Logo

Finis Poloniae. Abschied der Polen von ihrem Vaterlande 1831

Ident. Nr.: W.S. 153

ObjID: obj:963070

Details (expert)

Creator/Entity
Dietrich Monten (1799 - 1843),
Maler*in
Date(s)
1832
Provenance
Sammlung Buchholz, Lübeck,
- Juni 1845
Kauf: Joachim Heinrich Wilhelm Wagener, Berlin,
Juni 1845 - 18.1.1861
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Höhe x Breite: 44,2 x 52,5 cm
Acquisition
1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie

Object Description

Als Tadeusz Kościuszko (1746–1817), der Anführer des polnischen Aufstandes von 1793/94, nach der Niederlage bei Maciejowice gefangen genommen wurde, soll er »Finis Poloniae!« ausgerufen haben. Diese Worte wurden nach der Niederschlagung eines im November 1830 in Warschau ausgebrochenen, neuen nationalen Aufstandes durch russische Truppen erneut zitiert. Im September 1831 mußten der revolutionäre Sejm und die Truppen der Nationalregierung das Land verlassen: Sie gingen teils nach (Ost-)Preußen, teils in das österreichische Galizien. Viele zogen durch Deutschland, um nach Frankreich zu emigrieren. In ganz Europa wurde dieses Geschehen mit größter Teilnahme verfolgt. Demokratische Kreise gründeten ›Polenvereine‹, die praktische Hilfe für die Flüchtlinge organisierten. Die Literatur nahm sich des Themas an (Holtei, Laube, Grabbe, Gaudy), und ›Polenlieder‹ wurden noch jahrzehntelang von Wandermusikanten vorgetragen.
An einem Grenzstein mit der Inschrift »Finis Poloniae« hat Dietrich Monten trauernde polnische Offiziere mit ihrer zerrissenen Fahne an der Grenze zu Preußen aufgestellt. Der Reiter in der Bildmitte trägt wohl die Züge des 1813 beim Rückzug napoleonischer Truppen ertrunkenen Fürsten Józef Antoni Poniatowski, einer Symbolfigur der nationalen polnischen Identität. Die Komposition ergänzt die kleine Gruppe sentimental geprägter politischer Tendenzbilder, die der Sammler Joachim Heinrich Wilhelm Wagener zu Anfang der 1830er Jahre erworben hatte. Trotz seines kleinen Formats ist das Werk vom outrierten Pathos eines romantischen Historienbildes erfüllt, zugleich verleugnet es nicht das Interesse des Malers an Uniformdetails und genrehaften Motiven. Das Bild machte starken Eindruck, und Monten schuf mindestens eine Wiederholung, die möglicherweise identisch ist mit einem auf Zinkblech gemalten Exemplar (1977 in Berliner Privatbesitz). Eine unvollendete Ölskizze Montens befindet sich in der Sammlung Reinhart Fischer, Kempten. Weiter sind eine Aquarellkopie (Deutsches Historisches Museum, Berlin) und eine lithographische Wiedergabe von Friedrich Hohe bekannt. | Claude Keisch

Last updated: 19.08.2026

Contact

Institution:

Alte Nationalgalerie

Email:

n/a

Additional items from the collections

Sockel der Prinzessinnengruppe

Sockel der Prinzessinnengruppe

Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE Der Sockel zum Gipsmodell der Prinzessinnengruppe (Inv.-Nr. B I 76) mit seiner Marmor imitierenden Bemalung ist bis auf die beiden Inschrifttafeln dunkel gehalten und greift die Wirkung des Marmorsockels (siehe Inv.-Nr. B II 34) auf. Er wurde 1912 vom damals noch im Schloss aufgestellten Marmor der Prinzessinnengruppe abgegossen und für die Präsentation des Originalgipsmodells in der Nationalgalerie genutzt. Dieser Sockel erlitt einige gravierende mechanische Beschädigungen und wies deutliche Alterungsspuren auf, so etwa im Bereich der Rosen, die über innenliegenden Drahtschlaufen anmodelliert wurden, die sich aufgrund von Korrosion auf der Oberfläche abzeichnen, sowie hinsichtlich der Farbfassung. Er konnte 2022 restauriert werden und trägt nun wieder das Originalgipsmodell des Doppelstandbilds Luise und Friederike von Preußen. Die Inschriften sind in den weichen Gipsgrund geritzt und bezeichnen die beiden Dargestellten " Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:8.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:107%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:"Calibri",sans-serif; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin; mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; mso-bidi-theme-font:minor-bidi; mso-fareast-language:EN-US;} LOVISA CONIUX/PRINCIP. HERED/REGN. BORUSS." (Luise, Ehefrau des erblichen Herrschers des Königshauses Preußen) sowie "FRIEDERICA/CONIUX LUDOV./REG. BORUSS. FILI" (Friederike, Ehefrau des Königssohnes Ludwig)  | Yvette Deseyve, Bernhard Maaz

SS. Giovanni e Paolo in Venedig

SS. Giovanni e Paolo in Venedig

Der 1807 in Erfurt geborene Friedrich Nerly wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters ab 1815 beim Bruder seiner Mutter in Hamburg auf. Der Onkel erkannte Nerlys künstlerische Begabung und förderte ihn. Er wurde Lehrling in der lithographischen Werkstatt von Heinrich Joachim Herterich und Johann Michael Speckter. Dort lernte der junge Nerly den Mäzen Freiherr Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) kennen. Die Begegnung mit dem weitgereisten und bestvernetzten Kunsthistoriker, Kunstpädagogen und Amateurkünstler wurde für Nerly prägend. Rumohr nahm ab 1823 den 16-Jährigen zur weiteren Ausbildung bei sich auf Gut Rothenhausen bei Lübeck auf.1827 begleitete Nerly seinen Mentor auf einer Reise durch Deutschland, u.a. nach Dresden und München. In Weimar besuchten sie Goethe. Im Frühjahr ging es nach Italien. Da Rumohr nach Deutschland zurückkehren musste, traf Nerly im Dezember 1828 ohne seinen Mäzen in Rom ein. Von dort aus bereiste der Maler in den nachfolgenden Jahren verschiedene Regionen Italiens. Der mit dem Namen „Nehrlich“ geborene Künstler nannte sich fortan „Nerly“. 1837 besuchte Nerly Venedig. Die Stadt am Meer mit ihren großartigen Bauwerken, den alten Palästen, Kirchen und Plätzen, mit ihren zahlreichen Brücken und Kanälen, muss ihn fasziniert haben. Im Januar 1838 bezog Nerly eine Wohnung im Palazzo Pisani am Campo San Stefano, wo er über vierzig Jahre wohnen, arbeiten und Gäste empfangen sollte. Er spezialisierte sich erfolgreich auf venezianische Stadtansichten. Die Ansicht der „Piazzetta in Venedig bei Mondschein“ wurde sein berühmtestes und am meisten nachgefragtes Werk. Nerly porträtierte nicht nur bekannte Gebäude und Plätze, als einer der ersten malte er die Lagune, den noch unerschlossenen Lido und viele unscheinbare Winkel Venedigs. Er wurde der prominenteste in Venedig ansässige ausländische Maler. In den Reisehandbüchern wurde Nerlys Atelierwohnung als Anlaufstelle für Kunstinteressierte empfohlen. Nerly erfand nicht nur ein neues Bild der Lagunenstadt, sondern begründete auch die venezianische Freilichtmalerei. In dem großformatigen, repräsentativen Gemälde hat der Maler eine Ansicht der Kirche SS. Giovanni e Paolo ins Zentrum gerückt (auch San Zanipolo genannt). Der knapp 100 Meter lange Bau zählt zu den größten und bedeutendsten Gebäuden der Venezianischen Gotik. Er wurde die Grablege der Dogen. Links neben der Kirche ist die prächtige Fassade der um 1500 errichteten Scuola di San Marco dargestellt. Rechts auf dem Platz vor den Gebäuden steht auf einem hohen vom Sonnenlicht beschienenen Sockel das bronzene Reiterdenkmal des Condottiere Bartolomeo Colleoni von Andrea del Verrocchio. Nerly hat die Ansicht vom Wasser aus aufgenommen. Auf dem Kanal sind Händler mit Schiffen und Booten unterwegs, an der Ufermauer liegen Gondeln. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben, mehrere Besucher strömen zum Eingang der Kirche. Nerly hat die reich verzierten Fassaden der historischen Bauten im Wechsel von Licht und Schatten subtil erfasst. Unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel entfalten sich Pracht und Würde der geschichtsträchtigen Gebäude Venedigs.1850 war das Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen, mit dem Hinweis im Katalog: „Im Besitz Sr. Maj. des Königs“ (Kat. 1249). Ein Jahr zuvor, im Jahr der Vollendung 1849, hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk erworben. Wohl in Erinnerung an seine Venedigaufenthalte war von ihm das Bild beim Maler bestellt worden. 1876 wurde das Gemälde anlässlich der Eröffnung der Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus der kaiserlich-königlichen Sammlung an das Museum überwiesen (Vgl. NG-Kat. 1876, S. 148).Eine Vorzeichnung befindet sich im Metropolitan Museum New York (SS. Giovanni e Paolo in Venedig mit dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni von Verrocchio, Bleistift, 37,7 x 46,3 cm, Inv.-Nr. 2008.198, Metropolitan Museum New York). Eine Teilansicht in Aquarell wird im Angermuseum Erfurt bewahrt (1849, Aquarell, 74,7 x 55,1, cm, Angermuseum Erfurt, Inv.-Nr. 3028).| Birgit Verwiebe

Totenmaske Adolph Menzel

Totenmaske Adolph Menzel

Adolph Menzel (1815–1905) gilt als bedeutendster und vielseitigster Vertreter des Realismus in der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts. Die markante Physiognomie des schon zu Lebzeiten hochgeehrten, in Berlin lebenden Künstlers war stadtbekannt, unter anderem durch die vielgelobte Bildnisbüste, die der mit Menzel befreundete Begas anlässlich von dessen 60. Geburtstag 1875 geschaffen hatte und die im folgenden Jahr von der Nationalgalerie erworben worden war (B I 19). Dass gerade der kleinwüchsige Menzel zu den meistfotografierten und -porträtierten Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit gehörte, lag nicht zuletzt an ihm selbst, denn der für seine Eitelkeit bekannte Maler kultivierte und ironisierte sein Image bereitwillig. Als er im Alter von fast neunzig Jahren am Morgen des 9. Februar 1905 starb, war es wiederum der langjährige Freund und Künstlerkollege, der noch am selben Tag die Totenmaske abnahm. Aus der Versteigerung von Begas’ Nachlass im Berliner Auktionshaus Heilbron gelangten Abgüsse von Totenmaske und Händen (B II 383 a) 1912 in die Nationalgalerie. Die Erwerbung entsprach der immensen Wertschätzung Menzels, der schon damals mit zahlreichen Zeichnungen und Gemälden in der Sammlung vertreten war. Laut Versteigerungskatalog existierten von der Maske mehrere Reproduktionen in Gips. Weitere Exemplare haben sich in der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin erhalten, die noch heute Abgüsse herstellt. | Wolfgang Cortjaens

Herkules mit dem Eber

Herkules mit dem Eber

Nach der Mythologie handelt es sich um die vierte der "Zwölf Arbeiten" des Herkules: den wilden Eber vom Berge Erymanthos in Arkadien zu bändigen, der bei Psophis die Lande verwüstete. Nachdem er den Eber aufgestört, gehetzt und besiegt hatte, lud er ihn auf seine Schultern und trug ihn nach Mykene. - Diese Statuette gehört zu einer kleinen Werkgruppe, in der Tuaillon von seinem Bekenntnis zu klarer Statuarik, ruhiger Form und unliterarischen Sujets abrückt. Malerische Tendenzen gewinnen hier Oberhand, die Modellierung ist aufgelockert: Tuaillon entfernt sich von den strengen Normen der Marées- und Hildebrand-Schule. - Der Plan für eine großformatige Ausführung dieser Gruppe entstand, als Tuaillon im Jahre 1900 im Rahmen eines beschränkten Wettbewerbes zu einem Entwurf für eine lebensgroße Marmorstatue, die im Foyer der Nationalgalerie auf einem Treppenpodest aufgestellt werden sollte, aufgefordert war. Dieser Auftrag wurde noch viele Jahre hindurch diskutiert, blieb allerdings schließlich unausgeführt. Für die Marmorausführung ließ Tuaillon sich 1904/05 das eingereichte kleinformatige Gipsmodell zurückschicken. Im Jahre 1907 und nahezu gleichlautend noch 1913 plante er, ein ganz neues Modell zu beginnen, doch alles verzögerte sich - nicht zuletzt, weil Staatsaufträge (wie etwa für Köln) seine Kapazität vollauf banden. - Das Sujet mit imperialistischen Gesinnungen im Deutschland vor dem ersten Weltkrieg in Verbindung zu bringen, scheint gewagt (Ulferts 1993, S. 77). In erster Linie sollte man Tuaillons Entwurf als Antwort auf das bereits vorhandene, erheblich ältere Pendant verstehen, Albert Wolffs "Dionysos mit Panther" von 1884 (Marmor, kriegszerstört); sein Konzept hätte in freier Anlehnung an Nietzsches Auffassungen das Feierlich-Dionysische gesteigert zur vitalen Metapher des siegreichen Lebenskampfes schlechthin. - Das Modell wird in die Jahre 1899/1900 datiert. Der 1901 in Rom entstandene Erstguß von 1901 befindet sich als Leihgabe in der Kunsthalle Bremen. Der vorliegende Guß könnte ebenfalls 1901 erfolgt sein (in diesem Jahr lag der Nationalgalerie ein kleinformatiges Gipsmodell vor), vielleicht aber auch später. Weitere Bronzegüsse folgten in unbekannter Auflagenhöhe (Wallraf-Richartz-Museum, Köln; Propyläen-Kunsthandlung, Berlin). Eine Großfassung entstand um 1910 für den Garten Guthmann in Neu-Kladow, wurde später (wohl in den dreißiger Jahren auf Betreiben der Tochter des Künstlers) in Bronze gegossen und 1962 auf dem Lützowplatz in Berlin-Tiergarten aufgestellt; sie weicht in Details von der Statuette ab. Ferner produzierte die Meißner Porzellan-Manufaktur Ausformungen in Porzellan (ab 1923 nachweisbar; ein Exemplar im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück, Höhe 40,5 cm). | Bernhard Maaz