Logo

Die Werbung

Ident. Nr.: A III 780

ObjID: obj:964849

Details (expert)

Creator/Entity
Hans von Marées (1837 - 1887),
Maler*in
Date(s)
1885/1887
Provenance
Nachlaß Marées,
371133
Conrad Fiedler, München,
nach 1887 - 13.6.1895
Nachlass/Vermächtnis: Mary Fiedler(-Levi-Balling), München/Partenkirchen,
13.6.1895 - 7.7.1902 (Vorlaßvertrag mit dem preußischen Staat)/10.3.1919
Dimensions
Höhe x Breite: 92,5 x 92,5 cm
Acquisition
1902 Vorlaß der Mary Levi (spätere Balling), München und Partenkirchen, aus der Sammlung ihres verstorbenen Ehemanns Conrad Fiedler; 1919 endgültige Übergabe nach dem Tod der Stifterin

Object Description

Das letzte seiner Triptychen, »Die Werbung« (Neue Pinakothek, München), begann Marées 1883; es beschäftigte ihn bis zu seinem Tode. Marées stellt die Protagonisten des Mittelbildes vor eine bühnenhafte, mehr allgemein klassische als konkret griechische Säulenhalle, wodurch immerhin ›Kultur‹ – anstelle der sonst meist erstrebten Zeitlosigkeit – anklingt. Eine mögliche literarische Anregung hat Meier-Graefe festgehalten: »Als Hildebrand nach dem Tode Marées’ das Atelier in Rom betrat, fand er vor dem Bild einen Band Shakespeare liegen, und es war die Stelle im ersten Akt aufgeschlagen, wo der Dichter des Malers Bild lobt« (J. Meier-Graefe, Hans von Marées, Bd. 2, München 1910, S. 565, Nr. 916)
Der Pastelltechnik hat sich Marées selten bedient; dem Berliner Bild verwandt, doch flüchtiger ausgeführt, sind die »Singenden Mädchen« (Neue Pinakothek, München). Während Meier-Graefe das Pastell »Die Werbung« zu den Entwürfen zählte, erblickte Eberhard Ruhmer 1987 in ihm eine Wiederholung der Mitteltafel: dafür spricht, daß Höhe und Breite des Vorbildes genau halbiert seien, was eine Übertragung mit Hilfe eines Quadratnetzes erleichtert, vor allem aber das Fehlen bewußter Abweichungen, wie sie die ganze Entstehung des großen Bildes begleiteten (vgl. Hans von Marées, Ausst.-Kat., München 1987, S. 312). | Claude Keisch

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Alte Nationalgalerie

Email:

n/a

Additional items from the collections

Porträt Johann Georg Sulzer

Porträt Johann Georg Sulzer

Im Auftrag des Leipziger Verlegers Philipp Erasmus Reich reiste Anton Graff 1771 nach Berlin, um für dessen Freundschaftsgalerie Moses Mendelssohn, Karl Wilhelm Ramler, Johann Joachim Spalding und Johann Georg Sulzer zu porträtieren. Im Hause des wie Graff aus Winterthur stammenden, von Friedrich dem Großen nach Berlin berufenen Philosophen Sulzer begegnete der Maler dessen ältester Tochter und heiratete sie noch im selben Jahr. Sulzer hatte bereits mehrere pädagogische Schriften verfaßt und arbeitete zu dieser Zeit an seinem Hauptwerk »Allgemeine Theorie der schönen Künste«, (1771/1774), der ersten deutschsprachigen Enzyklopädie zur Ästhetik und Kunst. Darin sprach er dem Porträt einen hohen Rang zu und würdigte Graff als herausragenden Meister seines Faches. Graffs Beziehung zu Sulzer war eng und freundschaftlich, er schuf vom Schwiegervater mehr als zwanzig Bildnisse, darunter jenes für die Reich-Galerie, ein repräsentatives Porträt für die Stadt Winterthur (Museum Oskar Reinhart, Winterthur), ein beeindruckendes privates Profilbildnis, das Graff 1782 der Halberstädter Freundschaftsgalerie des Dichters Gleim übergab (Gleimhaus Halberstadt), sowie 1777, zwei Jahre vor Sulzers Tod, ein Bildnis mit dem Enkel Carl Anton (Museen der Stadt Aschaffenburg). Im gleichen Jahr entstand diese Teilreplik, die Sulzer mit Perücke im Hausrock – ohne Enkel – zeigt. Sie wurde von der Nationalgalerie aus dem Besitz der Nachkommen Sulzers erworben. Eine präzise Vorzeichnung befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig. | Birgit Verwiebe

Im Etappenquartier vor Paris

Im Etappenquartier vor Paris

Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg