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Schreitender

Ident. Nr.: B 35

ObjID: obj:964895

n/a

Details (expert)

Involved
Ernesto de Fiori (1884 - 1945),
Künstler*in
Dating
1921 (Guss vor 1936)
Additional titles
Collection title: Schreitender
Translation: Striding Figure
Geographical references
Provenance
Alfred Jonas (Steingieserei Jonas),
vor 1936 (Gussdatum) - 1949
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1949–1968
Material / Technique
Zement
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 170 x 43 x 77 cm

Object Description

Dass de Fioris „Schreitender“ erhalten blieb und den Krieg unbeschadet überstanden hat, ist seinem Hersteller zu verdanken, dem Berliner Steingießer Alfred Jonas. Er hatte die Plastik im Auftrag des Künstlers für ein Berliner Theater angefertigt, das sie aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aber nicht bezahlen konnte. Möglicherweise handelte es sich um das Deutsche Theater, das Anfang der 1930er-Jahre Konkurs anmelden musste. Als de Fiori 1936 Deutschland in Richtung Brasilien verließ, stand die Figur noch immer in der Steingießerei. Jonas erfuhr 1947 vom Tod des Bildhauers. Seine Nachfrage bei dessen Bruder, was mit der Plastik nun geschehen solle, blieb unbeantwortet, sodass er sie schließlich an den Berliner Magistrat abgab. Für Materialkosten, jahrelange Aufbewahrung und bombensichere Unterbringung stellte er 1.000 DM in Rechnung (vgl. die Korrespondenz zwischen Jonas und Adolf Jannasch, Landesarchiv Berlin, B Rep. 014-1445). Die Plastik gehört zu einer Serie schreitender Figuren, die de Fiori zu Beginn der 1920er-Jahre entworfen hatte und in unterschiedlichen Materialen ausführen ließ. Wie viele Zeitgenossen experimentierte er neben Holz und Gips unter anderem mit Zement, der gegenüber der vom Kunstmarkt favorisierten Bronze erheblich günstiger zu erhalten war. Direktor Adolf Jannasch erwarb die auch als „Rekrut“ bezeichnete Figur 1949 im Auftrag des Magistrats für die in West-Berlin neu gegründete „Galerie des 20. Jahrhunderts“, deren Sammlung sich heute zu großen Teilen in der Nationalgalerie befindet. | Sven Haase

Last updated: 19.12.2025

Contact

Institution:

Neue Nationalgalerie

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Zwei junge Frauen in Rot und Weiß (Reinhardt-Fries)

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Durch den Berliner Theaterdirektor Max Reinhardt erhielt Munch 1906 den Auftrag zu einem Bilderfries für einen Saal im Obergeschoss der Kammerspiele. Es entstanden zwölf Gemälde, von denen neun heute zur Sammlung der Nationalgalerie gehören. Die anderen befinden sich im Essener Museum Folkwang, in der Hamburger Kunsthalle und in Osloer Privatbesitz. Ursprünglich waren die Werke unmittelbar unter der 4,70 Meter hohen Decke angebracht und bis 1912 dort zu sehen. Der Saal wurde mit einem Fest zu Silvester 1907 eingeweiht. Zwei Tage zuvor hatte Munch den fertigen Fries seinem Malerkollegen Emil Nolde sowie dem Hamburger Richter und Kunstsammler Gustav Schiefler gezeigt. Letzterer notierte am 29. Dezember 1907 in sein Tagebuch: „Munch deutete uns die Bilder: Es sind die alltäglichen Erlebnisse aus dem Landleben der norwegischen Küstenbewohner, die Mädchen versammeln sich am Strande und unterhalten sich, bis die jungen Burschen aus der Nachbarschaft in Bo[o]ten herangerudert kommen. Dann vereinigen sie sich zu Gesellschaftsspiel und Tanz. Endlich fahren sie wieder fort. Die Mädchen zerstreuen sich, aber eine sitzt in tiefer Schwermut versunken in einem roten Kleide am Strande“ (Edvard Munch und Gustav Schiefler, Briefwechsel, Band 1: 1902–1914, Hamburg 1987, S. 266, Nr. 368). Da die Gemälde für eine hohe Hängung konzipiert waren, verzichtete Munch auf detaillierte Binnenzeichnungen. Um den Eindruck einer Wandmalerei zu erzeugen, benutzte er spröde, kalkhaltige Kaseintempera und grobe, ungrundierte Leinwände, welche die Farbe stark aufsaugten. Raue Untergrundstruktur und matte Farbigkeit ergeben die Anmutung alter Fresken. Als Ort der Handlung wählte Munch den Åsgårdstrand, wo er ein Sommerhaus mit Blick auf den Oslofjord besaß. | Dieter Scholz

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Stillleben mit grüner Kanne

Stillleben mit grüner Kanne

Als Sohn deutscher Eltern wurde Léonell Charles Feininger, der sich später Lyonel nennen sollte, 1871 in New York geboren. Mit 16 Jahren kam er nach Deutschland und ließ sich in Berlin an der Königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste zum Zeichner ausbilden. Als Karikaturist arbeitete er für verschiedene deutsche und US-amerikanische Zeitungen und Zeitschriften. Erst im April 1907 entstanden die ersten Ölgemälde. Feininger und seine Frau Julia lebten damals in Paris und verkehrten im Künstlerkreis des Café du Dôme. Ganz in der Nähe, am Boulevard Raspail 242, hatten sie ein Atelier gemietet, dort fanden Feiningers erste Malversuche mit breiten Pinselstrichen auf kleinformatigen Malpappen statt. Das „Stillleben mit grüner Kanne“ ist rückseitig auf den 20. Dezember 1907 datiert. Es zeigt eine Messingkanne auf einem Papierstapel, ein Blatt ragt unten auf der dunkelblauen Tischplatte hervor, andere fächern sich hinter der Kanne vor einer Fläche in hellerem Blau empor. Dass es sich dabei um das blaue Tuch eines Wandbehangs handelt, zeigt ein gleichzeitig entstandenes Interieur („Stillleben“, 1907; Privatbesitz). Im Gegensatz zu einer dunkeltonigen Fassung des Motivs vom April 1907 („Stillleben“; Privatbesitz), zeichnet sich das Gemälde der Nationalgalerie durch leuchtende Blau-, Grün-, Gelb- und Weißtöne sowie effektvolle Lichtreflexe aus. Die im Bogen angeordneten Blätter nehmen die Form des Henkels der Kanne auf und umgeben den ruhenden Gegenstand dynamisch. | Dieter Scholz

Bäume am Meer (Reinhardt-Fries)

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Frauen bei der Obsternte (Reinhardt-Fries)

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Durch den Berliner Theaterdirektor Max Reinhardt erhielt Munch 1906 den Auftrag zu einem Bilderfries für einen Saal im Obergeschoss der Kammerspiele. Es entstanden zwölf Gemälde, von denen neun heute zur Sammlung der Nationalgalerie gehören. Die anderen befinden sich im Essener Museum Folkwang, in der Hamburger Kunsthalle und in Osloer Privatbesitz. Ursprünglich waren die Werke unmittelbar unter der 4,70 Meter hohen Decke angebracht und bis 1912 dort zu sehen. Der Saal wurde mit einem Fest zu Silvester 1907 eingeweiht. Zwei Tage zuvor hatte Munch den fertigen Fries seinem Malerkollegen Emil Nolde sowie dem Hamburger Richter und Kunstsammler Gustav Schiefler gezeigt. Letzterer notierte am 29. Dezember 1907 in sein Tagebuch: „Munch deutete uns die Bilder: Es sind die alltäglichen Erlebnisse aus dem Landleben der norwegischen Küstenbewohner, die Mädchen versammeln sich am Strande und unterhalten sich, bis die jungen Burschen aus der Nachbarschaft in Bo[o]ten herangerudert kommen. Dann vereinigen sie sich zu Gesellschaftsspiel und Tanz. Endlich fahren sie wieder fort. Die Mädchen zerstreuen sich, aber eine sitzt in tiefer Schwermut versunken in einem roten Kleide am Strande“ (Edvard Munch und Gustav Schiefler, Briefwechsel, Band 1: 1902–1914, Hamburg 1987, S. 266, Nr. 368). Da die Gemälde für eine hohe Hängung konzipiert waren, verzichtete Munch auf detaillierte Binnenzeichnungen. Um den Eindruck einer Wandmalerei zu erzeugen, benutzte er spröde, kalkhaltige Kaseintempera und grobe, ungrundierte Leinwände, welche die Farbe stark aufsaugten. Raue Untergrundstruktur und matte Farbigkeit ergeben die Anmutung alter Fresken. Als Ort der Handlung wählte Munch den Åsgårdstrand, wo er ein Sommerhaus mit Blick auf den Oslofjord besaß. | Dieter Scholz

Gekreuzigter

Gekreuzigter

Die Plastik „Gekreuzigter“ geht auf ein Gespräch zurück, das Cremer in den 1960er-Jahren mit Pfarrer Günter Gloede aus Berlin-Friedrichshagen geführt hatte, der ihm das Thema vorschlug. Cremer empfand die Idee zunächst als abstoßend, zehn Jahre später jedoch wandte er sich ihr erneut zu (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 124). Als Kommunist lehnte er religiösen Glauben ab. In seiner Lösung für dieses Motiv nutzte er den zugrundeliegenden christlichen Gedanken für sein künstlerisches Prinzip, eine Dialektik sichtbar werden zu lassen: Gegensätzliche Ideen treffen aufeinander, und der Widerspruch führt zu einer neuen Erkenntnis. Hierfür griff Cremer auf die wissenschaftliche Lehre des Marxismus zurück. Er schrieb dazu: „nicht Erlösung durch das Kreuz sondern Erlösung vom Kreuz“ (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 765). Der „Gekreuzigte“ ist ohne Kreuz, auf beiden Füßen stehend dargestellt. Auch die Position der Hände weicht von traditionellen Bearbeitungen des Sujets ab. Er hat die Rechte zur Faust geballt und öffnet die Linke. Von Nägeln und Seitenwunde keine Spur. Die Muskulatur ist kräftig und der Kopf hängt nicht herunter wie nach dem Tod, sondern der Blick ist nach vorn und oben gerichtet. Das Werk ließe sich dennoch auch aus christlicher Perspektive interpretieren, denn es heißt, Jesus sei „auferstanden von den Toten“. Ob Cremer eine kommunistische Kritik an der Kreuzigung schuf (Erlösung vom Kreuz) oder die Auferstehung von den Toten (Erlösung durch das Kreuz) in neuer Art und Weise verbildlichte, bleibt eine Frage der Deutung. Ein Entwurf der Plastik steht heute an der Grabstelle Gloedes auf dem Evangelischen Friedhof Friedrichshagen. | Emily Joyce Evans

Mutter und Kind

Mutter und Kind

Auch beim jüngsten Bild Berganders in der Sammlung geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, hier um die von Mutter und Kind. Ob die Frau dem Jungen etwas vorliest oder er sie nur gespannt beobachtet, ist nicht eindeutig. Als sicher kann gelten, dass lesende Menschen in der Kunst der DDR ein eigenes Untergenre bildeten: Das konzentrierte Aufnehmen, Nachdenken, Hinterfragen, Lernen und Vermitteln ergänzte das motivische Repertoire des sozialistischen Realismus, das hier allerdings eine weniger symbolische Abwandlung erfährt, denn es ist nicht eine Vertreterin der Arbeiterklasse, die sich das bürgerliche Medium Buch aneignet. Ähnlich wie bei dem „Mädchenporträt in Rot“ (A IV 229) ist die Atmosphäre schwer zu greifen, Setting und Ausstattung sind auf ein Minimum reduziert, der Hintergrund wirkt unfertig. Doch der aufmerksame Gesichtsausdruck des Kindes, die roten Bäckchen und sein Blick zur Mutter strahlen eine umfassende Wärme und Bindung aus, die tief berührt. Die hellen, pastelligen Töne und eine Menge leuchtende Farbe verstärken diesen Effekt ebenso wie der Lichteinfall, der das Kind, obwohl das kleinste Sujet, als Hauptprotagonisten inszeniert. Wie häufig bei Bergander existieren auch von diesem Werk mehrere Fassungen, darunter ein Gemälde mit demselben Titel im Hochformat (vgl. Nationalgalerie Berlin – Kunst der DDR. Berlin 2003, Abb. S. 26). Das Bild der Nationalgalerie dürfte eine Auftragsarbeit des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes gewesen sein, der es der Sammlung ein Jahr nach Entstehung überwies. | Sven Haase

Karelien und Murmansk

Karelien und Murmansk

Nach seiner Rückkehr aus Karelien 1925 malte Vogeler vier Komplexbilder, von denen nur das Gemälde „Karelien und Murmansk“ erhalten ist. In kaleidoskopartig angelegten Feldern stellt er dort seine Reise von Petrosawodsk im Süden bis Murmansk im Norden von unten nach oben dar. Zu sehen sind die karelische Landschaft, Fischerhäfen, die damals nördlichste Agrarstation in Chibinen, eine Holzflößerei, ein Bohrturm sowie die Murmansk-Eisenbahn, die das Werk von unten nach oben diagonal durchzieht. Die einzelnen Prismen gehen von dem übergroßen roten Sowjetstern aus. In ihm thront eine Tanne, das Wahrzeichen der finnisch geprägten Region Karelien. Sie steht auf einem rot umkränzten Berg aus toten Revolutionären, unter dem in einem neuen Feld eine Revolutionsfeier stattfindet. Oberhalb des Sterns sind eine Versammlung der Internationalen Roten Hilfe (MOPR) sowie Hammer und Sichel zu sehen. Auf Finnisch wird im Stern verkündet: „Die Sowjetmacht befreit alle Völker von den Ketten des Imperialismus.“ Dies ist die zentrale politische Botschaft, die Vogeler durch die „vielen erlebten realistischen Szenen“ im Komplexbild zusammengefügt hatte – für ihn die „beste agitatorisch-propagandistische Form“, um „das Werden der sozialistischen Gesellschaft nach der großen Oktoberrevolution“ zu vermitteln (H. Vogeler: Werden. Erinnerungen, 1989, S. 328 f). Weitere Banner fordern auf Finnisch: „Arbeiter und Unterdrückte aller Länder, vereinigt Euch“ und auf Russisch mit den Worten Wladimir Iljitsch Lenins: „Vor allem brauchen wir um jeden Preis eine Steigerung der Produktion“. | Maike Steinkamp