapierte Tischtuch in warmen Farben als aufgeschlossen und lebensvoll charakterisiert. Lachnit wie auch seine Kollegen sahen 1948 die künstlerische Lehre an der Akademie bedroht. Das Direktorenamt ging von dem erkrankten Hans Grundig an den Architekten Mart Stam über, welcher strukturelle Veränderungen vorsah. Bald auch wurde öffentlich am Beispiel Lachnits der „Formalismus“ in der bildenden Kunst angeklagt. Mit der Gliederpuppe als Agitator, unpersönlich und automatenhaft kommunizierend, fand Lachnit eine Symbolfigur für die erneuten Bedrängnisse des künstlerischen Schaffens, Kunst und Politik waren wiederum in Konflikt geraten. Er bereitete das Bild mit zahlreichen Kohle- und Aquarellzeichnungen vor, stellte darin die Gliederpuppe unterschiedlich drapiert und in verschiedenen Positionen, allein oder in einer Gruppe dar, bis er sie in dem Gemälde endlich bildbestimmend vor die leere Wandfläche setzte: Das Objekt erscheint nun als bedrohliches Subjekt, die ursprünglich Hilfskonstruktion einer Puppe hat sich als Apparatschik verselbstständigt. | Angelika Wesenberg

Fabeltier ("Horchtier")

Fabeltier ("Horchtier")

Für den Kühler eines Automobils entwarf Belling die Figur eines kleinen Tieres mit spitzer Schnauze, großen Ohren und Kugelaugen. Nicht allein aus finanziellen Erwägungen arbeitete er für die Industrie, sondern auch aus dem interdisziplinären, auf die Produktion bezogenen Ansatz des Arbeitsrates für Kunst und der Novembergruppe. Hinzu kam die zeittypische Begeisterung für Bewegung und Dynamik. Insbesondere die zunehmende Automobilisierung wurde zu einem Charakteristikum der modernen Großstadt. Für die 1921 eingeweihte Berliner Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße (AVUS) hatte Belling mit dem Architekten Wassili Luckhardt Reklamefiguren gestaltet. 1923 entwickelte er mit den Architekten Alfred Gellhorn und Martin Knauthe das Modell einer Tankstelle, und im selben Jahr entstand das „Fabel-“ oder „Horchtier“ für die Zwickauer Horchwerke AG. Der Firmengründer, August Horch, hatte bereits das Unternehmen Audi (lateinisch für „horch!, höre!“) initiiert, mit dem Horch später fusionieren sollte. Um dem Namen „Horch“ bildhaften Ausdruck zu verleihen, vergrößerte Belling ein Ohr der Tierfigur und drehte deren Kopf lauschend zur Seite. Dies war alles andere als aerodynamisch, aber auch andere Kühlerfiguren wie der 1906 etablierte Löwe bei Peugeot dienten eher repräsentativen Zwecken. Ohren und Schwanz des Tierchens lassen zudem an die Südschleife sowie die Steilkurve im Norden der AVUS denken. Bereits die ersten Prototypen der auf einem kreisrunden Schraubaufsatz befestigten Figur wurden gestohlen, eine Serienfertigung kam nicht zustande. | Dieter Scholz

Denkmal für einen spanischen Kommunisten

Denkmal für einen spanischen Kommunisten

Im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 kämpften Sozialisten und Kommunisten für die gewählte republikanische Regierung gegen die im Lager des Putschisten Francisco Franco zusammengeschlossenen Rechten, Faschisten und Konservativen. Die Erinnerung an die Niederlage der Republikaner und die Ehrung der Kämpfer wurde in der DDR ab den 1960er-Jahren vermehrt gepflegt. Der Krieg wurde in Kino- und Fernsehfilmen thematisiert, und deutsche Interbrigadisten wurden für ihren Einsatz an der Seite der spanischen Republikaner geehrt. Vor diesem Hintergrund war es naheliegend, dass Alvermanns „Denkmal für einen spanischen Kommunisten“ in seiner Einzelausstellung 1979 in der DDR gezeigt wurde. Auf einem Damenschreibtisch mit Schublade ist eine menschengroße Puppe wie eine Leiche mit einem Tuch bedeckt aufgebahrt, die Beine ragen über die Tischkante hinaus. Es wäre eine ernsthafte Verkörperung der Opfer, stünde auf dem Tuch nicht das römisch-katholische Dogma „EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS“: „Außerhalb der Kirche kein Heil“. Nach seinem Tod wird der Kommunist von der Kirche eingeholt und für die eigene Sache reklamiert. Alvermanns Werk reflektiert gewissermaßen die damalige Lage in Spanien, wo unter dem Franco-Regime die katholische Kirche das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben dominierte. Als einzige der 13 auf der Einzelausstellung gezeigten Assemblagen Alvermanns wurde dieses „Denkmal“ im Jahr 1982 erneut ausgestellt. | Emily Joyce Evans