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Bacchantin

Ident. Nr.: B II 111

ObjID: obj:966694

Details (expert)

Creator/Entity
Jacques François Marin (1877 - 1950),
Bildhauer*in
Date(s)
um 1905 (Guss undatiert)
Systematics/Type
Material / Technique
Bronze, grüner Marmorsockel
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 66 x 27 x 21 cm
Acquisition
1916 Vermächtnis Dr. Georg August Freund, Berlin

Object Description

Zusammen mit zahlreichen Gemälden und Skulpturen gelangte die Büste als Vermächtnis des Berliner Privatgelehrten und Kunstsammlers Dr. Georg August Freund in die Nationalgalerie. Während die Übergabeliste Marins Bronze noch als „Dekolletiertes Mädchen“ (SMB-ZA, I/NG 1011) verzeichnet, weisen Weinlaub und Trauben das Werk als Darstellung einer Bacchantin aus. Doch vermitteln der kokett gewendete Kopf und die plastisch ausgearbeiteten Augensterne porträthafte Züge und rücken das Bildnis in die Tradition der im späten 18. Jahrhundert beliebten Rollenporträts. Der Belgier Marin entwarf mehrfach mythologische Büsten, neben Merkur auch dekorativ aufgesockelte Büstenpaare von Bacchantinnen oder bewegt aufeinander bezogene Statuettenpaare in Form von Bacchus und Bacchantin. Für das vorliegende Exemplar lassen der lebendig geäderte, zweiteilige Sockel aus grünem Marmor sowie die nach rechts gewendete Haltung ebenfalls ein Pendant möglich erscheinen. Marins Sujets und bildhauerische Gestaltung entsprechen ganz dem akademischen Umfeld der Académie royale de Belgique um die Jahrhundertwende; von 1941 bis 1944 stand der Künstler jener Institution selbst als Direktor vor. | Yvette Deseyve

Last updated: 28.08.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Porträt Johann Georg Sulzer

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Im Auftrag des Leipziger Verlegers Philipp Erasmus Reich reiste Anton Graff 1771 nach Berlin, um für dessen Freundschaftsgalerie Moses Mendelssohn, Karl Wilhelm Ramler, Johann Joachim Spalding und Johann Georg Sulzer zu porträtieren. Im Hause des wie Graff aus Winterthur stammenden, von Friedrich dem Großen nach Berlin berufenen Philosophen Sulzer begegnete der Maler dessen ältester Tochter und heiratete sie noch im selben Jahr. Sulzer hatte bereits mehrere pädagogische Schriften verfaßt und arbeitete zu dieser Zeit an seinem Hauptwerk »Allgemeine Theorie der schönen Künste«, (1771/1774), der ersten deutschsprachigen Enzyklopädie zur Ästhetik und Kunst. Darin sprach er dem Porträt einen hohen Rang zu und würdigte Graff als herausragenden Meister seines Faches. Graffs Beziehung zu Sulzer war eng und freundschaftlich, er schuf vom Schwiegervater mehr als zwanzig Bildnisse, darunter jenes für die Reich-Galerie, ein repräsentatives Porträt für die Stadt Winterthur (Museum Oskar Reinhart, Winterthur), ein beeindruckendes privates Profilbildnis, das Graff 1782 der Halberstädter Freundschaftsgalerie des Dichters Gleim übergab (Gleimhaus Halberstadt), sowie 1777, zwei Jahre vor Sulzers Tod, ein Bildnis mit dem Enkel Carl Anton (Museen der Stadt Aschaffenburg). Im gleichen Jahr entstand diese Teilreplik, die Sulzer mit Perücke im Hausrock – ohne Enkel – zeigt. Sie wurde von der Nationalgalerie aus dem Besitz der Nachkommen Sulzers erworben. Eine präzise Vorzeichnung befindet sich im Museum der bildenden Künste Leipzig. | Birgit Verwiebe

Im Etappenquartier vor Paris

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Dem Gemälde »Im Etappenquartier vor Paris« liegt eine frühe Skizze aus dem Herbst 1870 zugrunde. Damals wollte Anton von Werner, obwohl für dienstuntauglich erklärt, an Ort und Stelle Material für ein Auftragsbild »Moltke mit seinem Stabe vor Paris« (vollendet 1873, Kunsthalle Kiel) sammeln. Im requirierten Schlößchen Brunoy einquartiert, zeichnete er am 24. Oktober diese harmlose Szene: wie das Kaminfeuer vorbereitet wird, wie zwei Ulanen das Schubert-Lied »Das Meer erglänzte weit hinaus« nach dem Gedicht Heinrich Heines vortragen und wie die Concierge, vom Gesang angezogen, mit ihrem Töchterchen in der Tür erscheint. »Das Innere des Hauses, Mobiliar usw.«, schrieb Anton von Werner im September 1894 in einem erklärenden Brief an die Nationalgalerie, »war damals im Oktober, kurze Zeit nach Beginn der Belagerung von Paris, noch völlig intakt, auch die oft genannten Pendules auf dem Kamin u. andere Nippes fehlten nicht« (SMB-ZA, I/NG 2035, Journal-Nr. 1895/105). ›Oft genannt‹ meint: in späteren Berichten über Plünderungen und Diebstähle deutscher Truppen. Auch von den Schrecken der viermonatigen Belagerung von Paris wußte man inzwischen, doch davon läßt das gemütliche Treiben der deutschen Militärs in der besetzten Villa nichts vermuten. Die Hemdsärmeligkeit, mit der sie sich mit ihren schmutzigen Stiefeln in der fremden Pracht eingerichtet haben, soll als erheiternd, nicht als peinlich empfunden werden: leuchtet doch mit der Musik ein Abglanz heimatlicher Kultur. Ein leidenschaftsloses Einverständnis mit dem Seienden bestimmt auch den malerischen Vortrag, der sich, um täuschende Vergegenwärtigung bemüht, mit kühler Virtuosität gleichmäßig jedem Gegenstand bis ins Detail, bis zu den lückenhaft benagelten Stiefelsohlen hin, zuwendet. Nicht einmal der Kontrast zwischen dem Kaminfeuer mit seinen roten Reflexen und dem schon winterlich weißen Himmel wird nicht malerisch ausgespielt. So sehr der Krieg als ein Wechsel dramatischer, besinnlicher und humoriger Augenblicke verharmlost erscheint – Werner hütet sich, ›den Feind‹ verächtlich zu machen. | Claude Keisch

Einzug des Kronprinzen Friedrich von Preußen in Jerusalem 1869

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Dargestellt ist, gleich einer authentischen Schilderung, der prächtige, bejubelte Einzug des preußischen Kronprinzen Friedrich (1831–1888) in Jerusalem Anfang November 1869. Man sieht den Maler selbst rechts im Bild auf einem Esel sitzend und zeichnend. Dabei entstand das Auftragswerk erst 1876 nach Studien. Es stellt eine nachträgliche Interpretation der Ereignisse dar und bekräftigt den neuen Machtanspruch: Inzwischen hatten der Krieg von 1870/71 und die Proklamation des deutschen Kaiserreichs im Spiegelsaal von Versailles stattgefunden. Aus diplomatischen Gründen war dem Kronprinzen 1869 die Aufgabe zugefallen, Preußen bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Suezkanals zu vertreten. Der König hatte ihm zudem gestattet, die seltene Reise in den Orient auch etwas zu erweitern. Bei seiner Audienz in Istanbul übereignete der Sultan Preußen ein lange begehrtes Gelände in Jerusalem mit den Ruinen des mittelalterlichen Johanniter-Hospizes und der zugehörigen Kirche. Der Kronprinz nahm das historische Gelände nun vor Ort symbolisch in Besitz. Erst im Frühjahr 1873 erhielt das Kronprinzenpaar den auf dem Bilde dargestellten weißen Araberhengst als Geschenk des Sultans. Vielleicht war dies der äußere Anlaß, ein repräsentatives Erinnerungsbild der Reise in Auftrag zu geben. Wilhelm Gentz, zu dieser Zeit schon ein bekannter Orientmaler, reiste 1873 für einige Wochen zu Studien nach Jerusalem. Dort wählte er für das zu malende Geschehen einen Hügel vor der Stadtmauer mit freiem Blick auf die Silhouette der Stadt aus. In Berlin entstanden die Studien vom Kronprinzen in der 1869 getragenen Staatsrobe und von dem prächtigen Hengst. Das fertige Werk wurde auf der Akademieausstellung 1876 mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet; es war zuvor bereits für die Nationalgalerie erworben worden. Der einflußreiche Kunstkritiker Adolf Rosenberg schrieb 1891: »es ist die erste bildliche Darstellung der sieghaften Macht, die das neuerstarkte Deutschland über Orient und Occident damals zu gewinnen anfing« (Zeitschrift für bildende Kunst, N.F., 15. Jg., 1891, S. 213). | Angelika Wesenberg