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Clown

Ident. Nr.: A III 838

ObjID: obj:964981

Details (expert)

Creator/Entity
Henri de Toulouse-Lautrec (1864 - 1901),
Maler*in
Date(s)
um 1886/1887
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Clown
Clown au Cirque Médrano
Original title: Au Cirque Fernando: "Clown"
Provenance
Tapié de Céleyran,
367991
Jean Cailac,
367990
Galerie Georges Petit,
367987
Georg Caspari, München,
1930
Nachlass/Vermächtnis: Annie Caspari, München,
1930–25.3.1932
Übereignung: Bankhaus Hardy & Co., München,
367985
Übereignung: Dresdner Bank, Filiale München,
bis 15.8.1935
Kauf: Reichsfinanzministerium und Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung,
ab 15.8.1935
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Höhe x Breite: 81,5 x 57 cm
Acquisition
1935 vom Preußischen Staat aus den Kunst-Beständen der Dresdner Bank angekauft und an die Staatlichen Museen zu Berlin überwiesen, Vorbesitz Annie Caspari, München

Object Description

Graf Henri de Toulouse-Lautrec, der seit einem Unfall im Kindesalter mit verkrüppelten Beinen leben mußte, war auf dem Montmartre ein Außenseiter unter Außenseitern, beliebt wegen seiner Unvoreingenommenheit und seiner sprühenden Rede. Entscheidende künstlerische Anregungen hatte er von Edgar Degas erhalten. Von ihm übernahm er die vereinfachten Formen und ausdrucksstarken Umrißlinien und wandelte sie seinem eigenen Stil an, mit drastischeren Silhouetten und kühneren Szenen. Seit 1885 bewohnte Toulouse-Lautrec auf dem Montmartre ein Atelier und verkehrte als Beobachter in den Cafés-Chantants, im Cabaret des berühmten Aristide Bruant, den Tanzcafés mit ihren Séparées und den Bordellen; im Tanz-Etablissement Moulin Rouge hatte er sich dauerhaft einen Tisch reserviert. Seit 1889 stellte er im Salon des Indépendant aus. Berühmt wurde er vor allem mit seinen Plakaten und Lithographien.
Toulouse-Lautrec liebte den Zirkus seit seiner Kindheit, erst in Paris kamen die verschiedenen anderen Vergnügungslokale hinzu.
Durch eigene körperliche Gebrechlichkeit sensibilisiert, erkannte er bald das auch unbarmherzige Geschäft der neuen Vergnügungsindustrie. Manchmal kleidete er sich in ein Clownskostüm und begab sich damit selbst in diese ambivalente Rolle. Seine Studie des damals berühmten Clowns Boum-Boum vom Cirque Fernando, die Paraderolle des Zirkusartisten Gerónimo Medrano (1849–1912), zeigt eine Gestalt mit ernstem Gesicht. Das großflächig grau in grau ausgeführte Bildnis ist wesentlich von der nervösen Umrißlinie geprägt. Dieses graphische Element wird Toulouse-Lautrec zur überscharfen Charakterisierung der verschiedensten Typen immer weiter kultivieren. Die Quadrierung des Untergrunds dieser Ölstudie verweist auf weitergehende Absichten, die aber im Werk Toulouse-Lautrecs nicht nachzuweisen sind. | Angelika Wesenberg

Last updated: 21.09.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Porträt Johann Georg Sulzer

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Im Auftrag des Leipziger Verlegers Philipp Erasmus Reich reiste Anton Graff 1771 nach Berlin, um für dessen Freundschaftsgalerie Moses Mendelssohn, Karl Wilhelm Ramler, Johann Joachim Spalding und Johann Georg Sulzer zu porträtieren. Im Hause des wie Graff aus Winterthur stammenden, von Friedrich dem Großen nach Berlin berufenen Philosophen Sulzer begegnete der Maler dessen ältester Tochter und heiratete sie noch im selben Jahr. Sulzer hatte bereits mehrere pädagogische Schriften verfaßt und arbeitete zu dieser Zeit an seinem Hauptwerk »Allgemeine Theorie der schönen Künste«, (1771/1774), der ersten deutschsprachigen Enzyklopädie zur Ästhetik und Kunst. Darin sprach er dem Porträt einen hohen Rang zu und würdigte Graff als herausragenden Meister seines Faches. Graffs Beziehung zu Sulzer war eng und freundschaftlich, er schuf vom Schwiegervater mehr als zwanzig Bildnisse, darunter jenes für die Reich-Galerie, ein repräsentatives Porträt für die Stadt Winterthur (Museum Oskar Reinhart, Winterthur), ein beeindruckendes privates Profilbildnis, das Graff 1782 der Halberstädter Freundschaftsgalerie des Dichters Gleim übergab (Gleimhaus Halberstadt), sowie 1777, zwei Jahre vor Sulzers Tod, ein Bildnis mit dem Enkel Carl Anton (Museen der Stadt Aschaffenburg). Im gleichen Jahr entstand diese Teilreplik, die Sulzer mit Perücke im Hausrock – ohne Enkel – zeigt. Sie wurde von der Nationalgalerie aus dem Besitz der Nachkommen Sulzers erworben. Eine präzise Vorzeichnung befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig. | Birgit Verwiebe

Im Etappenquartier vor Paris

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Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

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Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg